Heinz Hilpert

Aus Theaterlexikon
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* 1.3.1890 Berlin (D), † 25.11.1967 Göttingen (D). ∞ I. 1914 Amalia (genannt: Escha) Mauerhoff, Schauspielerin, ∞ II. 1947 Annelies (genannt: Nuschka) Heuser, geborene Strauss, ∞ III. 1965 Ursula Müller, Schauspielerin.

1904–09 Lehrerausbildung, 1911–14 Lehrer in Berlin, Gasthörer an der Universität, Abendkurse an der Reicherschen Hochschule für Dramatische Kunst. 1915–18 Kriegsdienst. 1919–23 Schauspieler an der Volksbühne Berlin (dort 1922 Regiedebüt mit Adolf L’Arronges "Mein Leopold"), dann an diversen Bühnen in Berlin, Düsseldorf und Köln. 1925/26 Oberspielleiter an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main, ab 1926 Inszenierungen am Deutschen Theater Berlin (Uraufführungen von Bruckners "Die Verbrecher" und "Elisabeth von England" sowie von →Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick"), daneben Regiearbeiten am Staatlichen Schauspielhaus Berlin, 1929/30 Oberspielleiter am Berliner Theater und am Deutschen Künstlertheater, 1931/32 Oberspielleiter und Direktionsstellvertreter am Deutschen Theater (Uraufführung von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald"), 1932–34 Direktor der Volksbühne Berlin, 1934–44 Pächter und Direktor des Deutschen Theaters und der Kammerspiele Berlin, ab 1938 zugleich Direktor des Theaters in der Josefstadt Wien. 1944/45 Arbeitsdienst in der Rüstungsindustrie. Ende 1945 erhielt H. – der während des Dritten Reichs mehrfach nach Zürich gereist war und dort Kontakt zu exilierten Bühnenkünstlern gehabt hatte und dessen jüdische Lebensgefährtin Nuschka Heuser 1943 hatte in die Schweiz fliehen können – als erster im nationalsozialistischen Deutschland tätiger Regisseur einen Vertrag für drei Gastinszenierungen 1946 am →Schauspielhaus Zürich. Auf Grund des Protests des Exilanten →Kurd E. Heyne wegen H.s Tätigkeit im Dritten Reich kommt 1946 ein bereits mit Schauspieldirektor →Franz Schnyder vereinbartes Engagement H.s am →Stadttheater Basel nicht zu Stande. Auch das →Stadttheater Bern lehnt H. als Gastregisseur ab. Dennoch beschliessen die Personalvertreter des Schauspielhauses Zürich auf Grund der "Verdienste des Herrn H. im Kampf gegen nationalsozialistische Grundsätze […] nach dem heutigen Stand der Dinge mit Herrn H. zusammenzuarbeiten."H. inszenierte 1946 die Uraufführung von →Max Frischs "Santa Cruz", Shakespeares "Das Wintermärchen" und Kleists "Der zerbrochene Krug" sowie auf Wunsch des Autors Zuckmayer ebenfalls 1946 die Uraufführung von "Des Teufels General". 1947–48 Chefintendant des Schauspielhauses Frankfurt am Main, 1948–50 Direktor des Deutschen Theaters in Konstanz, 1950–66 Direktor des Deutschen Theaters Göttingen, wie schon in Berlin und Wien zahlreiche Shakespeare-Inszenierungen. Gastinszenierungen unter anderem in Hamburg, Berlin, München und Wien sowie am Schauspielhaus Zürich (1949 Williams’ "Endstation Sehnsucht", 1950 Hofmannsthals "Das gerettete Venedig"), am Stadttheater Basel (1956 Tschechows "Drei Schwestern", 1957 Williams’"Die Katze auf dem heissen Blechdach", 1960 Shakespeares "Viel Lärm um nichts") und für →Egon Karters Schweizer Theatergastspiele Basel (1967 Maughams "Der Kreis" und Goethes "Stella"). Diverse Film- und Rundfunkarbeiten. Eigene Werke: Formen des Theaters, 1940. Vom Sinn und Wesen des Theaters in unserer Zeit, 1947. Das Theater ein Leben, 1961. Liebe zum Theater, 1963.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1954 Grosses Verdienstkreuz des Bundesverdienstordens mit Stern,
  • 1960 Ehrenmitglied des Schiller- und Schloßpark-Theaters Steglitz Berlin,
  • 1965 Ehrenmitglied des Deutschen Theaters Berlin,
  • 1966 Ehrenmitglied des Deutschen Theaters Göttingen.

Literatur

  • Dillmann, Michael: H. H., 1990 [mit Bibliografie].

Nachlass

  • Archiv der Akademie der Künste, Berlin.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Heinz Hilpert, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 842.

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