Frank Wedekind

Aus Theaterlexikon
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* 24.7.1864 Hannover (D), † 9.3.1918 München (D), eigentlich Benjamin Franklin W. Sohn des Arztes Friedrich Wilhelm W. und der Sängerin und Schauspielerin Emilie Kammerer, Bruder der Sängerin →Erika W. und des Dramaturgen Donald W. ∞ 1906 Tilly Newes, Schauspielerin. Vater der Schauspielerin und Sängerin Pamela W. (∞ I. Carl Sternheim, Schriftsteller, ∞ II. →Charles Regnier, Schauspieler) und der Schauspielerin und Schriftstellerin Kadidja W.

Ab 1872 aufgewachsen auf Schloss Lenzburg, besuchte W. in Aarau das Gymnasium. Auf väterlichen Wunsch studierte er zunächst Jurisprudenz in München, brach das Studium aber ab und wurde 1886–87 Werbetexter für die Firma Maggi in Kemptthal. Nach dem Tod des Vaters 1888 arbeitete W. als freier Schriftsteller, erst in Berlin und in München, ab 1891 in Paris. Er verfasste Gedichte, Tanzpantomimen und Schauspiele, um deren Aufführung er sich zunächst erfolglos bemühte. 1895 kehrte er nach Deutschland zurück, trat im Winter 1895/96 in der Schweiz als Rezitator vor allem von Ibsens Dramen unter dem Pseudonym Cornelius Mine-Haha auf, war 1898 als Sekretär, Schauspieler und Regisseur bei Carl Heine am Ibsen-Theater Leipzig und als Dramaturg am Münchner Schauspielhaus engagiert und veröffentlichte 1896–99 unter verschiedenen Pseudonymen Gedichte in der Münchner satirischen Wochenschrift "Simplicissimus", was ihm 1899 sechs Monate Festungshaft wegen Majestätsbeleidigung eintrug. 1901 trat W. dem Kabarett "Elf Scharfrichter" bei, wo er selbst komponierte Lieder vortrug, die er mit der Laute begleitete. Seit der Jahrhundertwende wurden W.s Stücke auf deutschen Bühnen zunehmend beachtet und machten ihn zu einem der meistgespielten Bühnenautoren der Vorkriegszeit. Die Aufführung seiner formal wegweisenden, die bürgerliche Moral provozierenden Stücke wurde oft durch Zensurmassnahmen behindert. W. nahm 1903/04 in München Schauspielunterricht bei Fritz Basil und trat (zumeist in seinen eigenen Stücken) auch als Schauspieler auf, unter anderem in Wien (1905 Jack in "Die Büchse der Pandora", Trianon-Theater, Regie: Albert Heine), München (1906 Wedekind-Zyklus im Schauspielhaus mit W. und Newes in allen Hauptrollen) und Berlin (1907 Konsul Casimir in "Der Marquis von Keith" an den Kammerspielen des Deutschen Theaters, Regie: W.) sowie in den Spielzeiten 1908/09, 1916/17 und 1917/18 am →Stadttheater Zürich. Dort spielte er unter anderem 1917 als Dr. Schön in "Erdgeist" mit Newes als Lulu, zunächst im Kaufleuten-Saal Zürich, dann im →Pfauentheater und schliesslich im Stadttheater, als Gastspiel des Zürcher Künstlertheaters unter der Direktion von Waldemar Wendland auch in Davos und am →Stadttheater Basel. Bühnenwerke (Auswahl): "Frühlings Erwachen" (1891, Uraufführung 20.11.1906, Kammerspiele des Deutschen Theaters Berlin, Regie: Max Reinhardt, mit W. als vermummtem Herrn), "Der Erdgeist" (1895, Uraufführung 25.2.1898, Kristallpalast Leipzig, Regie: Carl Heine, mit W. unter dem Pseudonym Heinrich Kammerer als Dr. Schön), "Der Liebestrank" (1899, Uraufführung 28.9.1900, Pfauentheater Zürich), "Der Marquis von Keith" (Uraufführung 11.10.1901, Residenztheater Berlin), "Die Büchse der Pandora" (Uraufführung 1.2.1904, Initmes Theater Nürnberg), "Zensur" (1908, Uraufführung 27.7.1909, Münchner Schauspielhaus), "Bismarck" (1915), "Schloss Wetterstein" (Uraufführung 15.11.1917, Pfauentheater Zürich, Regie: W., mit W. als Rüdiger).

Literatur

  • Vinçon, Hartmut: F. W., 1987.
  • Florack, Ruth: Bibliographie zu F. W. In: Text + Kritik 131/132/1996.

Nachlass

  • Aargauische Kantonsbibliothek Aarau und
  • Münchner Stadtbibliothek.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Frank Wedekind, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2056–2057.