Beat Furrer

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

* 6.12.1954 Schaffhausen.

Klavierunterricht am Konservatorium Schaffhausen, ab 1975 Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien (Dirigieren bei Otmar Suitner, Komposition bei Roman Haubenstock-Ramati). 1985 Gründung des Klangforums Wien (zunächst "Société de l’art acoustique"), eines Ensembles für neue Musik, dessen künstlerischer Leiter er bis 1992 war. Im Auftrag der Wiener Staatsoper schrieb F. die Kammeroper "Die Blinden" nach Maeterlinck unter Einbezug von Texten von Hölderlin, Rimbaud sowie Stellen aus Platons Höhlengleichnis (Uraufführung 25.11.1989 an der Staatsoper Wien im Odeon im Rahmen des Festivals "Wien Modern", Regie: Reto Nickler, musikalische Leitung: F.). Weitere Bühnenwerke F.s sind "Narcissus", Oper in sechs Szenen nach Ovids "Metamorphosen", im Auftrag der Vereinigten Bühnen und des "Steirischen Herbstes" in Graz (Uraufführung 1.10.1994, Regie: Gerald Thomas, musikalische Leitung: F.), das Hörtheater "Stimme allein" mit Texten von Büchner im Auftrag der Oper der Bundesstadt Bonn (zusammen mit Michael Simon, Uraufführung 15.1.1999 im Forum der Bundeskunsthalle in Bonn, Regie: Simon, musikalische Leitung: F.), "Begehren", Libretto von F., Christine Huber und Wolfgang Hofer nach Texten von Hermann Broch, Cesare Pavese, Günter Eich, Ovid und Vergil (szenische Uraufführung 9.1.2003 in der Helmut-List-Halle in Graz als Auftakt der Veranstaltungen zur Ernennung von Graz als Kulturhauptstadt Europas, Regie und Choreografie: Reinhild Hoffmann, musikalische Leitung: F.) sowie "Invocation", Text eingerichtet von →Ilma Rakusa und F. nach Marguerite Duras’ Roman "Moderato cantabile" im Auftrag des →Opernhauses Zürich (Uraufführung 6.7.2003 in der Schiffbauhalle in Zürich, Regie: →Christoph Marthaler/Annette Kuss, musikalische Leitung: F.). F.s äusserst verfeinerte, fragile und leise Klangsprache mit hohem Geräuschanteil und vielfältig eingesetzter Elektronik assoziiert Bilder und Zustände, die um die elementare Frage nach dem Verhältnis von Zeichen und Bezeichnetem, von Sprache und Subjekt kreist. Anstelle linearer Zeitverläufe und narrativer Handlungen vermittelt F. in den Bühnenwerken psychische Regungen und stellt die Frage nach Möglichkeiten und Widersprüchen von Wahrnehmung. "Eine Momentaufnahme wird durch bewegliche Filter in immer neuen Perspektiven abgetastet." (Furrer) Nicht nur als Komponist, sondern auch als Dirigent ist F. ein herausragender Vertreter des zeitgenössischen Musiktheaters. So dirigierte er beispielsweise Haubenstock-Ramatis "Amerika" (1992 beim "Steirischen Herbst") und die Schweizer Erstaufführung von Salvatore Sciarrinos "Die tödliche Blume" (1999 am →Luzerner Theater, Regie: Hoffmann). Seit 1991 ist F. Lehrbeauftragter und seit 1992 ordentlicher Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz.

Auszeichnungen

  • 1984 Preisträger des Kompositonswettbewerbs "Junge Generation in Europa" (Köln, Venedig, Paris),
  • 1993 Musikpreis der Stadt Duisburg,
  • 1996 Composer in residence an den Internationalen Musikfestwochen Luzern,
  • 1999 Georg-Fischer-Preis, 2003 Preis der Stadt Wien.


Autor: Hanspeter Renggli



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Renggli, Hanspeter: Beat Furrer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 660–661.

Normdaten