Stadttheater Langenthal, Langenthal BE

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Gastspielbetrieb, alle Sparten

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts können in Langenthal Aufführungen von Amateurtheatern und professionellen Schauspielergesellschaften nachgewiesen werden. 1808 ist eine Amateurtheateraufführung in Langenthal verbürgt, 1850 gab Johann Heinrich Schmitz, Direktor einer wandernden Schauspielergesellschaft, zwei Monate Vorstellungen in Langenthal. Gespielt wurde wahrscheinlich in einem eigens errichteten Saaltheater innerhalb eines öffentlichen Gebäudes oder es wurde wie beispielsweise in Bern ein ephemerer Theaterbau aus Holz auf einem städtischen Platz errichtet und nach den Vorstellungen wieder abgebrochen. Seit 1865 stand für Theateraufführungen in der alten Markthalle ein Saal mit geräumiger Bühne zur Verfügung, der in der Wintersaison bespielt wurde, unter anderem vom Theaterdirektor →Carl Friedrich Heuberger. Am 17.12.1916 eröffneten die Langenthaler Vereine und das Winterthurer Stadtorchester mit einem Festkonzert und August von Kotzebues Festspiel "Die Ruinen von Athen" den neuen Theaterbau. Ermöglicht wurde das für eine Stadt mit 6000 Einwohnern grosse und repäsentative Theater durch das grosszügige Legat des 1909 verstorbenen Zürcher Stadtbaumeisters Arnold Geiser. Als Bürger von Langenthal vermachte er seiner Heimatgemeinde 100’000 Franken, die für den Bau eines Konzert- und Theatersaales verwendet werden sollten. Dank Beiträgen der Einwohnergemeinde, von Vereinen und privaten Spendern, die den vorhandenen Betrag aufstockten, konnte nach einer vierjährigen Planungsphase und der Annahme der Bauvorlage am 17.12.1914 der Grundstein gelegt werden, zwei Jahre später fand die Eröffnung statt. Es folgten unter anderem Vorstellungen des →Stadttheaters Bern, des →Stadttheaters Zürich, des →Stadttheaters Basel und von Amateurtheatergruppen. Seit der Gründung des →Städtebundtheaters Biel-Solothurn 1927 unter →Leo Delsen war dieses häufiger zu Gast, ab der Saison 1935/36 wurde diese Zusammenarbeit zu einem regelmässigen Theaterbetrieb mit einer Vorstellung an jedem ersten Sonntag des Monats institutionalisiert. Bis Anfang der siebziger Jahre, als das Städtebundtheater kurzfristig seine Eigenproduktionen einstellte, blieb diese Bühne die beherrschende Gastspielbühne. Seither wird eine breitere Palette an Anbietern berücksichtigt. Das Stadttheater Langenthal gilt als kultureller Mittelpunkt der Region Oberaargau und bietet von Oktober bis Mai mit Gastensembles aus dem In- und Ausland durchschnittlich 23 Produktionen des Sprech- und Musiktheaters an. Dazu gesellen sich etwa zwanzig Veranstaltungen (meist Konzerte) lokaler Institutionen. Zur Ergänzung des offiziellen Gastspielprogramms wird das Haus während des ganzen Jahrs auch an private Veranstalter vermietet, die den Spielplan um Cabaret-, Ballett-, Kleinkunst- und Konzertveranstaltungen erweitern. Die Aufsicht über die Führung des Theaterbetriebs obliegt der Theaterkommission. Die Stadtver­waltung (Amt für öffentliche Sicherheit) ist mit der administrativen Leitung des Betriebs betraut, führt das Sekretariat und sorgt für die Durchführung der Theaterkommissionsbeschlüsse. Die Gemeinde Langenthal und der Kanton Bern unterstützen den Betrieb mit einer Defizitgarantie von jährlich etwa 500’000 Franken.

Spielstätte

Aarwangenstrasse 8, 4900 Langenthal. Der Theaterbau wurde am 17.12.1916 eröffnet. Guckkastenbühne; Bühnenmasse: Portalhöhe: 4,9 m, Portalbreite: 8,3 m, bespielbare Tiefe der Bühne: 10 m. Platzkapazität: 446 Plätze (Parkett: 318; Galerie: 128). Orchestergraben: Platz für zirka 32 Musikerinnen und Musiker. 1955 wurde das Theater einer Gesamtrenovation unterzogen, 1983 wurden Gebäudefassaden renoviert und technische Einrichtungen saniert.



Autor: Redaktion



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Redaktion: Stadttheater Langenthal, Langenthal BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1725, mit Abbildung auf S. 1725.