Egon Neudegg

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* 25.1.1891 Mühlhausen in Thüringen (D), †  9.10.1957 Basel, eigentlich Otto Ewald Bickel.

Schauspielausbildung bei Rudolf Possin in Wiesbaden. 1909 Debüt am Stadttheater Freiberg in Sachsen. Erstes festes Engagement am Stadttheater Münster, unter anderem Rodrigo in Shakespeares "Othello". Engagements 1911/12 am Bömly-Theater Basel, dann in Oberndorf am Neckar und bei der Marie-Rehoff-Tournée, 1914–20 als Regisseur und Direktor an den Vereinigten Stadttheatern Kiel, 1920–25 als Schauspieler und Operettenregisseur am →Stadttheater Zürich und 1925–27 als Oberregisseur an den Städtischen Bühnen Nürnberg. 1927–30 Intendant in Plauen im Vogtland, 1930–32 Generalintendant der Städtischen Bühnen Magdeburg. 1932 kurz vor Saisonbeginn als Nachfolger des zur Demission gezwungenen →Oskar Wälterlin zum Direktor des →Stadttheaters Basel gewählt, dort vor allem Inszenierung zahlreicher Opern und Operetten, aber auch klassischer und moderner Schauspiele, unter anderem Molnárs "Liliom", Ibsens "Peer Gynt", Schillers "Wilhelm Tell", Hebbels "Judith", Goethes "Faust I", Forzano/Mussolinis "Hundert Tage", Schillers "Die Jungfrau von Orléans", 1939 grosser Publikumserfolg mit "Gilberte de Courgenay" von →Hans Haug und →Rudolf Bolo Maeglin. 1937–39 wegen des Engagements des exilierten deutschen Regisseurs →Gustav Hartung Boykott des vor allem im Musiktheater auf reichsdeutsche Sängerinnen und Sänger angewiesenen Stadttheaters Basel durch die nationalsozialistische Reichstheaterkammer, auch danach zahlreiche Versuche der Einflussnahme auf Repertoire und Engagements. Die Spielpläne waren geprägt durch kommerziell erfolgversprechende Werke – darunter zahlreiche Operetten – sowie Dramen im Sinn der geistigen Landesverteidigung (von →Cäsar von Arx, →Werner Johannes Guggenheim, →Albert Jakob Welti, →Albert Steffen und anderen), aber auch wichtige Ur- und Erstaufführungen ausländischer Autoren wie Wilhelm Herzog, →Georg Kaiser, O’Casey, Eliot ("Mord in der Kathedrale"), Werfel ("Jacobowsky und der Oberst"), Hemingway ("Die fünfte Kolonne"), Steinbeck ("Der Mond ging unter"), nach 1945 unter anderem Williams ("Die Glasmenagerie"), Gorki, García Lorca ("Bernarda Albas Haus") sowie Uraufführungen von Werken →Friedrich Dürrenmatts ("Der Blinde", "Romulus der Grosse"). In der sparsamen Leitung des auf Grund der prekären finanziellen Lage mehrfach von der Schliessung bedrohten Hauses höchst erfolgreich, wurden N.s künstlerische Kompetenz und Leistung jedoch permanent kritisiert. 1949 Demission N.s auf Grund einer Liebesbriefaffäre, danach nur noch als Gastregisseur am Stadttheater Basel tätig. Die Einbürgerung wurde N. zeitlebens verweigert.

Literatur

  • Blubacher, Thomas: Befreiung von der Wirklichkeit? Das Schauspiel am Stadttheater Basel 1933–1945, 1995.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Egon Neudegg, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1319, mit Abbildung auf S. 1319.

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