Cabaret Kaktus, Basel BS

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Ensemble ohne eigene Spielstätte

Das politisch-satirische C. wurde 1943 von →Alfred Rasser gegründet, der als Leiter, Texter und Hauptdarsteller eine zentrale Rolle einnahm. Die Premiere des ersten Programms "Wenn die Blätter fallen" fand am 19.10.1943 im Basler Restaurant "Gambrinus" statt. Mit den nachfolgenden Programmen "Halt auf Verlangen" (1943), "Alles im Sänkel" (1944), "Jetzt isch gange" (1944), "Eile mit Weile" (1945) und "Vorwiegend heiter" (1945), die das C. in Basel, in Zürich im →Corso-Theater und auf Schweizer Tourneen zeigte, konnte es sich in den vierziger Jahren zunehmend als zweites wichtiges Schweizer Kabarettensemble neben dem →Cabaret Cornichon, Zürich ZH etablieren. Die Mehrzahl der Texte stammte von Rasser und →Charles Ferdinand Vaucher, der auch Regie führte; weitere Nummern steuerten etwa →Rudolph Bolo Maeglin, →Hans Weigel (unter dem Pseudonym Hermann Kind) und →Kurd E. Heyne bei. Neben Rasser gehörten zum zirka sechsköpfigen Ensemble unter anderen →Edith Carola, Olga Gebhardt, Harro Lang, Susi Lehmann, Simone Petitpierre, →Lee Ruckstuhl, Michel Simon fils (→François Simon), Beatrice Stoll und →Ruedi Walter. Die Kompositionen besorgten unter anderen →Tibor Kasics, →Hans Haug, →Werner Kruse sowie →Walter Baumgartner, der auch als Klavierbegleiter wirkte. Bühnenbildner waren →Max Sulzbachner und →Fritz Butz. Nach den ersten fünf Nummernprogrammen folgte – mit einem erweiterten Ensemble – 1945 "HD-Soldat Läppli", Rassers Bearbeitung von Jaroslav Hašeks "Die Abenteur des braven Soldaten Schwejk", in der Rasser die Figur des naiven, warmherzigen Theophil Läppli, die er bereits früher erfunden, verkörpert und in mehreren Nummern des C. weiterentwickelt hatte, zum Hilfsdienst-Soldaten machte und erstmals ins Zentrum eines Stücks stellte. "Dieser leicht debile Soldat mit dem Mutterwitz, der Einfalt des Herzens, der unbestechlichen Freundestreue und dem unerschütterlichen Glauben an den Sieg der Wahrheit" (Programmheft) setzte durch seine Wesensart den Militarismus dem Spott aus. Läppli, der "vom Willen beseelt, das Gute zu tun, das Verkehrte anstellt", wurde zum Markenzeichen Rassers und zu einer der berühmtesten und populärsten Kabarettfiguren der Schweiz. Die Produktion "HD-Soldat Läppli", mit der sich Rasser und das C. zugleich vom politischen Kabarett entfernten und stärker dem Volkstheater zuwandten, entwickelte sich zu einem enormen Publikumserfolg. Allein in Basel besuchten innert weniger Wochen 30’000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Aufführungen im →Küchlin-Theater, Basel BS, bis 1970 spielte Rasser das Stück auf mehreren Tourneen insgesamt über tausend Mal. 1947 zeigte das C. mit seinem Kernensemble ein neues Nummernprogramm: "Harti Nüss und weichi Bire". Später folgten – zwar noch unter dem Namen C., aber mit wechselnden Beteiligten – weitere Produktionen: 1947 der Schwank "Demokrat Läppli", 1950 die Schweizer Erstaufführung von Mary Chases Komödie "Mein Freund Harvey" (Regie: Vaucher) und 1955 das Kabarettprogramm "I bi wieder do!". Weitere Läppli-Stücke, wie "Weltbürger Läppli" (1949), "Millionär Läppli" (1958) und "Zivilverteidiger Läppli" (1969), sowie andere Produktionen spielten Rasser und sein Ensemble nicht mehr unter dem ursprünglichen Namen. 1987 liess →Roland Rasser, der älteste Sohn von Alfred Rasser, das C. neu aufleben: Bei "Service compris" (Regie: →Rolf Lansky), dem Programm zur Einweihung des Neuen Tabourettli im Theater →Fauteuil, Basel BS wirkten Bernhard Baumgartner, Colette Greder, →Dominique Lendi, →Arth Paul und Roland Rasser mit. Die Texte stammten von Bernhard Baumgartner, Hanspi Rittman, Hanns Dieter Hüsch, Georg Kreisler, Vreni Schmidlin, Germain Muller und →Franz Hohler. 1990 präsentierte ein verjüngtes C.-Ensemble mit Lendi, Kathrin Wilden, Franziska von Arb und Serge de la Rey das Programm "Pane – Panik – Panoptikum" (Regie: Lansky).

Literatur

  • Rueb, Franz: Alfred Rasser, 1975.


Autoren: Hans-Ueli von Allmen/Stefan Koslowski



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Von Allmen, Hans-Ueli/Koslowski, Stefan: Cabaret Kaktus, Basel BS, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 319–320.