Rudolf von Laban

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

* 15.12.1879 Pozsony (Bratislava, heute: SK), †  1.7.1958 Addlestone (GB), eigentlich Rudolf Jean-Baptiste Attila Laban de Varalya. ∞ I. Martha Fricke, Malerin († 1907), ∞ II. 1910 Maja Lederer, Sängerin, fünf Kinder, darunter die Tochter Juana de Laban (* 21.10.1910), ebenfalls Tänzerin und Choreografin. Gemeinsamer Sohn mit seiner Lebensgefährtin →Suzanne Perrottet: →André Perrottet von Laban, Bühnenbildner, Enkel →Claude Perrottet, Tänzer, Choreograf.

Militär-Akademie in Wien, ab 1900 Architektur- und Philosophiestudium in Paris, daneben Malerei, gelegentlich Arbeiten beim Kabarett und an Boulevardtheatern. 1907 Rückkehr nach Wien, dann in München. 1912 Eröffnung des Ateliers für Tanz und Bühnenkunst. L. kam im Juli 1913 erstmals auf den →Monte Verità. Für die Sommermonate 1913 und 1914 übernahm er die Leitung der Sommerschule für Bewegungskunst in Ascona, der letzte Sommerkurs endete mit dem Kriegsausbruch (August 1914). Nach der Schliessung der Münchner Schule, zog L. im Herbst 1914 nach Zürich und baute dort seine →Labanschule für Bewegungskunst auf. Bis November 1919 blieb er gezwungenermassen in der Schweiz. In dieser Experimentierphase kristallisierten sich die Praktiken und Ideen heraus, die später in Deutschland und England fruchtbar wurden. In der Schweiz nahmen seine spezifische Bewegungspädagogik und ein neuartiges chorisches Festspiel erstmals Gestalt an, die Tanztherapie wurde erprobt, nach den Grundlagen für seine Bewegungsschrift und Raumlehre geforscht. Das Ergebnis der Analysen und Visionen dieser Zeit fasste er in dem assozia­tiven Gedankenreigen "Die Welt des Tänzers" zusammen. Mit dem 1920 erschienenen Buch gab er der Tanzkunst ein neues ästhetisch-esoterisches Fundament und prägte das Selbstverständnis aller Ausdruckstänzer entscheidend. L. arbeitete als Choreograf in Stuttgart, Mannheim, Hamburg, Berlin (1930–34 Ballettdirektor der Preußischen Staatstheater), Bayreuth und gründete zahlreiche Schulen in ganz Europa. Er arbeitete zunächst mit den Nationalsozialisten zusammen, die Choreografie "Vom Tauwind und der Neuen Freude" (für die Olympiade 1936 in Berlin) wurde jedoch verboten, seine Arbeiten, Schulen, Publikationen ab diesem Zeitpunkt abgelehnt. L. emigrierte über Frankreich nach Dartington Hall, England. Dort arbeitete er unter anderem zur Unterstützung der Kriegsführung mit F. C. Lawrence an Bewegungsstudien im industriellen Fertigungsprozess. 1946 Gründung des "Art of Movement Studio" mit Lisa Ullmann in Manchester, 1953 nach Addlestone, Surrey, verlegt. Eigene Werke (Auswahl): L., R. von: Die Welt des Tänzers, 1920. Choreografie, 1926. Schrifttanz: Methodik, Orthographie, Erläuterungen, 1928. Ein Leben für den Tanz, 1935 und zusammen mit Lawrence, F. C.: Effort, 1947.

Literatur

  • Hodgson, John/Preston-Dunlop, Valerie: R. L. An Introduction to his work and Influence, 1990 [mit Werkverzeichnis]. Preston-Dunlop, Valerie: R. L. An Extraordinary Life, 1998 [mit ausführlicher Bibliografie].

Nachlass

  • Dokumente der Zürcher Zeit im Nachlass Suzanne Perrottet, Kunsthaus Zürich.


Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Rudolf von Laban, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1065.

Normdaten