Horst Statkus

Aus Theaterlexikon - CH
Zur Navigation springen Zur Suche springen

* 12.8.1929 Tilsit (Sowjetsk, heute: RUS). ∞  Elke Stoltenberg, Schauspielerin.

1949 Abitur in Schwabach/Mittelfranken. 1950–56 Studium der Germanistik, Anglistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in Erlangen. 1952–56 leitete S. die Studiobühne der Universität Erlangen und das Internationale Studentenbühnen-Festival. Mitarbeit bei Studententheaterfestivals, unter anderem in Paris, Istanbul und Helsinki. 1957 erhielt er einen Forschungsauftrag der Unesco für studentische Kulturarbeit und die Direktion des International Bureau for Cultural Activities im holländischen Leiden. In dieser Funktion Reisen nach Afrika und Südamerika. 1959–62 Dramaturg und Regisseur am Schlosstheater Celle, 1961–64 Dramaturg, Direktionssekretär und Regisseur bei →Egon Karter an der →Komödie Basel (inszenierte unter anderem 1962 Martin Walsers "Der Abstecher", 1963 Becketts "Das letzte Band" mit →Fritz Delius und Albees "Der amerikanische Traum" sowie 1964 Dorsts "Grosse Schmährede an der Stadtmauer"). 1964–67 Chefdramaturg an der Städtischen Bühne Heidelberg, 1967–69 Chefdramaturg und 1969–72 Oberspielleiter des Schauspiels am Staatstheater Braunschweig, 1972/73 Chefdramaturg an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart. 1973–78 Intendant der Städtischen Bühne Heidelberg, 1978–88 Direktor der →Basler Theater. Das Basler Ballett unter der Leitung von →Heinz Spoerli erzielte internationale Erfolge, prägende Regisseure des Schauspiels waren die Oberspielleiter Friedrich Beyer und →Mark Zurmühle sowie →David Mouchtar-Samorai, Matthias Masuth, →Urs Schaub, Peter Lotschak, →Volker Hesse, →Wolfgang Quetes und →Joachim Preen, des Musiktheaters →Martin Markun und →Jean-Claude Auvray. Uraufgeführt wurden unter anderem 1978 Peter Greiners "Roll over Beethoven", 1981 →Heinrich Henkels "Still, Ronnie", 1983 dessen "Altrosa" und →Dieter Fortes "Das Labyrinth der Träume oder Wie man den Kopf vom Körper trennt" und 1984 Pavel Kohouts "Das grosse Ahornbaumspiel"; 1981 war die deutschsprachige Erstaufführung von Ariane Mnouchkines "Mephisto" zu sehen, 1982 jene von Ionescos "Reise zu den Toten". Musikalischer Oberleiter war →Armin Jordan, Uraufführungen im Musiktheater waren 1982 Ingomar Grünauers "Die Schöpfungsgeschichte des Adolf Wölfli" und 1988 dessen "Mutter" (beide auf der kleinen Bühne) sowie 1985 →Jost Meiers "Der Drache" und 1988 dessen "Augustin". 1987/88 führte S. die Doppeldirektion Basler Theater/Stadttheater Luzern. Bis 1999 war er Direktor des Stadttheaters Luzern/→Luzerner Theaters. Dort inszenierte S. auch wieder selbst, unter anderem 1988 Sophokles’ "König Oedipus", 1989 Shakespeares "Was ihr wollt", 1990 Lessings "Nathan der Weise", 1991 die Uraufführung von →Markus Michels "Frost", 1992 Kleists "Der zerbrochene Krug" und Lope de Vegas "Kolumbus oder die Neue Welt", 1994 Tschechows "Onkel Wanja", 1995 →Max Frischs "Nun singen sie wieder", 1996 Schillers "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua" und 1997 Pirandellos "Heute abend wird aus dem Stegreif gespielt". Der entscheidend von der Chefdramaturgin →Ursula Werdenberg geprägte Spielplan des Schauspiels in Luzern umfasste Klassiker ebenso wie zahlreiche Schweizer Erstaufführungen (darunter 1989 Botho Strauß’ "Sieben Türen", 1992 Bernard-Marie Koltès’ "Roberto Zucco" und "Die Nacht kurz vor den Wäldern", 1993 Robert Schneiders "Dreck", 1994 Koltès’ "Rückkehr in die Wüste", 1995 Wolfgang Maria Bauers "In den Augen eines Fremden", 1997 Brian Freels "Molly Sweeney" und Harwoods "Der Fall Furtwängler") sowie Uraufführungen von Schweizer Dramatikern (darunter 1988 →Hansjörg Schertenleibs "Stoffmann und Herz", 1995 →Heinz Stalders "Hellträumer", 1996 Henkels "Lohnhof"). Im Musiktheater wurden neben bewährten auch weniger bekannte Werke gegeben (insbesondere französische von Berlioz bis Poulenc) sowie drei Uraufführungen (1990 Grünauers "König für einen Tag", 1994 dessen "Winterreise" und 1991 Jacques Demierre/David Wohnlich/→Andreas Nicks "Das Lachen der Schafe"). Die musikalischen Oberleiter →Marcello Viotti (1987–91), Olaf Henzold (1991–97) und Jonathan Nott (ab 1997) trugen massgeblich zu einer überregionalen Resonanz des Musiktheaters bei. Es inszenierten neben anderen →Georges Delnon, Philipp Himmelmann, Mark Zurmühle, Horst Siede, Richard Wehrli, →Caroline Antener und →Ariane Gaffron. Dem Ballett konnte S. 1996 durch das Engagement des Choreografen →Richard Wherlock zu neuer Popularität verhelfen.

Auszeichnungen

  • 1999 Anerkennungspreis der Flersheim-Stiftung für herausragende Verdienste um das Luzerner Musik- und Theaterleben.


Autrice: Anne-Christine Gnekow



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gnekow, Anne-Christine: Horst Statkus, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1733–1734.

Normdaten

Vorlage:Normdaten