Franz Johann Danz

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* 16.11.1904 Karlsbad (Karlovy Vary, heute: CZ), † 14.3.1973 Solothurn.

Zunächst absolvierte D. eine Bankbeamtenlehre, dann war er in Karlsbad in der Öffentlichkeitsarbeit tätig, bevor er Schauspieler wurde. Unter dem Namen Hans D. ab 1933/34 Engagements an deutschsprachigen Theatern der Tschechoslowakei: am Stadttheater Gablonz an der Neiße und am Stadttheater Marienbad (Sommerspielzeit), dort 1933–35 auch als Chorsänger tätig. 1936 Mitglied der Wanderbühne "Die Sudetenbühne" in Reichenberg. 1937/38 am Stadttheater Troppau, dort auch als Spielleiter, 1939–43 am Deutschen Theater/Stadttheater in Mährisch-Ostrau. 1945–49 spielte er am Theater der Jugend in Stuttgart (ab 1948/49 Das junge Theater), ab 1950 war er unter dem Namen Franz Johann D. als Hörspieler am Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart tätig und 1952–55 als Mitglied des Schauspielensembles der Freilichtbühne Schwäbisch-Hall. Ab der Spielzeit 1955/56 in der Schweiz. D. war als Schauspieler und Regisseur unter der Direktion von →Markus Breitner am →Sommertheater Winterthur, Winterthur ZH (bis 1971) und unter den Direktoren Breitner, Carl-Heinrich Kreith, Heinz Zimmermann, →Hanspeter Blumer und →Alex Freihart bis kurz vor seinem Tod am →Städtebundtheater Biel-Solothurn verpflichtet. Dort war er auch regelmässig dramaturgisch tätig. Als der Betrieb des Städtebundtheaters Biel-Solothurn für die Saison 1971/72 eingestellt und das gesamte Personal entlassen wurde, arbeitete D. einen Teil der Spielzeit 1971/72 in der Zentralbibliothek Solothurn. Am Städtebundtheater Biel-Solothurn und in Winterthur spielte er gegen 300 Rollen und führte in über 40 Stücken Regie. Wichtigste Inszenierungen am Städtebundtheater Biel-Solothurn: 1956 Goethes "Urfaust", Ibsens "Gespenster" und Strawinskys "Oedipus Rex" sowie die Uraufführung von Siffredo Spadinis "Ilona Lantos", 1957 →Fritz Hochwälders "Die Herberge", 1958 Goethes "Torquato Tasso", 1965 Camus’ "Die Gerechten" und dessen "Missverständnis", 1969 Schnitzlers "Liebelei". In Winterthur inszenierte er zum Beispiel 1959 Osborns "Der Tod im Apfelbaum", 1960 →Curt Goetz’ "Ingeborg", 1962 →Max Frischs "Andorra", 1969 Wildes "Lady Windermeres Fächer". Zu seinen wichtigsten Rollen gehörten am Städtebundtheater Biel-Solothurn 1955 Major Petkoff in Shaws "Helden", 1956 Pastor Manders in Ibsens "Gespenster" und 1957 Tobias Rülp in Shakespeares "Was ihr wollt", 1959 Romulus in →Friedrich Dürrenmatts "Romulus der Grosse", 1965 Willy Loman in Millers "Der Tod des Handlungsreisenden", 1968 Puntila in →Bertolt Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" und 1970 Schweyk in Brechts "Schweyk im Zweiten Weltkrieg". In Winterthur spielte er neben zahlreichen Rollen in klassischen und neuen Lustspielen 1969 Nathan in Lessings "Nathan der Weise". Ausserdem regelmässige Hörspieltätigkeit für Radio Studio Bern. Als Theaterautor trat er mit dem Stück "Die Grenze" (11.9.1959 Uraufführung in Solothurn) und als Librettist für →Richard Flurys Oper "Der schlimm-heilige Vitalis" (Uraufführung 30.10.1963 in Solothurn) in Erscheinung. 1954 erschien aus seiner Feder das humoristisch-essayistische "Büchlein vom Duft".



Autor: Thomas Waldmann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Waldmann, Thomas: Franz Johann Danz, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 432.

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