Antonio Robledo

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* 12.5.1922 Hannover (D), eigentlich Armin Janssen. ∞ 1958 →Susana, Tänzerin und Choreografin.

Aufgewachsen in pietistischem, weltliche Kunst ablehnendem Pastorenhaus im ostpreussischen Königsberg (heute: Kaliningrad). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs studierte R. fünf Semester Musikwissenschaft in Göttingen, wechselte 1948 an die Musikhochschule in Freiburg im Breisgau (Klavier bei Carl Seemann), wo er 1949 mit dem Lehrdiplom abschloss. Anschliessend erwarb er in Zürich das Konzertdiplom und begann seine Konzerttätigkeit. 1951–70 war R. Klavierbegleiter des Spanischtanzpaares "Susana y José" und Komponist für zahlreiche ihrer Produktionen, unter anderem "Don Juan" (1952), "Romance de Carmen y Don José" (1958), "La centaura" (1963). In diesem Zusammenhang arbeitete er eng mit spanischen Musikern, Sängern und Gitarristen zusammen. Nach Aufgabe der Tourneetätigkeit begleitete er jahrelang den Spanischtanzunterricht von Susana, unter anderem 1971–85 an der Mudra-Schule von →Maurice Béjart in Brüssel, 1972–89 an der National Ballet School of Canada in Toronto, 1964–88 bei den Sommerkursen des →SBTG, 1971–79 im Tanzstudio von →Alain Bernard in Bern, an der Folkwang Hochschule in Essen sowie in Köln und Dresden. Im Zuge dieser Tätigkeit komponierte er Stücke für die Klavierbegleitung des Spanischtanzunterrichts, die von vielen Pädagoginnen und Pädagogen benutzt werden. Für die Choreografien von Susana schuf R. ihrem Stil entsprechende Kompositionen, die in eigenständiger musikalischer Kunstsprache das Wesen und den Charakter spanischer Volksmusik ausstrahlen: "Ronda de toros" (Brüssel 1974, Toronto 1976), "Los siete puñales" (→Stadttheater Bern 1975, Klavierfassung; Toronto 1981, Orchesterfassung), "Soledad" (Toronto 1980, →Opernhaus Zürich 1983). Seit 1984 arbeitete R. mit der von Brigitta Luisa Merki und Susana gegründeten →Tanzcompagnie Flamencos en route zusammen, für die er die folgenden Werke komponierte: 1985 "Obsesión" und "Jardín de alegrías", 1987 "A Juan. Momentos de Don Juan flamenco", 1990 "Don Quijote y Sancho Panza" (Choreografie jeweils: Susana), 1991 "La celestina" (Choreografie: Teresa Martin nach einer Idee von Susana), 1994 "Rondón", 1997 "El canto nómada", 1999 "Soleá and the Winds" (Choreografie jeweils: Merki, letztere zusammen mit Colin Connor). Neben diesen Ballett- entstanden im gleichen Stil Konzertkompositionen, die in Spanien uraufgeführt wurden und seither auf Tourneen und Festivals grossen Erfolg haben: 1986 "Fantasias de cante jondo", 1990 "Alegro soleá". R. verfasste auch theoretische Schriften (beispielsweise "Rhythmische Konstanten im Flamenco" in "Schnittpunkte Mensch Musik", herausgegeben von Rudolf Klinkhammer, 1985). Dokumentarfilm über die pädagogische Tätigkeit von Susana und R. an der National Ballet School of Toronto: "Flamenco at 5:15" (Regie: Cynthia Scott, 1983, Oscar 1984).

Auszeichnungen

  • Zusammen mit Susana 1989 Ehrengabe der Stadt Zürich,
  • 1990 Preis der Schweizerischen Doron-Preis Stiftung (Zug).

Literatur

  • Merz, Richard: Danke A. R. In: Der Tanz der Dinge 39/1998.
  • Moser-Ehinger, Hansueli W. (Hg.): Tanzcompagnie Flamencos en route. 20 Jahre, 2004.


Autor: Richard Merz



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Merz, Richard: Antonio Robledo, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1507.

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