Max Sauter-Falbriard

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* 16.7.1879 St. Gallen, † 23.3.1971 Zürich. ∞ I. Jeanne Falbriard, Sängerin.

Erster Gesangsunterricht als Kind beim Bassisten Görner des →Stadttheaters St. Gallen; 1889 Auftritt als Walter in Schillers "Wilhelm Tell" am Stadttheater St. Gallen. Banklehre in St. Gallen, dann Tätigkeit im Bank- und Börsenwesen in Basel, Paris, Zürich und Genua, parallel dazu Gesangsausbildung bei Professor Chevé in Paris (1901–03) und Robert Kaufmann-Kissling in Zürich (1903–05). Nach einem erfolgreichen Probe­singen bei Gustav Mahler entschied sich S. für die Sängerlaufbahn und gab seinen erlernten Beruf auf. Es folgten Gesangsstudien 1906 bei Johannes Ress und Filip Forstén in Wien, ab 1907 bei Johannes Messchaert in Frankfurt am Main und München sowie ab 1912 bei Vittorio Maria Vanzo in Mailand. S.s Karriere, die grösstenteils im Konzertsaal stattfand, begann 1913 in Locarno und führte ihn bis etwa 1950 in zahlreiche Städte Deutschlands, Italiens, Österreichs und der Schweiz. Parallel zu seiner Solistenlaufbahn als Bassbariton begann S. als Assistent Vanzos in Mailand seine Tätigkeit als Gesangspädagoge. Durch den Kontakt mit seinem Lehrer entstand die Idee, Opern im italienischen Belcanto-Stil in der Schweiz und in anderen Ländern Europas zur Aufführung zu bringen. So wurde S. zum Initiator, Leiter und Organisator einer italienischen Operntruppe, die sich erstmals 1915 in Zürich mit einer Produktion von Puccinis "Tosca" vorstellte. Im Mai 1916 präsentierte S. am →Stadttheater Zürich seine erste "Stagione d’opera italiana", in deren Rahmen in acht Vorstellungen Verdis "Aida", "La Traviata", "Rigoletto" sowie wiederum Puccinis "Tosca" und Rossinis "Il barbiere di Siviglia" aufgeführt wurden. Im Zentrum von S.s Spielplänen standen neben den bekannten Werken von Verdi und Puccini einzelne Opern von Bellini ("Norma", "La sonnambula"), Boito ("Mefistofele"), Catalani ("La Wally"), Donizetti ("La favorita", "Don Pasquale", "Lucia di Lammermoor"), Giordano ("Andrea Chénier"), →Ruggero Leoncavallo ("I pagliacci"), Mascagni ("Cavalleria rusticana"), Ponchielli ("La Gioconda"), Rossini ("Il barbiere di Siviglia") und Wolf-Ferrari ("La vedova scaltra"). S.s Solistenensemble setzte sich für gewöhnlich aus international bekannten, zumeist italienischen Sängerinnen und Sängern zusammen, etwa den Sopranistinnen Lina Bruna Rasa, Maria Caniglia, Gina Cigna, Toti dal Monte, Gilda dalla Rizza, Giuseppina Finzi-Magrini, Claudia Muzio, Graziella Pareto, Tina Poli-Randaccio und Mafalda de Voltri, den Altistinnen Irene Minghini-Cattaneo, Gina Pedroni, Maria Ravelli und Ebe Stignani, den Tenören Ferdinando Ciniselli, Benjamino Gigli, Pietro Gubellini, Enzo de Muro Lomanto, Cristy Solari und →Salvatore Salvati, den Baritonen Mattia Battistini, Benvenuto Franci, Carlo Galeffi, Apollo Granforte, Titta Ruffo, Mario Sammarco, Mariano Stabile und Riccardo Stracciari sowie den Bässen Fernando Autori, Aristide Baracchi, Vincenzo Bettoni und Luigi Manfrini. Die wichtigsten Dirigenten waren Giacomo Armani, Giulio Falconi und Arturo Lucon. Zu Beginn seiner Tätigkeit als Impresario engagierte S. Chöre und Orchester der Gastspielorte, später verpflichtete er häufig eine Chor- und Orchesterformation der Mailänder Scala. Bis 1964 stand S. diesem Operntournee­­unternehmen vor und veranstaltete Aufführungen nicht nur in Zürich (Stadttheater, Kongresshaus, Hallenstadion), sondern auch in Basel, Bern, Genf, Lausanne, Luzern, Wein­felden sowie in über vierzig Städten Deutschlands (Berlin, Breslau, Frankfurt am Main, Köln), der Tschechoslowakei (Prag), Ungarns (Budapest) und Österreichs (Wien und 1931 an den Salzburger Festspielen). Ein denkwürdiges Opernereignis initiierte er 1937 im Rahmen der Juni-Festwochen Zürich, als er mit Aureliano Pertile in der Titelpartie und unter der Leitung des Komponisten Pietro Ma­scagni dessen "Nerone" zur Aufführung brachte. 1941–42 wirkte S. als künstlerischer Leiter der Internationalen Musikfestwochen Luzern. Bis ins hohe Alter war er ausserdem als Gesangspädagoge in Mailand, Zürich, Lugano und ab 1956 für einige Zeit an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien tätig. S. übersetzte neben diversen Oratorien d’Alberts "Die toten Augen" und ­→Othmar Schoecks "Venus" ins Italienische. 1971 veröffentlichte er die Schrift "Die physiologischen Gesetze des Belcanto".

Auszeichnungen

  • 1937 Ernennung zum Commendatore durch König Vittorio Emanuele III. von Italien,
  • 1959 Viotti-Medaille der Akademie von Vercelli in Italien.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Max Sauter-Falbriard, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1570–1571.

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