Theatersaal Rigiblick, Zürich ZH

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Gastspielbetrieb, alle Sparten, Schwerpunkt Tanztheater

1901 wurde am Endpunkt der neu gebauten Seilbahn Rigiviertel (heute: Seilbahn Rigiblick) im Zürcher Quartier Oberstrass das Restaurant "Rigiblick" mit Terrasse und grossem (Theater-)Saal eröffnet. Es wurde rasch zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt und zu einem beliebten Ausflugsziel. 1914 kaufte der Zürcher Frauenverein den Gebäudekomplex, der bis 1976 in dessen Besitz blieb und danach an die Stadt überging. Der Saal wurde fortan vor allem als Probelokal genützt, unter anderem auch während der Umbauarbeiten des →Schauspiel- und des →Opernhauses Zürich. Danach bestanden Pläne, den Saal auszukernen und Studentenwohnungen einzubauen, wogegen sich Quartierbewohner mit der 1984 erfolgten Gründung des "Vereins Quartierkultur im Kreis 6" erfolgreich wehrten. 1985 wurde der "Verein Theatersaal Rigiblick" gegründet. Nachdem der T. 1985 von →Bruno Steiner und der "Vorbühne Zürich" betrieben worden war, führte der "Verein Theatersaal Rigiblick" ab Frühjahr 1986, zuerst auf provisorischer Basis, diverse Veranstaltungen durch (Theater- und Tanzaufführungen, Konzerte, Lesungen, öffentliche Diskussionen, Ausstellungen im Foyer). Dann wurde der Betrieb dank städtischer Subventionen, die von 1987 (50’000 Franken pro Jahr) bis 2003 fast verdoppelt wurden, gefestigt. Die Organisation des Gastspielbetriebs wurde mit einem geringen Personaletat und in ehrenamtlicher Arbeit betrieben, federführend war lange Zeit Beatrix Strebel. Etwa zu einem Drittel traten Kunstschaffende aus den Quartieren Ober- und Unterstrass sowie Fluntern (zum reduzierten Miettarif), zu zwei Dritteln schweizerische und teilweise auch ausländische Gruppen (zum vollen Miettarif) auf. Der T. war somit ein Ort für Quartierkultur wie auch für Veranstaltungen von gesamtstädtischem Interesse. Trotz des gemischten Programms bildeten Aufführungen der freien Tanzszene einen Schwerpunkt. In diesem Bereich wies der T. eine besondere Tradition auf, hatte doch hier der →SBTG 1948–68 regelmässig internationale Sommerkurse veranstaltet, an denen Lehrkräfte wie →Harald Kreutzberg, Kurt Jooss, →Mary Wigman, →Rosalia Chladek und →Susana beteiligt waren. Die Bedeutung des T. als Spielstätte wuchs zudem, nachdem das "Depot Hardturm" und das →Theater Westend als Veranstaltungsorte für das freie Tanzschaffen geschlossen worden waren. Regelmässig im T. auftretende Gruppen waren die →Movers sowie bis 2003 das →Theater Hora. Im Jahr 2002 kauften die ZFV-Unternehmungen (ehemals Zürcher Frauenverein) den Gebäudekomplex zurück, der Saaltrakt allerdings blieb im Besitz der Stadt. Nach einer umfassenden Erneuerung der Anlage wurde das T., nun unter der Leitung von →Daniel Rohr, am 13.1.2005 mit Tania Blixens "Babettes Fest", einem Gastspiel des Zimmertheaters Tübingen, und weiteren Veranstaltungen an den folgen Tagen wiedereröffnet.

Spielstätte

Germaniastrasse 99, 8044 Zürich. Platzkapazität: rund 160 Plätze. Bühne: 12 m breit, 5,77 m hoch, 8 m tief, mit kleiner Hinterbühne.



Autor: Tobias Hoffmann-Allenspach



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hoffmann-Allenspach, Tobias: Theatersaal Rigiblick, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1882–1883.