Walter Vogt

Aus Theaterlexikon
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* 31.7.1927 Zürich, † 21.9.1988 Muri BE.

V. studierte Medizin und war lange Zeit Röntgenarzt im Tiefenauspital in Bern. Danach war er als Facharzt für Psychiatrie mit eigener Praxis in Muri bei Bern tätig. Zum Schreiben kam V. erst 1961 nach einer längeren Krankheit, 1966 wurde er mit dem Roman "Wüthrich", dem Selbstgespräch eines sterbenden Arztes, bekannt (1995 in der Dramatisierung von →Beat Sterchi im alten Hörsaal des Anatomischen Instituts der Universität Bern uraufgeführt; Regie: →Peter Borchardt). V. verarbeitete in seinen Romanen (1972 "Der Wiesbadener Kongress", 1977 "Schizogorsk"), Erzählungen und Theaterstücken oft die eigenen Erfahrungen, ohne je den Eindruck eines peinlich anmutenden Exhibitionismus hervorzurufen. Er vertraute nicht auf Deskriptives, musste selbst experimentieren, sei es mit Drogen oder religiösen Erfahrungen. Selbstzerstörung und Todessehnsucht prägen seine Arbeiten, die sich häufig mit Krankheit und Sterben sowie mit der Einstellung der Gesellschaft zu Tabuthemen auseinander setzen. In dieser Konsequenz ist auch sein Stück "Die Betroffenen" (Uraufführung 29.10.1988, →Theater am Neumarkt, Zürich; Regie: →Peter Schweiger) zu sehen: Fünf Personen verschiedenster Berufe und sozialer Schichten, die mit dem HIV-Virus infiziert sind, werden in einen gruppendynamischen Prozess involviert. Persönliche Identitätsfindung, Lebenskampf und die Anpassung an Erwartungen und Normen der Gesellschaft führen zu verschiedenen Realitätsbegriffen und lassen die Figuren existenzielle Grenzen überschreiten. Weitere Bühnenwerke: "Aimez-vous Gotthelf?"(Uraufführung 22.3.1966, →Galerietheater Die Rampe Bern), "Höhenluft" (Uraufführung 12.10.1966, Theater am Neumarkt Zürich, Regie: →Reinhart Spörri), "Die Königin des Emmentals" (Uraufführung Januar 1967, →Theater Heddy Maria Wettstein Zürich), "Der grosse Traum der Mme von Pioch-Badet" (Uraufführung 26.1.1968, Theater Heddy Maria Wettstein Zürich), "Spiele der Macht" (Uraufführung der Theaterfassung 15.6.1971, Galerietheater Die Rampe Bern, Regie: →Paul Roland), "Faust X" (Uraufführung 23.9.1972, →Städtebundtheater Biel-Solothurn, Regie: →Manfred Schwarz), "Typhos" (Uraufführung 15.1.1973, →Stadttheater Bern, Regie: Roland), "Die Betroffenen" (Uraufführung 29.10.1988, Theater am Neumarkt Zürich, Regie: Schweiger), "Pilatus und andere Masken" (Uraufführung 4.11.1992, Théâtre rien ne va plus Wabern) und "Der Anruf" (Uraufführung 2.5.1993, Theater am Neumarkt Zürich, Regie: →Gudrun Orsky). V. schrieb auch Hörspiele und Fernsehspiele; mehrere seiner Werke wurden verfilmt. V. war Vorstandsmitglied im PEN-Zentrum der deutschsprachigen Schweiz und Gründungsmitglied sowie 1976–80 Präsident der →Gruppe Olten. 1991–97 erschien eine zehnbändige Werkausgabe, herausgegeben von Doris Halter und Kurt Salchli.

Auszeichnungen

  • 1972, 1980 und 1985 Buchpreis der Stadt Bern,
  • 1986 Grosser Literaturpreis des Kantons Bern,
  • 1986 Bürgerpreis der Marktgemeinde Rauris.

Nachlass

  • Schweizerisches Literaturarchiv, Bern.


Autorin: Brigitte Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Marschall, Brigitte: Walter Vogt, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2020, mit Abbildung auf S. 2020.

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