Willy Godlewski

Aus Theaterlexikon
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* 5.4.1892 Breslau (Wroclaw, heute: PL), † 3.8.1943 Prag (CS), eigentlich Karl August G. Sohn des Ballettmeisters, Tänzers und Pantomimen Carl G. und der Tänzerin Ludmilla Klaß. Bruder der Tänzerin und Ballettmeisterin Gretl G. und der Tänzerin Camilla G.

Nach einer Ballettausbildung bei seinem Vater und Carl Raimund in Wien tanzte er in Hamburg, Berlin, Magdeburg, Nürnberg und Kopenhagen, war ab 1915 Ballettmeister an verschiedenen Wiener Theatern und wurde 1917 Partner von Grete Wiesenthal für eine ausgedehnte Tournee. 1918–20 Engagement als Solotänzer an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main (Opernhaus, gemeinsam mit seiner Schwester Gretl). Erste Auseinandersetzung mit dem Ausdruckstanz, 1921 Gründung der kleinen Tanzgruppe "Mimische Tanzspiele". Mit der Absicht, dem dramatischen Tanz zum Durchbruch zu verhelfen, kam er 1924 als Ballettmeister, Solotänzer und Leiter der Tanzschule ans →Stadttheater Zürich (1924/25 auch als Ballettmeister am →Corso-Theater Zürich tätig) und profilierte sich nach Balletteinlagen in "Julius Caesar" und "Maruf" (Musik beide: Händel) mit seiner Mitwirkung in der Erstaufführung von "Josephslegende" (Musik: Richard Strauss) und "Der Dämon" (Musik: →Paul Hindemith). Unter seiner Leitung machte die sechsköpfige Truppe rasch Fortschritte und erregte beispielsweise mit einem "Mückentanz" in "Die lustigen Weiber von Windsor" (Musik: Nicolai) und den gefühlvollen Tanzbildern "Die Jahreszeiten der Liebe" Aufsehen. Nach einer zweiten, erfolgreichen Spielzeit mit "Der holzgeschnitzte Prinz" (Musik: Bartók) und der Uraufführung von "Der weisse Tänzer" (Musik: José Berr) verliess G. 1926 Zürich. Engagements als Ballettmeister und Solotänzer 1926–28 an den Vereinigten Stadttheatern Nürnberg-Fürth und 1928/29 am Staatlichen Theater Kassel. An den Tänzerkongressen 1927–30 und in Publikationen Engagement für die soziale Stellung der Tanzschaffenden und Beteiligung an den Diskussionen über das Verhältnis von Ballett und Ausdruckstanz. 1931/32 Ballettmeister an den Bayerischen Staatstheatern München und 1934–36 am →Stadttheater Basel, wo er 1935 zunächst nur eine Tanzmatinée mit Klavierbegleitung durchführte, in der zweiten Saison aber einen Orchesterballettabend zu Mozarts "Liebesprobe" gestalten konnte. Seinen wichtigsten Beitrag zum Theatertanz leistete er als Pädagoge an seinen Ausbildungsstätten in Berlin, München, Wien und Prag.



Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Willy Godlewski, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 729.

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