Josef Victor Widmann

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* 20.2.1842 bei Nennowitz (heute: CZ), † 6.11.1911 Bern, auch Joseph Viktor W. Pseudonym: Messer Ludovico Ariosto Helvetico. Vater des Malers Fritz W. und der Malerin Johanna Schäfer-W. Grossvater der Schauspielerin →Ellen W.

Besuch der Volksschule in Liestal, wo der aus Mähren stammende Vater als Pfarrer amtete, und des Gymnasiums in Basel, Beginn der Freundschaft mit Carl Spitteler. Theologiestudium in Basel, Heidelberg und Jena (Ordination 1865). 1868–80 Leiter der Mädchenschule der Einwohnergemeinde Bern. 1880–1911 Redaktor bei der Berner Tageszeitung "Der Bund". Umfangreiche Tätigkeit als Literatur-, Musik- und Theaterkritiker sowie Verfasser von Reiseberichten. Neben Erzählungen, Romanen, Versepen und Gedichten schrieb W. mehrere Libretti zu Opern und anderen musikalischen Werken sowie über ein Dutzend Schauspiele, deren Spektrum vom Märchenspiel ("Der geraubte Schleier", 1864, nach Johann Carl August Musäus) über Antikendramen ("Iphigenie in Delphi", 1865) bis zu Komödien ("Maikäfer-Komödie", 1897; Uraufführung 20.6.1942, →Schauspielhaus Zürich, Regie: →Oskar Wälterlin) reicht. Einige Stücke wurden am Hoftheater Meiningen uraufgeführt, so die Tragödie "Oenone" (15.3.1891) und "Jenseits von Gut und Böse" (29.1.1893). Zu Lebzeiten bekannt und geehrt, sind W.s Werke heute weit gehend vergessen. Bedeutender ist seine Leistung als Vermittler der zeitgenössischen Weltliteratur und der schweizerischen Kunstszene, wie sie in Berichten über das Kunstschaffen in der Romandie zum Ausdruck kam. Förderer von Schweizer Autoren, namentlich von →Robert Walser, dessen erste Publikation 1898 in der Zeitung "Der Bund" erschien. W. betonte den eigenständigen Charakter der schweizerischen Kunst, ohne jedoch in eine Heimattümelei zu verfallen. Kontakt zu zahlreichen in- und ausländischen Kunstschaffenden, insbesondere Freundschaft mit Johannes Brahms. Weitere Bühnenwerke (Auswahl): "Arnold von Brescia" (1867), "Das Festgedicht" (uraufgeführt am Jahresfest des Schweizerischen Kunstvereins in Bern, 22.6.1873), Libretto zu Hermann Goetz’ Oper "Der Widerspenstigen Zähmung" nach Shakespeare (1872; Uraufführung 11.10.1874 in Mannheim), "Die Königin des Ostens" (1880), "Lysanders Mädchen" (1900; Uraufführung 11.2.1901, Stadttheater Frankfurt am Main), "Der Heilige und die Tiere" (1905).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1880 Dr. h. c. der Universität Bern.

Literatur

  • Widmann, Elisabeth/Widmann, Max: J. V. W. Ein Lebensbild, 2 Bände, 1922–24.
  • Pulver, Elsbeth/Käser, Rudolf (Hg.): "Ein Journalist aus Temperament", J. V. W. – ausgewählte Feuilletons, 1992.

Nachlass

  • Burgerbibliothek Bern,
  • Dichtermuseum Liestal und
  • Stadtbibliothek Winterthur sowie
  • Materialien in den Nachlässen von Maria Waser, Carl Albert Loosli, Cécile Lauber und Hermann Hesse im Schweizerischen Literaturarchiv, Bern.


Autor: Dirk Strohmann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Strohmann, Dirk: Josef Victor Widmann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2092–2093, mit Abbildung auf S. 2093.

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