Anne Bennent

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* 13.10.1963 Lausanne VD. Tochter des Schauspielers Heinz B. und der Tänzerin Diane Mansart, eigentlich Paulette Renou. Schwester des Schauspielers →David Bennent.

Bereits 1974 verkörperte B. ihre erste Filmrolle in "Die Eltern", 1976 spielte sie Hedwig in der Verfilmung von Ibsens "Die Wildente" (Regie jeweils: Hans W. Geissendörfer). Für die Darstellung der Hedwig erhielt B. 1976 den Förderpreis der Akademie der Künste, Berlin. 1978 war sie in ihrer ersten Theaterrolle als Anja in Tschechows "Der Kirschgarten" am Schillertheater Berlin unter der Regie von →Hans Lietzau zu sehen, danach arbeitete sie vor allem für Film und Fernsehen und spielte unter anderem die Titelrolle in →Frank Wedekinds "Lulu" in der Verfilmung von Walerian Borowczyk (1980). 1981–82 besuchte B. das →Conservatoire de Genève, 1982–84 die Ecole du théâtre des Amandiers (Patrice Chéreau). Anschliessend folgte ein Engagement am Bayerischen Staatsschauspiel München, wo sie unter anderem Erna in Ibsens "John Gabriel Borkman" (Regie: Ingmar Bergman) sowie Ophelia in Shakespeares "Hamlet" (Regie: B. K. Tragelehn) spielte. 1986 ging B. an das Staatstheater Stuttgart zu Ivan Nagel, wo sie unter anderem die Titelrolle in Euripides/Heiner Müllers "Alkestis" (Regie: Robert Wilson), Varja in Tschechows "Der Kirschgarten" (Regie: Niels-Peter Rudolph) und Agnes in Strindbergs "Ein Traumspiel" (Regie: Axel Manthey) spielte, wobei letztere Inszenierung zum Berliner Theatertreffen 1988 eingeladen wurde. 1987 trat B. bei den Salzburger Festspielen als Johanna in Schnitzlers "Der einsame Weg" (Regie: Thomas Langhoff) auf, es folgte ein eigener Chanson-Abend, "Pour Maman", mit dem sie durch Europa tourte. 1988 spielte sie an den Münchner Kammerspielen die Titelrolle in Hauptmanns "Und Pippa tanzt" (Regie: Langhoff), 1990 am Wiener Burgtheater Sascha in Tschechows "Ivanov" (Regie: Peter Zadek); auch diese Inszenierung wurde zum Berliner Theatertreffen (1991) eingeladen. Im Sommer 1990 war sie abermals unter Langhoffs Regie bei den Salzburger Festspielen als Esther in Grillparzers "Die Jüdin von Toledo" zu sehen, danach reüssierte sie als Desdemona in George Taboris viel beachteter Inszenierung von Shakespeares "Othello" am Wiener Akademietheater. Es folgte die Zusammenarbeit mit Ruth Berghaus: B. war in der Titelrolle von Kleists "Penthesilea" zu sehen, 1992 als Protagonistin in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn" (Regie: Hans Neuenfels) und trat selbst als Regisseurin von Shakespeares "Liebes Leid und Lust" am Lusterboden des Wiener Burgtheaters hervor. 1993 war B. am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg unter der Regie von Leander Haußmann in der Titelrolle von Shakespeares "Troilus und Cressida" zu sehen. Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur wurde am Wiener Burgtheater fortgesetzt, wo B. die Mascha in Tschechows "Drei Schwestern" verkörperte. Ende 1994 kam dort Tamás Aschers Inszenierung von Gombrowicz’ "Yvonne, Prinzessin von Burgund" heraus mit B. in der Titelrolle, für die sie ausgezeichnet wurde. 1995 ging B. zu Peter Brook ans Théâtre des Bouffes du Nord nach Paris, 1996 spielte sie die Kassandra in Christa Wolfs gleichnamigem Monodrama mit dem Ensemble Modern Frankfurt (Regie: →Christoph Marthaler). B. kehrte 1997 ans Wiener Burgtheater zurück, wo sie als Wandererzählerin in der Uraufführung von Handkes "Zurüstungen für die Unsterblichkeit" (Regie: Claus Peymann) und als Alkmene in Kleists "Amphitryon" (Regie: Neuenfels) zu sehen war. Daneben verkörperte B. weiterhin zahlreiche Rollen für Film und Fernsehen.

Auszeichnungen

  • 1986 O. E. Hasse-Preis für die beste Nachwuchsschauspielerin,
  • 1995 Josef-Kainz-Medaille der Stadt Wien (für ihre Rolle in Gombrowicz’ "Yvonne, Prinzessin von Burgund").

Literatur

  • A. B. Ein Porträt von Peter von Becker. In: Theater heute 5/1996.


Autorin: Julia Danielczyk



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Danielczyk, Julia: Anne Bennent, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 157–158.

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