Emmy Krüger

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* 27.11.1886 Frankfurt am Main (D), † 13.3.1976 Zürich.

Gesangsstudium am Raff-Konservatorium in Frankfurt am Main. Nachdem K. 1909 am →Stadttheater Zürich erfolgreich als Dalila in Saint-Saëns’ "Samson et Dalila" debütiert hatte, wurde sie von Direktor →Alfred Reucker ab 1910 ans Zürcher Ensemble engagiert, dem sie bis 1914 angehörte. Es folgten Engagements 1914–19 an der Hofoper München, 1919/20 am Stadttheater Hamburg und 1920/21 an der Staatsoper Wien. Danach wirkte sie als Gast an verschiedenen Häusern. Bereits in ihrer ersten Zürcher Spielzeit stellte K. mit einem sehr umfangreichen Repertoire ihre Vielseitigkeit unter Beweis, so als Nancy in Flotows "Martha", Marthe in Gounods "Faust", Octavian in Richard Strauss’ "Der Rosenkavalier", Gräfin von Eberbach in Lortzings "Der Wildschütz", dritte Dame in Mozarts "Die Zauberflöte", die Stimme der Mutter in Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann", Azucena in Verdis "Il Trovatore" und Eboli in der Schweizer Erstaufführung von dessen "Don Carlo" (1911, Regie: →Hans Rogorsch, musikalische Leitung: →Max Conrad), Eglantine von Puiset in Webers "Euryanthe" sowie als Interpretin von Werken →Richard Wagners: Magdalena in "Die Meistersinger von Nürnberg", Fricka in "Die Walküre", Erda, Waltraute und erste Norn in "Siegfried" und "Götterdämmerung", Ortrud in "Lohengrin" und Brangäne in "Tristan und Isolde". In Zürich erarbeitete sich K. weitere Partien für Alt und dramatischen Mezzosopran, so beispielsweise die Titelpartie in Bizets "Carmen", Orfeo in Glucks "Orfeo ed Euridice", Santuzza in Mascagnis "Cavalleria rusticana", Sélika in Meyerbeers "L’Africaine", Amneris in Verdis "Aida" und Ulrica in dessen "Ballo in maschera" sowie die Wagner-Partien Erda und Fricka in "Das Rheingold", Adriano in "Rienzi" und Venus in "Tannhäuser". Ausserdem sang sie in Zürich in den Schweizer Erstaufführungen von Berlioz’ "Benvenuto Cellini" (1912 als Ascanio, Regie: Rogorsch, musikalische Leitung: →Lothar Kempter), Humperdincks "Königskinder" (1911 als Hexe, Regie: Rogorsch, musikalische Leitung: Kempter) sowie Wagners "Parsifal", der ersten Bühnenproduktion ausserhalb Bayreuths nach Ablauf der Schutzfrist (1913 als Kundry, Regie: Reucker/Rogorsch, musikalische Leitung: Kempter). Als Kundry trat sie später unter anderem an der Staatsoper Wien, in Berlin, am →Stadttheater Bern (1923/24), in Dresden, Hamburg, Stuttgart, Leipzig, München sowie bei den Bayreuther Festspielen (1924 und 1925) auf. 1914 vollzog sie in Zürich mit der Übernahme der Brünnhilde in "Die Walküre" den Schritt ins hochdramatische Sopranfach, das in den kommenden Jahren ihr Repertoire ergänzte. K. galt insbesondere als führende Wagner-Interpretin. Zwischen 1915 und 1931 kehrte sie regelmässig als Gast nach Zürich zurück, so unter anderem erneut als Octavian (1918, musikalische Leitung: Strauss), Marta in d’Alberts "Tiefland" (1916, musikalische Leitung: d’Albert), Sieglinde und Brünnhilde in "Die Walküre" sowie bei den Internationalen Juni-Festspielen 1921 als Kundry (musikalische Leitung: Bruno Walter) und 1922 als Prinz Orlofski in Johann Strauß’ "Die Fledermaus" und Isolde in "Tristan und Isolde" (musikalische Leitung jeweils: Walter). An der Hofoper München sang K. unter anderem in den Uraufführungen von Korngolds "Violanta" (1916 Titelpartie, Regie: Anton von Fuchs, musikalische Leitung: Walter) und Pfitzners "Palestrina" (1917 als Silla, Regie: Pfitzner, musikalische Leitung: Walter). Gastspiel dieser Produktion im Herbst 1917 an den Stadttheatern Basel, Bern und Zürich. Ende 1931 gab K. als Brünnhilde in "Die Walküre" in Zürich ihren Bühnenabschied. Danach gesangspädagogische Tätigkeit, unter anderem 1937–44 an der Staatlichen Hochschule für Musik in München und 1949–52 als Leiterin der Opernschule am Konservatorium Zürich. Bedeutende Konzertsängerin. Verbrachte ihren Lebensabend in Zürich.

Auszeichnungen

  • Kammersängerin der Münchner Hof­oper.

Literatur

  • Draber, Hermann Wilhelm: Der Weg einer deutschen Künstlerin, 1940.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Emmy Krüger, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1040–1041.

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