Felix Weingartner

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* 2.6.1863 Zara (Zadar, heute: HR), † 7.5.1942 Winterthur ZH, eigentlich Paul Felix W. Edler von Münzberg. ∞ III. 1913 Lucille Marcel, Opernsängerin, ∞ IV. 1922 Betty Calisch, Schauspielerin, ∞ V. 1931 Carmen Studer, Dirigentin und Schriftstellerin.

Neben dem Gymnasium erster Musikunterricht bei Remy (eigentlich Wilhem Mayer) in Graz und erste eigene Kompositionen. 1881–83 Klavier- und Kompositionsstudien an der Universität und am Konservatorium Leipzig. 1883 Bekanntschaft mit Franz Liszt in Weimar, der die Uraufführung von W.s erster Oper "Sakuntala" veranlasste (23.3.1884, Weimarer Hofbühne). Nach seinen ersten Kapellmeisterjahren an den Städtischen Bühnen in Königsberg (1884/85), in Danzig (1885–87), Hamburg (1887–89) und Mannheim (1889–91) war W. 1891–1907 Kapellmeister an der Berliner Hofoper (ab 1898 leitete er dort nur noch die Konzerte der Königlichen Kapelle) und 1898–1903 zusätzlich Leiter der Kaim-Konzerte in München. Gleichzeitig setzte seine internationale Dirigentenkarriere ein, die ihn nach London, Paris, New York und später auch nach Südamerika führte. 1908–11 war W. als Nachfolger von Gustav Mahler Direktor der Wiener Hofoper (nachmals Staatsoper) und weiterhin bis 1927 Chefdirigent der Wiener Philharmoniker. Daneben wirkte er 1912–14 in Hamburg und Boston sowie 1914–19 als Generalmusikdirektor in Darmstadt. 1919–24 war er Direktor der Wiener Volksoper. 1924 Übersiedlung ins zürcherische Erlenbach. 1927 wurde W. nach Basel berufen: Er wurde Leiter der Sinfoniekonzerte der Allgemeinen Musikgesellschaft Basel und Direktor von Musikschule und →Konservatorium Basel. Er leitete dort die Dirigentenkurse (Schüler waren unter anderen →Paul Sacher und →Alexander Krannhals) und führte Festwochen mit thematischen Schwerpunkten durch. In dieser Zeit wirkte er als ständiger Gastdirigent am →Stadttheater Basel. Sowohl in seiner Unterrichtstätigkeit wie auch in seinem Dirigenten-Repertoire lagen die Schwerpunkte auf der Musik des 18. und 19. Jahrhunderts. So dirigierte er in Basel regelmässig Opern von Mozart, Verdi und →Richard Wagner, ferner Beethovens "Fidelio", Bizets "Carmen", Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann", Johann Strauß’ "Der Zigeunerbaron" und "Die Fledermaus" sowie Webers "Oberon" und "Der Freischütz". 1935 trat W., der mittlerweile Schweizer Bürger geworden war, von seinen Basler Anstellungen zurück und wurde 1935/36 neuerlich Leiter der Staatsoper Wien. 1936 kehrte er in die Schweiz zurück, seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Lausanne. 1941 schuf er mit Musik von Schubert und einem Text von →Otto Maag die Oper "Schneewittchen" (Uraufführung 26.12.1941, Stadttheater Basel, Regie: →Egon Neudegg, musikalische Leitung: Krannhals). W.s umfangreiches kompositorisches Œuvre umfasst neben Sinfonien, Orchesterwerken und Kammermusik eine beträchtliche Anzahl von Liedern sowie mehrere Opern, zu denen er selbst die Texte verfasste ("Malawika", "Genesius", "Orestes", "Kain und Abel", "Dame Kobold", "Die Dorfschule", "Meister Andrea", "Der Apostat"). Daneben schrieb er praxisbezogene Werke wie "Über das Dirigieren" (1896) und "Ratschläge für Aufführungen klassischer Symphonien" (1906–18). 1928 und 1929 erschienen seine "Lebenserinnerungen" in zwei Bänden.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1929 Ehrendoktorat der Universität Basel,
  • 1934 Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper,
  • 1939 Goldmedaille der Royal Philharmonic Society.

Literatur

  • F. v. W. Ein Brevier. Anlässlich seines 70. Geburtstages herausgegeben und eingeleitet von Walter Jacob, 1933.
  • Festschrift für Dr. F. W. zu seinem 70. Geburtstag, 2. Juni 1933, herausgegeben von der Allgemeinen Musikgesellschaft Basel, 1933.
  • F. W. In: Die Musik-Akademie der Stadt Basel, 1967.
  • Dyment, Christopher (Hg.): F. W. Recollections and Recordings, 1976.
  • Krakauer, Peter: F. W. als Direktor der Wiener Oper 1908–1911 und 1935/36, 1981.

Nachlass

  • Universitätsbibliothek Basel.


Autorin: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: Felix Weingartner, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2065–2066.

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