Herbert Meier

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* 29.8.1928 Solothurn.

Studium der Germanistik, Philosophie, Geschichte, Kunstgeschichte und Thea­terwissenschaft in Basel, Wien und Freiburg. 1963 Promotion mit der Dissertation "Die Dramen Barlachs. Darstellung und Deutung". Neben dem Studium Schauspielunterricht bei →Ernst Ginsberg in Basel. M. arbeitete als Lehrer und Lektor in Paris und Poitiers sowie 1951/52 als Schauspieler am →Städtebundtheater Biel-Solothurn (Mondschein in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum"; Sekretär in Molnárs "Spiel im Schloss"). Am 17.6.1954 wurde sein erstes Stück "Die Barke von Gawdos" im →Schauspielhaus Zürich uraufgeführt (Regie: →Oskar Wälterlin). 1978–82 war M. Chefdramaturg am Schauspielhaus Zürich (unter der Direktion von →Gerhard Klingenberg); in dieser Zeit entstand eine Reihe von Übersetzungen und Bearbeitungen klassischer Stücke. Mit dem Komponisten →Rudolf Kelterborn entstanden die Opern "Kaiser Jovian" (Uraufführung 4.3.1967, Badisches Staatstheater Karlsruhe) und "Ophelia" (Uraufführung am 2.5.1984 durch die Deutsche Oper Berlin an den Schwetzinger Festspielen, Regie: →Hans Hollmann). Im Mittelpunkt seiner Dramen steht die Darstellung menschlichen Verhaltens in unterschiedlichen sozialen Beziehungen. Diese Grundkonstellation bestimmt das Handlungsmuster von Stücken wie "Jonas und der Nerz" (Uraufführung 24.3.1959, →Stadttheater Bern, Regie: Klaus Wagner) und "Rabenspiele" (Uraufführung 3.6.1971, Stadttheater Bern, Regie: Rolf Hasselbrink). Protagonisten einiger Stücke sind Schweizer Persönlichkeiten, so in "Stauffer-Bern" (Uraufführung 16.11.1974, Schauspielhaus Zürich, Regie: Max Peter Ammann), "Dunant" (Uraufführung 17.1.1976, Schauspielhaus Zürich, Regie: Jörg Cossardt) und "Bräker" (Uraufführung 21.9.1978, Schauspielhaus Zürich, Regie: Roberto Guicciardini; auch Opernbearbeitung durch →Andres Joho). Trotz intensiver Quellenstudien über den Maler Karl Stauffer-Bern und über den Gründer des Roten Kreuzes Henri Dunant entstanden keine Geschichtsdramen, vielmehr nahm M. Details der Lebensläufe zum Anlass, Grundkonflikte ihrer Existenz darzustellen. Für die 700-Jahr-Feier der Schweiz schrieb M. das nationale Freilichtspiel "Mythenspiel" (Uraufführung 20.7.1991, Schwyz, Regie: Hans Hoffer). In diesem Stück verband M. Schweizer Geschichte mit aktuellen Ereignissen, stellte mythische Wesen und Sagengestalten aus der Gründungszeit der Eidgenossenschaft neben Schweizer Staatsmänner, Schriftsteller und Nationalhelden. Das Spiel wurde mit hohem technischem und finanziellem Aufwand aufgeführt und blieb nicht zuletzt wegen seiner moralisch-didaktischen Tendenzen umstritten. Weitere Bühnenwerke: "Die Vorstellung" (auch: "Das Gesicht", Uraufführung 18.12.1965, →Theater Heddy Maria Wettstein Zürich, Regie: →Peter Ehrlich), "Carlotta, Kaiserin" und "Der Visitator" (beide Uraufführung 1977 durch das Theater Heddy Maria Wettstein an den →Internationalen Junifestwochen Zürich, Regie: →Gudrun Orsky), "Schlagt die Laute, schlagt sie gegen alles" (Uraufführung 4.4.1982, Staatstheater Darmstadt), "Leben ein Traum nach Calderón" (Uraufführung 10.3.1990, Städtebundtheater Biel-Solothurn, Regie: →Vilmos Désy), "Der Fähnrich von S …"(Uraufführung 12.6.1991, Städtebundtheater Biel-Solothurn, Regie: Guicciardini), "Lou und die fröhlichen Wissenschaftler" (Uraufführung 25.9.1999, Ulmer Theater). M. schreibt auch Romane ("Verwandtschaften", 1963), Gedichte, Hör- und Fernsehspiele. Als literarischer Übersetzer übertrug M. zahlreiche Stücke – unter anderem von Georges Schéhadé, Jean Giraudoux, Carlo Goldoni – ins Deutsche. 1994–98 moderierte M. die Sendung "Sternstunde Philosophie" des Schweizer Fernsehens DRS.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1955 Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen,
  • 1964 Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis und Preis der Schweizerischen Schillerstiftung,
  • 1970 Preis der Welti-Stiftung für das Drama und Literaturpreis Zürich,
  • 1975 Kunstpreis des Kantons Solothurn.

Vorlass

  • Schweizerisches Literaturarchiv, Bern.


Autorin: Brigitte Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Marschall, Brigitte: Herbert Meier, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1217–1218, mit Abbildung auf S. 1217.

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