Walter Roderer

Aus Theaterlexikon
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* 3.7.1920 St. Gallen. ∞ II. 2003 →Ruth Jecklin, Schauspielerin.

Das Studium in Germanistik und Kunstgeschichte brach er ab und nahm Schauspielunterricht bei →Ernst Ginsberg. Unter →Leopold Lindtberg war er Regieassistent am →Schauspielhaus Zürich, wo er bis 1952 kleine und kleinste Rollen spielte. Im Ensemble von →Emil Hegetschweiler gab er den Konditor Süessli in der Komödie "E gfreuti Abrächnig", am →Stadttheater Chur erreichte er einen Achtungserfolg als Bleichenwang in Shakespeares "Was ihr wollt" (Regie: →Hans Curjel), ausserdem spielte er am →Fredy-Scheim-Theater, am Hegi-Theater und am →Bernhard-Theater in Zürich. Elf Jahre dauerte es, bis R. von seinem Beruf leben konnte; um Geld zu verdienen, arbeitete er Akkord in der Roten Fabrik. Den Durchbruch brachte 1952 am →Theater am Central in Zürich die Rolle eines schüchternen Ladengehilfen in Sacha Guitrys Komödie "Nicht zuhören, meine Damen". R. wurde für das →Cabaret Federal in Zürich entdeckt, in dessen Programmen er ab 1954 mitwirkte. Daneben spielte er weiterhin am Bernhard-Theater Zürich sowie an der →Komödie Basel. →Werner Wollenbergers Feder entsprang die jeden Freitagnachmittag ausgestrahlte Radiosendung "Der Barbier von Seldwyla", die R. in der ganzen Schweiz populär machte. 1957 schlug er dem Theater am Central Hopwoods "Der Mustergatte" vor. Unter der Regie von →Rainer Litten wurde der Schwank mit R. in der Titelrolle – in Deutschland die Paraderolle von Heinz Rühmann – ein Grosserfolg. R. gründete noch im selben Jahr ein eigenes, nichtsubventioniertes Gastspieltheater. Dieses zeigte seine Dialektfassung von "Der Mustergatte" in 1288 Vorstellungen, Brandon Thomas’ "Charley’s Tante" wurde 406 Mal, das Cabaretprogramm "Herr und Frau Schwiizer" mit →Stephanie Glaser 376 Mal, Leo Lenz’ "Der Junggeselle" 537 Mal und Anton Hamiks "Der verkaufte Grossvater" 466 Mal gespielt, "Buchhalter Nötzli" (nach Hans Schuberts Bühnenstück "Mit besten Empfehlungen") 850 Mal aufgeführt. R.s wichtigste Bühnenpartner waren Ernst Stiefel, →Hansjörg Bahl und seine spätere Lebensgefährtin Jecklin. 1993 nahm R., der seine Popularität zunehmend für politische Stellungnahmen – zum Beispiel gegen einen Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum und der Europäischen Union – einsetzte, seinen Abschied von der Bühne. R.s wichtigste Filme waren →Kurt Frühs "Oberstadtgass" (1956), →Karl Suters "Der Mustergatte" (1959) und "Der Herr mit der schwarzen Melone" (1960), Frühs "Der 42. Himmel" (1962) und Gustav Ehmcks "Ein Schweizer namens Nötzli" (1988). 1987 veröffentlichte R. seine Autobiografie "Sie müend mi verstoh … gelled Sie!". Fernsehporträts von Regina Kempf ("30 Jahre Gastspiel-Theater W. R.", Schweizer Fernsehen DRS, 1987) und Thomas Hostettler (Schweizer Fernsehen DRS, 1990).



Autor: Thomas Hostettler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hostettler, Thomas: Walter Roderer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1510, mit Abbildung auf S. 1510–1511, mit Abbildung auf S. 1510.

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