Theater Marat/Sade, Basel BS

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Freie Theatergruppe (Sprechtheater) ohne feste Spielstätte

1982 wurde das T. als Laientheater gegründet, nach einigen Jahren entwickelte es sich zur professionellen Gruppe. Initiant, künstlerischer Leiter und Regisseur war Tino Krattiger, langjähriger, fest engagierter Mitarbeiter Reinhard Stehle, der als Schauspieler, Komponist von Bühnenmusik sowie in der Administration tätig war. Weitere Beteiligte wurden produktionsbezogen engagiert. Finanziell unterstützt wurde das T. unter anderem durch Beiträge diverser Stiftungen und Sponsoren. Das anfängliche Konzept der Gruppe war, unbekannte Autoren oder unbekannte Texte von bekannten Autoren zu spielen. Dies revidierte das T. zu Beginn der neunziger Jahre und zeigte seitdem vermehrt absurdes Theater. Seinen Namen erhielt es in Anlehnung an die erste Inszenierung 1982, Peter Weiss’ "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats", aufgeführt im Keller des Wildt’schen Hauses am Petersplatz in Basel. 1983/84 hatte die Gruppe dort ein eigenes Theaterlokal, das sie danach jedoch vor allem als Probelokal benutzte. Das T. produzierte ein bis zwei Stücke pro Jahr, davon 1985–98 jährlich eine Freilichtinszenierung, unter anderem 1983 →Max Frischs "Die Chinesische Mauer" im Kellertheater des Schönen Hauses am Nadelberg in Basel, 1984 →Friedrich Dürrenmatts "Grieche sucht Griechin" sowie Horváths "Himmelwärts", beide im Keller des Wildt’schen Hauses, 1985 Uraufführung von Jan Rys "Die Toten dürfen nicht sterben" im Kellertheater des Schönen Hauses sowie Woody Allens "Tod" in der Arena der ehemaligen Grün 80 in Münchenstein, 1986 Uraufführung von Dieter Wellershoffs "Am ungenauen Ort" im Kellertheater des Schönen Hauses sowie Dürrenmatts "Herkules und der Stall des Augias" im Basler Kannenfeldpark, 1987 →Herbert Meiers "Jonas und der Nerz" im Kellertheater des Schönen Hauses sowie Karl Wittlingers "Seelenwanderung", 1988 →Bertolt Brecht/Weills "Die Dreigroschenoper", 1989 Uraufführung von →Leo Nadelmanns "Leb wohl, starker Mann!", 1990 eine dramatisierte Fassung von Döblins "Berlin Alexanderplatz", 1991 Arrabals "Picknick im Felde" und dessen "Fando und Lis", 1992 Ionescos "Opfer der Pflicht", 1993 Michel de Ghelderodes "Die Ballade vom grossen Makabern", 1994 Becketts "Warten auf Godot", alle im Kannenfeldpark, 1995 Brecht/Weills "Happy End" neben der Elisabethenkirche in Basel, 1996 Arrabals "Das Dreirad", 1997 Becketts "Endspiel" als Dialektinszenierung, 1998 Arrabals "Der Architekt und der Kaiser von Assyrien", alle auf einer schwimmenden Bühne am Kleinbasler Rheinufer. Seit 1999 veranstaltet das T. verschiedene Kulturveranstaltungen in Basel. So organisierten Krattiger und Tilo Ahmels 1999 und 2001 die Basler Hörspieltage "herbscht zyt loose" (in Koproduktion mit dem Schweizer Radio DRS), jeweils im Sommer veranstaltet Krattiger das Kulturfloss auf dem Rhein "s isch im Fluss". Verbandsmitglied: Genossenschaft zur Förderung Basler Kleintheater (GBK).



Autorin: Simone Müller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Müller, Simone: Theater Marat/Sade, Basel BS, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1876.