Paul Sacher

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* 28.4.1906 Basel, † 26.5.1999 Basel.

S. liess sich in Basel am Konservatorium bei →Felix Weingartner und Rudolf Moser zum Dirigenten ausbilden, an der Universität studierte er bei Karl Nef Musikwissenschaft. 1926 gründete er das Basler Kammerorchester, in dessen Programmen er vorwiegend alte und neue Musik einander gegenüberstellte, 1928 den Kammerchor. Mit beiden Ensembles gab er viele Gastkonzerte in der Schweiz und im Ausland. 1933 gründete er die Schola Cantorum Basiliensis, die 1954 mit dem Konservatorium und der Musikschule zur →Musik-Akademie der Stadt Basel vereint wurde, deren Leitung er bis 1969 innehatte. 1941 rief er – als Ergänzung zum Basler Kammerorchester – das Collegium Musicum Zürich ins Leben. Ab 1934 war S. mit Maja Hoffmann-Stehlin, der Witwe des Mehrheitsaktionärs des Basler Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche verheiratet. Seinen Reichtum sah er als Verpflichtung an, Komponisten und deren Schaffen zu unterstützen und zu fördern. Zahlreichen Komponisten, ausländischen wie schweizerischen (zum Beispiel Béla Bartók, →Conrad Beck, →Willy Burkhard, →Heinz Holliger, →Arthur Honegger, →Rudolf Kelterborn, →Frank Martin, Bohuslav Martinů, Albert Moeschinger und Wolfgang Rihm), erteilte er Kompositionsaufträge und führte ihre so entstandenen Werke auf; nicht selten sind diese Werke auch S. gewidmet. Vielen Künstlern bot er in schwieriger Zeit Zuflucht, zum Beispiel in seinem Haus auf dem Schönenberg bei Pratteln. Zu den wichtigsten von ihm dirigierten Uraufführungen von Bühnenwerken gehören: →Arthur Honeggers «Jeanne d’Arc au bûcher» (12.5.1938 konzertant in Basel), Willy Burkhards "Die schwarze Spinne" (28.5.1949 uraufgeführt im Rahmen der Juni-Festwochen am →Stadttheater Zürich, die Erstaufführung der zweiten Fassung am 30.5.1954 am →Stadttheater Basel) und Martinůs "Griechische Passion" (9.6.1961 am Stadttheater Zürich, im Rahmen der Juni-Festwochen). 1973 gründete S. die Paul Sacher Stiftung in Basel, die sich der Erhaltung des musikalischen Nachlasses des Stifters und des übrigen Stiftungsguts widmet und es der Forschung zugänglich macht. S.s umfangreiche Musikbestände (Autografen, Nachlässe, Bibliothek) sind in dem 1974 erworbenen und 1982–85 umgebauten Haus "Auf Burg" am Basler Münsterplatz untergebracht. 1931 wurde S. Vorstandsmitglied des Schweizerischen Tonkünstlervereins, 1946–55 war er dessen Präsident, danach Ehrenpräsident. 1935–46 Leiter der Schweizer Sektion der International Society for Contemporary Music und 1944–59 Mitglied des Stiftungsrats der Kulturstiftung Pro Helvetia. Publikationen: Mitteilungen der P.-S.-Stiftung, Basel 1988 ff. Veröffentlichungen der P.-S.-Stiftung, Winterthur 1990 ff.

Auszeichnungen

unter anderem

  • Ehrendoktorat der Universitäten Basel, Oxford, Rochester und McGill,
  • 1972 Kunstpreis der Stadt Basel,
  • 1981 Goldene Ehrenmedaille für kulturelle Verdienste,
  • 1983 Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres,
  • 1985 Officier de la Légion d’Honneur,
  • 1993 Grosses Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Literatur

  • Basler Kammerorchester (Hg.): Das Basler Kammerorchester (Kammerchor und Kammerorchester) unter Leitung von P. S. 1926–1951, 1952.
  • Collegium Musicum Zürich (Hg.): Fünfzig Jahre Collegium Musicum Zürich. Leitung P. S., 1994.
  • Erni, Jürg: P. S., Musiker und Mäzen, 1999. P. S. Stiftung (Hg.): P. S. in memoriam, 2000.
  • Stephenson, Lesley: Symphonie der Träume. Das Leben von P. S., 2001.


Autor: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: Paul Sacher, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1549–1550.

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