Tobias Richter

Aus Theaterlexikon
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* 2.4.1953 München (D). Sohn des Dirigenten und Organisten Karl Richter.

Nach dem Studium der Philosophie, Theater-, Musik- und Literaturwissenschaft in Genf und Zürich war R. 1972–74 Regieassistent und Inspizient am →Grand Théâtre in Genf unter der Intendanz von →Herbert Graf. 1974–77 persönlicher Assistent von Götz Friedrich, 1977–80 Regieassistent und Spielleiter an der Bayerischen Staatsoper München. Dort arbeitete R. unter anderem mit Jean-Pierre Ponnelle und August Everding zusammen; seine erste eigene Inszenierung war die Uraufführung von Anton Rupperts "Der Siebte" (Theater im Marstall, 1980). 1980–83 war R. am Staatstheater Kassel zunächst Oberspielleiter des Musiktheaters, ab 1982 kommissarischer Intendant. 1981 begann mit der französischen Erstaufführung von Richard Strauss’ "Die schweigsame Frau" an der Opéra de Lyon und am Théatre du Châtelet in Paris seine internationale Karriere. In den folgenden Jahren inszenierte R. vor allem in Frankreich und Italien neben Opern von Richard Strauss insbesondere Werke von →Richard Wagner und Mozart. 1985–92 war er Generalintendant des Bremer Theaters. Dort entwickelte sich eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern wie Jörg Immendorff, der unter anderem die Ausstattung von Richard Strauss’ "Elektra" (1986) übernahm, sowie mit Albert Oehlen (1987 Ausstattung für Wagners "Tannhäuser"). Ausserdem inszenierte er selten gespielte Werke wie →Frank Martins "Der Sturm" (1992, Ausstattung von Markus Lüpertz). 1992 Rückkehr nach Genf, Tätigkeit als freischaffender Regisseur. Seit 1996 ist R. Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf-Duisburg. Eigene Inszenierungen hier unter anderem Mozarts "Le nozze di Figaro" und "Così fan tutte", Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt", Boieldieus "La Dame blanche" und Richard Strauss’ "Capriccio". Zudem pflegt R. einen intensiven Austausch mit internationalen Opernhäusern wie der Opéra Comique in Paris und dem Teatro La Fenice in Venedig. Daneben realisierte R. den Dokumentarfilm "Karl Richters Vermächtnis" (ZDF, 1990). Seit 1998 Professor für szenisch-dramatischen Unterricht an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Seit 2003 stellvertretender Vorsitzender der Deutschsprachigen Opernkonferenz.

Auszeichnungen

  • 2002 Ernennung zum "Chevalier des Arts et Lettres" durch den französischen Kulturminister.


Autorin: Sonja Galler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Galler, Sonja: Tobias Richter, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1492–1493.

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