Leo Nadelmann

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* 16.1.1913 Biel BE, † 14.12.1998 Zürich. ∞ Rose-Marie Ritter, Schauspielerin (Auftritte später unter dem Namen Rachel N.). Vater der Sängerin →Noëmi N.

Parallel zum Besuch des Gymnasiums Musikstudium am →Konservatorium Basel (Klavier sowie Komposition bei Rudolf Moser, →Walter Müller von Kulm und →Edward Staempfli). Ausbildung zum Konzertpianisten in Berlin bei Artur Schnabel und Rudolf Serkin. Zusatzstudium bei den Chopin-Spezialisten Alexander Brailowsky in Ouchy und Raoul von Koczalski in Zürich. Mit vierzehn Jahren Beginn einer ausgedehnten Konzerttätigkeit, die N. durch Europa, die USA und Südamerika führte. Mitte der fünfziger Jahre gestaltete er für WQXR, den Radiosender der "New York Times", in über fünfzig halbstündigen Sendungen einen Querschnitt durch das Klavierrepertoire, den er selbst einspielte und kommentierte. 1960 musste N. auf Grund einer Lähmung des Ringfingers der linken Hand seine Laufbahn als Pianist aufgeben. Fortan wirkte er als Komponist, Bühnenautor, Übersetzer aus dem Jiddischen ("Jiddische Erzählungen" von Mendele Mojcher Sforim, Jizchak Lejb Perez, Scholem Alejchem, 1984), Journalist und Musikpädagoge. 1965 bis zu seiner Pensionierung 1978 war N. Leiter des Ressorts Musik beim Schweizer Fernsehen DRS. In diesem Zeitraum realisierte er – häufig als Regisseur – verschiedene Formen von Musiksendungen, etwa Übertragungen von Orchesterkonzerten, Opern- und Ballettaufführungen und Aufnahmen experimenteller Musik im Studio. Besonders verdient machte sich N. mit der Schaffung der langjährigen Fernsehreihe "Musica Helvetica", in der zahlreiche Schweizer Komponisten und Interpreten vorgestellt wurden. Zu seinem eigenen kompositorischen Œuvre zählen diverse Bühnenmusiken (unter anderem zu →Georg Kaisers "Kolportage" an der →Komödie Basel 1958, Klabunds "Der Kreidekreis", Shakespeares "Mass für Mass", Peter Ustinovs "Romanoff und Julia", alle 1958, und Strindbergs "Fräulein Julie", 1959) sowie fünf Ballettwerke (so unter anderem "Concerto de ballet", 1944, "Fiedler Tod", 1958, "Fahrt durch die Nacht", 1961). Am →Stadttheater St. Gallen wurde 1966 sein Märchenspiel "Silberhaar und Albatros" uraufgeführt (Regie: Hannes Maeder, musikalische Leitung: Karl Heinz Dold) und vom Schweizer Fernsehen aufgezeichnet. N. schuf ausserdem eine Oper ("Don Juan in Manhattan", basierend auf der abenteuerlichen Lebensgeschichte des italienischen Sängers Ezio Pinza) sowie Orchesterwerke und Kammermusik (beispielsweise die musikalische Satire für Bariton und Kammerensemble "König Langohr I."auf einen Text von Heinrich Heine) und zahlreiche Lieder (unter anderem den Zyklus für Sopranstimme "Mein blaues Klavier" nach Gedichten von Else Lasker-Schüler). Als Bühnenautor schuf N. vor allem Komödien, von denen mehrere in seiner Regie in Zürich zur Uraufführung gelangten, so "Ein Rat aus dem Jenseits" nach Motiven von Alejchem 1963 im Rahmen des "Städtischen Podiums", "Von Luft und Liebe" am 28.1.1964 im →Theater am Hechtplatz und 1965 "Aus dieser und aus jener Welt". N.s Komödie "Leb wohl, starker Mann!"wurde 1989 durch das →Theater Marat/Sade in Basel uraufgeführt. Ab 1968 amtete er als Präsident des Internationalen Musikzentrums Wien. Ab 1977 lehrte er an der →Musik-Akademie der Stadt Basel das eigens für ihn geschaffene Fach "Musikregie in Film und Fernsehen". Als Pianist diverse Einspielungen auf Tonträger; Mitte der neunziger Jahre erschien ein Teil seiner WQXR-Einspielungen auf CD ("The renowned WQXR recordings of 1956/57"). 1980 veröffentlichte N. "Bel(l)canto – Achtung, bissiger Klavierspieler. Mit Satiren, Gedichten und Geschichten aus dem Reiche der Musik".

Auszeichnungen

  • 1981 1. Preis des Internationalen Kompositionswettbewerbs der Yamaha-Stiftung in Tokio,
  • 1999 postum Kunstpreis der Salomon-David-Steinberg-Stiftung.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Leo Nadelmann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1305.

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