Roland Hermann

Aus Theaterlexikon
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* 17.9.1936 Bochum (D).

Studium der Musikwissenschaft, Anglistik und Pädagogik, daneben Gesangsausbildung in Freiburg im Breisgau (bei Margarete von Winterfeldt), Florenz (bei Flaminio Contini) und Frankfurt am Main (bei Paul Lohmann). Engagements 1967/68 am Theater der Stadt Trier und 1968–99 am →Opernhaus Zürich. Während H. in seiner ersten Zürcher Spielzeit noch das übliche Repertoire eines lyrischen Baritons sang, begann er sich bereits als Protagonist modernen Musiktheaters einerseits und vergessener oder unbekannterer Opern andererseits zu profilieren. So sang er 1970 die Titelpartie in der Schweizer Erstaufführung von Kreneks "Karl V."und Ottone in derjenigen von Händels "Agrippina". In der Liste seiner markanten Zürcher Rollenporträts finden sich ausserdem Chorèbe in Berlioz’ "Les Troyens", die Titelrolle in Busonis "Doktor Faust", Golaud in Debussys "Pelléas et Mélisande", die Janáček-Partien Gorjantschikow in "Aus einem Totenhaus" und Förster in "Das schlaue Füchslein", die Titelpartie in Heinrich Marschners "Hans Heiling", die vier Bösewichter in Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann", Kreon in Orffs "Antigonae" und Fürst Vendramin in →Othmar Schoecks "Massimilla Doni". Weitere Schwerpunkte seiner Zürcher Tätigkeit waren die Opern von Richard Strauss (Mandryka in "Arabella", Musiklehrer in "Ariadne auf Naxos", Graf in "Capriccio", Faninal in "Der Rosenkavalier", Jochanaan in "Salome") und →Richard Wagner (Gunther in "Götterdämmerung", Heerrufer und Telramund in "Lohengrin", Amfortas in "Parsifal", Wolfram von Eschenbach in "Tannhäuser"). H. wirkte ausserdem in den Uraufführungen der beiden Opern von →Rudolf Kelterborn "Ein Engel kommt nach Babylon" (1977 als Nebukadnezar) und "Der Kirschgarten" (1984 als Leonid Andrejewitsch Gajew) sowie von Herbert Willis "Schlafes Bruder" (1996 als Kurat) und in mehreren Schweizer Erstaufführungen, darunter 1970 als Silvio de Narni in Alberto Ginasteras "Bomarzo", 1972 als Herzog von Norfolk in Wolfgang Fortners "Elisabeth Tudor", 1973 als Joseph in →Paul Burkhards "Ein Stern geht auf aus Jaakob", 1974 als Graf von Lusignan in Aribert Reimanns "Melusine", 1978 als Bohuš in Dvořáks "Die Jakobiner", 1992 als Nekrotzar in Ligetis "Le Grand Macabre" und Andrea Vitelozzo Tamare in Schrekers "Die Gezeichneten" sowie 1997 als Fouché in Giordanos "Madame Sans-Gêne". Wichtige Gastverpflichtungen unter anderem in Barcelona, an der Staatsoper Unter den Linden Berlin (1979 Mandryka), am Teatro Colón Buenos Aires (1974 Jochanaan und Wolfram von Eschenbach), in Düsseldorf-Duisburg (1986 Conte Almaviva in Mozarts "Le nozze di Figaro"), Frankfurt am Main (1980 Pollux in Rameaus "Castor et Pollux", 1982 Orest in Richard Strauss’ "Elektra"), an der Hamburgischen Staatsoper (1983 Gabriel in der szenischen europäischen Erstaufführung von Schönbergs "Die Jakobsleiter"), in Köln, Leipzig, am Teatro alla Scala in Mailand (1986 Golaud), an der Bayerischen Staatsoper München (1976 Gunther), an der Opéra de Paris (1989 Meister in der Uraufführung von York Höllers "Der Meister und Margarita") und in Stuttgart (1998 Tio Lukas in Hugo Wolfs "Der Corregidor"). H.s ausdrucksstarker, dunkeltimbrierter und gleichwohl höhensicherer Charakterbariton ist auf zahlreichen Gesamteinspielungen von Opern zu hören. Grosse Bedeutung auch als Konzert- und Liedersänger. Seit 1989 leitet H. eine Gesangsklasse an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Er gibt ausserdem Meisterkurse.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Roland Hermann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 829–830.

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