Simon Estes

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* 2.3.1938 Centerville (USA).

Studierte an der Universität von Iowa (zunächst Medizin, Theologie und Psychologie, dann 1961–63 Gesang bei Charles Kellis). Weitere Studien an der Juilliard School of Music in New York. Operndebüt 1965 an der Deutschen Oper Berlin als Ramfis in Verdis "Aida". Weitere Gastauftritte als Bassist an der Hamburgischen Staatsoper (1966/67), an der San Francisco Opera (1967 und 1972) sowie an den Bühnen der Hansestadt Lübeck (1974/75 Titelpartie in Mussorgskys "Boris Godunow"). 1976 engagierte ihn Direktor →Claus Helmut Drese ans →Opernhaus Zürich, Zürich ZH, dem E. mit Unterbrechungen bis 1997 verbunden blieb, und ebnete ihm den Weg zur internationalen Karriere. In Zürich hatte E. gleich zu Beginn als Porgy in Gershwins "Porgy and Bess" und in der Titelpartie von →Richard Wagners "Der fliegende Holländer" (Regie: Drese, musikalische Leitung: →Ferdinand Leitner) Aufsehen erregende Erfolge. Weitere Zürcher Partien waren Antinoo in Monteverdis "Il ritorno d’Ulisse in patria" (1977, Regie: Jean-Pierre Ponnelle, musikalische Leitung: →Nikolaus Harnoncourt), Sarastro in Mozarts "Die Zauberflöte", die vier Bösewichter in Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann", Escamillo in Bizets "Carmen", die Verdi-Partien Amonasro in "Aida", Filippo II in "Don Carlo", Padre Guardiano in "La forza del destino" sowie Attila und Macbeth in den gleichnamigen Opern, die Titelpartie in Händels "Saul", Jochanaan in Richard Strauss’ "Salome" und Orest in dessen "Elektra" (1991) sowie 1995 erneut Holländer (Regie beide: Ruth Berghaus). Von Zürich aus eroberte sich E. mit seinem erzenen, majestätisch klingenden Heldenbariton und seiner gross gewachsenen, noblen Erscheinung die wichtigsten Opern- und Festspielbühnen der Welt: Amsterdam, Barcelona, Bayreuther Festspiele (1978–85 Holländer als erster afroamerikanischer Sänger in einer Hauptrolle in Bayreuth und Amfortas in "Parsifal"), Deutsche Oper Berlin (seit 1981 unter anderem Wotan und Wanderer in Wagners "Der Ring des Nibelungen"), Chicago, Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, Hamburgische Staatsoper (seit 1978), Maggio Musicale Fiorentino Florenz, Covent Garden Opera London (seit 1986), Los Angeles, Teatro alla Scala in Mailand (seit 1979), Bayerische Staatsoper München, Metropolitan Opera New York (1976 Oroveso in Bellinis "Norma" auf Tournee, Hausdebüt 1982 als Landgraf Hermann in Wagners "Tannhäuser"), Festival Orange, Opéra de Paris (Palais Garnier und Opéra Bastille), San Francisco, Washington, D. C., und Staatsoper Wien (seit 1978). In der Schweiz gastierte E. 1980 als Filippo II am →Stadttheater St. Gallen und 1983 als Jochanaan am →Grand Théâtre in Genf. Bedeutender Konzert- und Liedersänger. Zahlreiche Einspielungen auf Tonträger. Seit 1986 auch pädagogische Tätigkeit, so an der Juilliard School of Music in New York. Gründer mehrerer Stiftungen, unter anderem der "Simon Estes International Foundation for Children" sowie von Stiftungen für Gesangsstudenten.

Auszeichnungen

  • Ehrendoktorate der University of Tulsa, Oklahoma, der Drake University in Des Moines (beide 1994), der Iowa State University in Ames (1997) und der Lawrence University of Appleton, Wisconsin (1998).


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Simon Estes, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 542–543.

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