Walter Felsenstein

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* 30.5.1901 Wien (A), † 8.10.1975 Berlin/Ost (DDR, heute: D). Vater des Theaterregisseurs und Intendant Peter Brenner, des Regisseurs Johannes F. und des Schauspielers Christoph F.

1921–23 Schauspielausbildung bei Burgschauspieler Ernst Arndt in Wien. 1923/24 Schauspieler am Stadttheater Lübeck, 1924/25 am Nationaltheater Mannheim, dort erste Regieaufgaben, 1925–27 an den Vereinigten Städtischen Bühnen Beuthen-Gleiwitz-Hindenburg. 1927–29 unter der Direktion von →Oskar Wälterlin Oberspielleiter, Dramaturg und Schauspieler am →Stadttheater Basel, wo er 37 Werke inszenierte, darunter Verdis "Die Macht des Schicksals", Fritz von Unruhs "Bonaparte", →Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg", Schillers "Wallensteins Tod" und "Die Räuber", Strindbergs "Fräulein Julie", →Frank Wedekinds "Der Liebestrank", Edgar Wallaces "Der Hexer" und Puccinis "Turandot"; er spielte unter anderem Matthias in der Schweizer Erstaufführung von Werfels "Paulus unter den Juden", Lysander in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" sowie in eigener Regie den Zahnarzt Dr. Valentine in Shaws "Man kann nie wissen". 1929–32 Oberspielleiter des Schauspiels und der Oper am Stadttheater Freiburg im Breisgau, 1932–34 Oberspielleiter der Oper an den Städtischen Bühnen Köln, 1934–36 Oberspielleiter der Oper an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main. F. wurde dort wegen seiner jüdischen Ehefrau entlassen und 1936 aus der Reichstheaterkammer ausgeschlossen. Danach Sondererlaubnis für zwei Inszenierungen am privaten Theater im Admiralspalast Berlin. 1938–40 Oberspielleiter der Operette und Opernregisseur am →Stadttheater Zürich (insgesamt zwölf In­szenierungen, darunter Millöckers "Gasparone", Offenbachs "Pariser Leben" und "Orpheus in der Unterwelt", Richard Strauss’ "Salome", Tschaikowskys "Pique Dame"). 1939 Wiederaufnahme in die Reichstheaterkammer, ab März 1940 bis 1944 Regisseur unter Heinrich George am Schiller-Theater Berlin (zunächst noch parallel zu seinen Verpflichtungen in Zürich), daneben Gast­inszenierungen in Aachen, Düsseldorf, Straßburg, Metz und bei den Salzburger Festspielen. 1945–47 Regisseur am Hebbeltheater Berlin, Gastregisseur am Burgtheater Wien. 1947–75 Intendant der Komischen Oper Berlin/Ost, die unter F., der als Mitbegründer des realistischen Musiktheaters galt, zu einer der führenden Bühnen Europas wurde. Daneben gastweise Opern- und Schauspielinszenierungen unter anderem in Hamburg, Mailand, Moskau, München und Wien. F. war ab 1951 Mitglied, ab 1959 Vizepräsident der Akademie der Künste der DDR, ab 1966 Präsident des Zentrums DDR des Internationalen Theaterinstituts und Mitglied des Weltexekutivrats. F.s "Schriften zum Musiktheater" wurden 1976 von Stephan Stompor herausgegeben.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1950, 1951, 1956, 1960 und 1972 Nationalpreis der DDR,
  • 1959 Professor honoris causa,
  • 1961 Ehrendoktor der Humboldt-Universität Berlin und 1962 der Karls-Universität Prag.

Literatur

  • Friedrich, Götz: W. F., 1961. Kobán, Ilse: W. F., 1991.
  • Bestandsverzeichnis des F.-Archivs zu den Inszenierungen F.s, 1926–1975, zusammengestellt von Ilse Kobán, herausgegeben von der Akademie der Künste der DDR, 1981.

Nachlass

  • Archiv der Akademie der Künste, Berlin.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Walter Felsenstein, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 573.

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