Katharina Thalbach

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* 19.1.1954 Berlin/Ost (DDR, heute: D). Tochter des Regisseurs →Benno Besson und der Schauspielerin Sabine T. ∞ Vladimir Weigl, Schauspieler. Mutter der Schauspielerin Anna T.

Bereits 1968 erhielt T. durch Helene Weigel einen Ausbildungsvertrag am Berliner Ensemble. Sie debütierte 1969 als Hure Betty in →Bertolt Brecht/Weills "Die Dreigroschenoper" (Regie: Erich Engel) und übernahm darin mit grossem Erfolg die Rolle der Polly. 1972 wechselte T. an die Ostberliner Volksbühne (unter anderem Desdemona in Shakespeares "Othello", Regie: Manfred Karge/→Matthias Langhoff). 1976 verliess T. zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten, dem Schriftsteller Thomas Brasch, die DDR. Sie setzte ihre Karriere im Westen nahtlos fort und hatte grossen Erfolg mit der Rolle der Maria in Volker Schlöndorffs Verfilmung von Grass’ "Die Blechtrommel". 1977/78, 1981 und 1987–93 war T. an den Staatlichen Schauspielbühnen in Berlin/West engagiert (unter anderem: 1977 Rita Grabow in der Uraufführung von Braschs "Lovely Rita"; 1981 Prothoe in Kleists "Penthesilea", Regie: Hans Neuenfels; Viola/Sebastian in Shakespeares "Was ihr wollt", Regie: Ernst Wendt; 1992 Hase in Serreaus "Hase Hase", Regie: Besson), 1979 gastierte sie in der Titelrolle von Kleists «Das Käth­chen von Heilbronn» (Regie: →Jürgen Flimm) an den Städtischen Bühnen Köln. 1987 gab sie ihr Regiedebüt mit Shakespeares "Macbeth" in der Werkstatt des Schiller-Theaters Berlin, es folgten unter anderem Inszenierungen von Brechts "Lux in Tenebris" (Münchner Volkstheater 1988) und "Mann ist Mann" (Thalia-Theater Hamburg 1989, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 1989), Braschs Shakespeare-Bearbeitung "Liebe Macht Tod" und Lessings "Minna von Barnhelm" (beide Schiller-Theater Berlin 1991) und Shakespeares "Wie es euch gefällt" (Schiller-Theater Berlin 1993). 1997 inszenierte sie mit Mozarts "Don Giovanni" im Technoclub "E-Werk" Berlin erstmals ein musikdramatisches Werk. Seit 1996 ist T. vorwiegend am Maxim-Gorki-Theater Berlin tätig; unter anderem inszenierte sie dort 1996 Molières "Don Juan oder Der steinerne Gast" und →Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick" (zunächst mit Harald Juhnke, später mit ihr selbst in der Titelrolle), spielte 1997 Mutter John in Gerhart Hauptmanns "Die Ratten" und 1998 Shen Te und Shui Ta in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan". Regelmässig arbeitet T. auch in der Schweiz: Am →Schauspielhaus Zürich spielte sie 1983 Ophelia in Shakespeares "Hamlet" (Regie: Besson) und Oi in der Uraufführung von Braschs "Mercedes" (Regie: Matthias Langhoff), 1998 die Titelrolle in Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" (Regie: Besson) und 1999 Nastja in Gorkis "Nachtasyl" (Regie: →Uwe Eric Laufenberg). 1997 inszenierte sie Shakespeares "La tragédie de Macbeth" an der →Comédie de Genève (als Koproduktion mit dem Théâtre national de Chaillot Paris, wo T. bereits 1995 unter der Regie von Jérôme Savary in der Titelrolle von Brechts "Mère Courage et ses enfants" gastiert hatte). Am →Theater Basel inszenierte T. 1999 die Uraufführung von Braschs "Stiefel muss sterben" (nach Kotzebues "Die deutschen Kleinstädter") und 2002 Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt". Umfangreiche Tätigkeit für Funk, Fernsehen und Film. T. ist Mitglied der Deutschen Akademie der darstellenden Künste Frankfurt am Main.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1980 Förderpreis für darstellende Kunst der Akademie der Künste Berlin,
  • 1987 Filmband in Gold,
  • 1992 Kulturpreis der Berliner Zeitung,
  • 1996 Bundesverdienstkreuz,
  • 1996 Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz,
  • 1997 Adolf-Grimme-Preis, 1997 BILD-Kulturpreis,
  • 1998 "Goldener Vorhang" des Berliner Theaterclubs als beliebteste Darstellerin der Saison 1997/98.

Literatur

  • Merschmeier, Michael: Auf den Brettern schweben, die die Welt bedeuten. Annäherung an ein Naturtalent: Die Schauspielerin K. T. In: Theater heute 4/1985.
  • Sucher, C. Bernd: Theaterzauberer, 1988.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Katharina Thalbach, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1836.

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