Mad Theater, Bern BE

Aus Theaterlexikon
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Freie Gruppe, Sprechtheater, ohne eigene Spielstätte

Die Gruppe bildete sich 1981 auf Initiative von Peter Kopf unter dem Namen "Kollektiv freischaffender Theatermacher Bern". Ursprünglich als Forum für professionelle Theaterschaffende gedacht, die an kein festes Ensemble gebunden sind, bildete sich daraus eine feste Gruppe, zu deren Kern neben Regisseur Kopf die Schauspieler Gögi Hofmann und Simone Spaeth gehörten. Das M. thematisierte politische Inhalte und arbeitete bei seinen Inszenierungen, meist Ensembleproduktionen, oft mit Komik und Slapstick. Der Spielort war bei verschiedenen Inszenierungen Bestandteil des Konzepts. Das M. zeigte in der Regel eine Inszenierung pro Saison: "Ds Änd vom Afang oder dr Afang vom Änd" (1982) im →Galerietheater Die Rampe in Bern, "D Barriere abelah" (1983) im alten Tramdepot Bern. Namengebend war die dritte Produktion "MAD Theatre" (1984), aufgeführt im →Alten Schlachthaus Bern. Das Stück thematisierte die atomare Aufrüstung, wobei MAD, Abkürzung für "Mutually Assured Destruction", ein Begriff der strategischen Abschreckungsdoktrin der NATO ist und "Theatre" eine Bezeichnung für Kriegsschauplatz. "Schlamassel" (1985) in einem Theaterzelt im Berner Mattenquartier hatte die Raumnot der freischaffenden Theatergruppen zum Inhalt. Einen Höhepunkt feierte das M. mit "Schicksalszug" (1986) zum Thema Einwanderungspolitik in einem fahrenden Sonderzug. 1987 folgte im Berner →Kursaal "Ein Leben mit Zukunft", eine Komödie über Umweltkatastrophen. Ebenfalls grosse Beachtung fand "Entweder – Oder" (1988), die Geschichte eines Schweizer Arztes, der in El Salvador bei der Guerilla arbeitete und ermordet wurde. Die Zuschauer wurden mit einem Bus zu den verschiedenen Spielorten in der Stadt und Region Bern gefahren. Weitere Produktionen waren: als erstes schon bestehendes Stück 1988 die Schweizer Erstaufführung von Taboris "Mein Kampf" in der Galerie "Kunstkeller" in Bern, 1989 "Hommage à Karl Valentin", 1990 →Bertolt Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" auf einem Bauernhof in der Berner Gemeinde Kirchlindach, 1990 "Die Empörung", ein Stück über den russischen Revolutionär und Theoretiker des Anarchismus Michail Bakunin, in der Kulturfabrik Burgdorf, 1991 "CH 95" im Radio Studio Bern zum Thema Schweiz und Europäische Gemeinschaft sowie ebenfalls 1991 Brechts "Flüchtlingsgespräche" in Koproduktion mit dem Berner →STOP Performance Theater, 1993 "Das Lachen", eine theatralische Umsetzung von Henry Bergsons Analyse über das Lachen. "Made in Hollywood" (1996) war ihre letzte Produktion. Finanziell unterstützt wurde die Gruppe durch Beiträge der Stadt und des Kantons Bern sowie verschiedener Stiftungen und Sponsoren.



Autorin: Sandra Leis



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Leis, Sandra: Mad Theater, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1155, mit Abbildung auf S. 1155.