Ernst Ginsberg

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* 7.2.1904 Berlin (D), † 3.12.1964 Zürich. ∞ I. 1926 Ruth Greiner, Schauspielerin und Tochter des Dramatikers Leo Greiner, ∞ II. 1962 Miriam Spoerri, Schauspielerin.

Wenige Wochen Schauspielunterricht bei Günther Stark in Berlin, 1922–24 Engagement beim Maskenwagen der Holtorftruppe in Heide/Holstein. 1924–26 an den Münchener Kammerspielen, unter anderem Wurm in Schillers "Kabale und Liebe", Melchior in →Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen", Orest in Goethes "Iphigenie auf Tauris". 1926–28 am Schauspielhaus Düsseldorf (Soldat in Raynals "Das Grabmal des unbekannten Soldaten"), 1928–32 an der Volksbühne Berlin sowie an verschiedenen anderen Berliner Bühnen und auf Tourneen. 1932 Engagement am Landestheater Darmstadt unter →Gustav Hartung, 1933 Entlassung, Emigration über Wien nach Zürich. 1933 zunächst als Gast, ab 1934 fest verpflichtetes Mitglied am →Schauspielhaus Zürich, zirka 250 Rollen, darunter Siegelmann in der Uraufführung von Ferdinand Bruckners "Die Rassen", Franz Moor in Schillers "Die Räuber", Edgar in Shakespeares "König Lear", Titelrolle in Schillers "Don Carlos", Titelrolle in Shakes­peares "Hamlet", Dauphin in Shaws "Die heilige Johanna", Appiani in Lessings "Emilia Galotti", Mephisto in Goethes "Faust I" und "Faust II". Lehrer am →Bühnenstudio Zürich. 1945 als Gast am →Stadttheater Luzern, unter anderem Angelo in Shakespeares "Mass für Mass". 1946–50 durch →Kurt Horwitz Engagement als Schauspieler und Regisseur, 1949/50 als Oberspielleiter am →Stadttheater Basel, unter anderem Titelrolle in Rostands "Cyrano de Bergerac", Pedro in →Max Frischs "Santa Cruz", Alceste in Molières "Der Misanthrop" (von G. als seine Lieblingsrolle bezeichnet), Harpagon in "Der Geizige" und Titelrolle in "Tartuffe", Wurm in Schillers "Kabale und Liebe", Inszenierungen unter anderem von Shakespeares "Das Wintermärchen", Schillers "Kabale und Liebe", Frys "Die Dame ist nicht fürs Feuer", →Bertolt Brechts "Furcht und Elend des Dritten Reiches" (Bühnenbild: →Caspar Neher) sowie der deutschsprachigen Erstaufführung von García Lorcas "Bernarda Albas Haus" (1947) und den Uraufführungen von →Friedrich Dürrenmatts "Der Blinde" (1948) und dessen "Romulus der Grosse" (1949). Daneben und auch nach 1950 weiterhin am Schauspielhaus Zürich tätig, unter anderem Franz Moor in Schillers "Die Räuber", Robespierre in Büchners "Dantons Tod", Übelohe in Dürrenmatts "Die Ehe des Herrn Mississippi". 1952–60 abwechselnd in Zürich und am Bayerischen Staatsschauspiel München (spielte dort unter anderem 1952 Alceste in Molières «Der Misan­throp», 1953 Harpagon in "Der Geizige" und 1955 Titelrolle in "Tartuffe", Regie jeweils: Horwitz; 1953 Franz Moor in Schillers "Die Räuber", Regie: Fritz Kortner; inszenierte unter anderem 1953 die deutsche Erstaufführung von O’Caseys "Juno und der Pfau", 1954 die deutsche Erstaufführung von Greens "Süden", 1955 Shakespeares "Troilus und Cressida"). 1956–60 Mitwirkung an den Salzburger Festpielen, unter anderem 1957–60 als Teufel in Hofmannsthals "Jedermann" und 1960 in der Titelrolle seiner eigenen Inszenierung von Molières "Tartuffe". 1963 als Gast an der Freien Volksbühne Berlin Titelrolle in Rollands "Robespierre", Regie: Erwin Piscator. G. inszenierte auch mit innerschweizerischen Amateurdarstellerinnen und -darstellern (→Paul Schoecks "Das Urner Tellenspiel", zugleich Interpretationen des Gessler) und wirkte als Rezitator bei Radio und Fernsehen, zahlreiche Schallplattenaufnahmen. Er galt als technisch perfekter und intellektueller Schauspieler. Insbesondere seine Interpretationen des Mephisto sowie mehrerer Molière-Rollen – diese zumeist unter der Regie von Horwitz – erregten Aufsehen. Literarisch tätig als Herausgeber von Barocklyrik und Werken von Else Lasker-Schüler.

Auszeichnungen

Literatur

  • Brock-Sulzer, Elisabeth: E. G., 1963.
  • G., E.: Abschied. Erinnerungen, Theateraufsätze, Gedichte, 1965 [Neuausgabe 1991, mit Rollenverzeichnis].


Autorin: Anna Beck



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Beck, Anna: Ernst, Ginsberg, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 715–716.

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