VTS – Vereinigte Theaterschaffende der Schweiz

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Die Organisation der V. wurde am 31.10.1983 von fünfzehn freien Theatergruppen der Schweiz gegründet. Vorausgegangen war eine Gesprächsrunde im Rahmenprogramm des →Zürcher Theaterspektakels, welche die Kontaktaufnahme und den Erfahrungsaustausch zwischen freien Theatergruppen ermöglichen und dezentralisierte Theateraktivitäten ausserhalb traditioneller Theaterinstitutionen fördern wollte. Der Zusammenschluss der V. bezweckte laut Statuten, "die Interessen ihrer Mitglieder gegen aussen zu vertreten", "Bedürfnisse und Ziele zu diskutieren und bekanntzumachen sowie die Zusammenarbeit unter den Mitgliedern zu fördern". Die Öffentlichkeit und vor allem die Verantwortlichen in den schweizerischen Kulturförderungsinstitutionen sollten über die Arbeitsbedingungen und die spezifischen finanziellen, administrativen und organisatorischen Probleme der in der freien Theaterszene Produzierenden informiert werden. Die Arbeit war getragen von "demokratischer Arbeitsweise" (Statuten), von dem Wunsch nach kollegialem Austausch und gemeinsamer Weiterentwicklung des freien Theaterschaffens in der Schweiz in produktiver Auseinandersetzung mit dem etablierten Theater. Unter anderem diente das erste zehntägige Treffen der V. 1986 in Chur, an dem zeitweise rund hundert Personen teilnahmen, diesen Zielen. Heute definieren sich die V. als Berufsverband der freien Theaterschaffenden, der sich für "das freie Theater in der Schweiz, für freie Theaterschaffende, Ensembles und niedrig subventionierte Bühnen, die in unterschiedlichsten Sparten und verschiedenen Sprachregionen hauptberuflich Theater machen", einsetzt. Er trägt zum Ausbau des rechtlichen und sozialen Schutzes für Theaterschaffende (Arbeitslosenversicherung, Altersvorsorge) bei und veröffentlichte 1999 die Broschüre "Sicherheit im freien Fall. Leitfaden zu Vertrags- und Sozialversicherungsfragen für Freischaffende in Film und Theater". Die V. begannen mit dem Aufbau eines verbandsunabhängigen Berufsregisters für Schauspielerinnen und Schauspieler und Regisseurinnen und Regisseure zur Sicherung des Berufsstands (Anerkennung der Theaterberufe), nehmen an kulturpolitischen Diskussionen teil und erstreben damit eine Verbesserung der Förderungspolitik der Gemeinden, Kantone und des Bunds. Auf den Austausch unter den Mitgliedern wird weiterhin viel Wert gelegt, regelmässig finden Mitgliederversammlungen, Symposien und Seminare statt, Theatertage oder grössere überregionale und sprachenübergreifende Projekte werden durchgeführt, Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten. 1987 legte der Verein erstmals eine umfassende Dokumentation der Mitglieder vor (1990 erweitert), anlässlich des zehnjährigen Jubiläums entstand →Paul Steinmanns "Fotoalbum", eine Dokumentation zur Geschichte des freien Theaterschaffens in der Schweiz seit Ende der sechziger Jahre, die in dreizehn Kantonen gezeigt wurde. Zusammen mit der →ASTEJ gibt der Verein den "Theaterkalender" heraus. Er informiert monatlich unter anderem über die aktuellen Spielpläne der Mitglieder. In den neunziger Jahren erschien die "Mitglieder-Information", später das "VTS-Forum" (erscheint rund fünf Mal im Jahr), das unter anderem über die Aktivitäten des Vereins berichtet. Erster Präsident der V. war bis 1987 →Paul Weibel, dann übernahm →Peter Arnold kurzzeitig das Präsidum, das schliesslich in die Kompetenz des V.-Rats, des zentralen Vorstands, überging. Ende September 1996 wurde eine neue Struktur verabschiedet. Der V.-Rat, seit 1996 wieder mit einem Präsidenten, →Jost Nyffeler, und die Geschäftsstelle koordinieren die Verbandsarbeiten. An der Generalversammlung werden die Schwerpunkte festgelegt, Arbeitsgruppen gebildet und Aufgaben zwischen Mitgliedern, Arbeitsgruppen, V.-Rat und Geschäftsstelle verteilt. Ab 1986 führte Claude Rosselet die Geschäftsstelle, 1988–93 Beat Däppeler, 1993–97 Bruno Rütsch gemeinsam mit Martina Kessler, seit 1998 Hans Läubli. Die V. finanzieren sich über Mitgliederbeiträge und Subventionen des Bundesamts für Kultur. Sie arbeiten mit zahlreichen Institutionen im In- und Ausland zusammen und zählten 2005 rund 320 Theaterschaffende und dreissig freie Ensembles als Mitglieder.



Autorin: Simone Gojan



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gojan, Simone: VTS – Vereinigte Theaterschaffende der Schweiz, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2031–2032.