Kurd E. Heyne

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* 3.10.1906 Braunschweig (D), † 5.5.1961 Luzern. Vater des Autors, Regisseurs und Werbetexters Andreas H.

Studium der Philologie, Musik- und Theaterwissenschaft in Göttingen, Berlin und bei Artur Kutscher in München. Erfolgreicher Auftritt 1930 bei einem Faschingsfest Kutschers mit der Bruckner-Parodie "Die Erbrecher", daraufhin 1930 Gründung des Kabaretts "Die vier Nachrichter" zusammen mit Helmut Käutner und Bobby Todd, grosse Erfolge mit einer Persiflage auf die Feierlichkeiten des Goethe-Jahres 1932, dem Theaterstück "Hier irrt Goethe" (1932 auch als Gastspiel im →Schauspielhaus Zürich), Tourneen durch ganz Deutschland, unter anderem mit der Revue "So leben wir" und dem Stück "Der Apfel ist ab", bis zum Verbot der Gruppe durch Goebbels. Nacheinander Ausschluss aus der Reichstheaterkammer (1935), der Reichsmusikkammer und der Reichsschrifttumskammer (1937). 1938 Emigration in die Schweiz, 1938–61 Engagement am →Stadttheater Basel, Mitwirkung in über 4600 Aufführungen als Sänger (Bariton-Partien in Opern und Operetten, unter anderem Calchas in Offenbachs "Die schöne Helena" und Merkur in dessen "Orpheus in der Unterwelt", Gefängnisdirektor in Johann Strauß’ "Die Fledermaus") und als Schauspieler (unter anderem Antonio in Shakespeares "Viel Lärm um Nichts", Doge in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig", Klosterbruder in Lessings "Nathan der Weise", Sosias in Kleists "Amphitryon", Antonio in Shakespeares "Was ihr wollt", Osrick in Shakespeares "Hamlet", Martin Gollwitz in Franz und Paul von Schönthans "Der Raub der Sabinerinnen") sowie aushilfsweise auch als Dirigent (Puccinis "Tosca"). Diverse Inszenierungen, darunter 1938 →Ralph Benatzkys "Drei Musketiere", 1939 Zellers "Der Vogelhändler" und Oscar Straus’ "Ein Walzertraum", 1950 Künnekes "Der Vetter aus Dingsda" und Lortzings "Der Waffenschmied". H. verfasste für das Stadttheater Basel Singspiele, Operetten, Revuen und bunte Abende, darunter "Lueg di a und lach di us, eine heitere Revue aus dem Alltag" (schweizerdeutsche Bearbeitung: →Werner Hausmann, Erstaufführung 1.4.1938, Regie: →Egon Neudegg, mit →Rudolf Bernhard), die "heitere Hotelrevue""Herzlich willkommen" (zusammen mit Hausmann, Uraufführung 25.2.1939), das Singspiel "Barbara" (zusammen mit →Gustav Hartung, Musik: →Hans Haug, Uraufführung 23.1.1943) und Gesangstexte für die Operette "Ferien im Tessin" (Text: →Willy Volker, Musik: →Alexander Krannhals, Uraufführung 28.10.1945, Regie: Neudegg, musikalische Leitung: Krannhals; nachgespielt unter anderem an den →Stadttheatern Bern, Luzern und St. Gallen). In Basel gespielt wurden auch H.s Bearbeitungen von Daphne du Mauriers "Rebecca" (zusammen mit Gustav Hartung, Erstaufführung 14.1.1942), 1943 Johann Strauß’ "Der Zigeunerbaron", 1944 Sullivans "Der Mikado" (Regie: →Max Terpis), 1961 Offenbachs "Der Ehemann vor der Tür" und dessen "Monsieur Choufleury gibt sich die Ehre". Soloabende als Kabarettist in Basel, Verfasser zahlreicher, zum Teil auch schweizerdeutscher Sketche und Revuen für Bühne und Hörfunk, Filmdrehbücher, Gedichte und Chansons, Zusammenarbeit unter anderem mit →Emil Hegetschweiler und Rudolf Bernhard. 1943–45 Texter für →Alfred RassersCabaret Kaktus. Nach dem Krieg einer der meistgesendeten Hörspielautoren deutscher Sprache (zahlreiche Bearbeitungen bekannter Romane), diverse Hörspielpreise. 1946 Vizepräsident der Vereinigung zur Wiederherstellung der Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger.

Literatur

  • Blubacher, Thomas: Befreiung von der Wirklichkeit? Das Schauspiel am Stadttheater Basel 1933–1945, 1995.

Nachlass

  • zur Zeit noch in Privatbesitz; Bestände der "Nachrichter" teilweise im Archiv der Akademie der Künste, Berlin.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Kurd E. Heyne, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 839–840.

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