Lorenz Keiser

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* 20.10.1959 Zürich. Sohn des Kabarettistenpaars →César K. und →Margrit Läubli.

Erste Theatererfahrungen 1972 in der Rolle des jungen Andrea Sarti in →Bertolt Brechts "Leben des Galilei" am →Schauspielhaus Zürich. Zunächst Ausbildung und 1981–82 Tätigkeit als Primarlehrer im zürcherischen Ossingen. 1983 Beginn eines Studiums (Geschichte und Italienisch) an der Universität Zürich; daneben schrieb K. Kolumnen, Satiren und Kurzgeschichten für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften in der Schweiz und in Deutschland, unter anderem für die humoristisch-satirische Schweizer Zeitschrift "Nebelspalter". Ausserdem 1984 Regiehospitanz bei →Werner Düggelin am Schauspielhaus Zürich. Im selben Jahr Abbruch des Studiums und Beginn der Tätigkeit für Schweizer Radio DRS. Bis 1988 arbeitete K. dort als Redaktor und Texter für verschiedene Sendungen. Er schrieb vor allem kabarettistische Dialoge, zum Beispiel während vier Jahren für die wöchentliche Satiresendung "Zweierleier" mit →Walter Andreas Müller und →Birgit Steinegger. 1989 Durchbruch als Kabarettist mit dem ersten Programm "Zug verpasst – Eine satirische Irrfahrt durchs Dickicht der Zeit" (Uraufführung im Burgbachkeller Zug, Regie: →Buddy Elias). Mit diesem von 3sat ausgestrahlten Sittengemälde der links-alternativen Szene gab K. rund hundert Vorstellungen in der Schweiz, in Österreich und Deutschland. Sein zweites Programm "Der Erreger – Eine Schleuderfahrt ins politische Unterholz", in dem er die Schweizer Politlandschaft zum zentralen Thema machte und (wie auch in den späteren Programmen) aktuelle Ereignisse aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verarbeitete, wurde 1992 ebenfalls im Burgbachkeller Zug uraufgeführt (Regie: Elias) und anschliessend bis 1993 über 200 Mal in der Schweiz gezeigt. Es trug K. ausserdem einen Rechtsstreit mit dem damaligen Nationalrat und Präsidenten der Schweizerischen Volksbank Gianfranco Cotti ein, der erst 1996 mit einem Vergleich eingestellt wurde. K.s erste beiden Programme, mit denen er sich als einer der bedeutendsten Schweizer Kabarettisten etablierte, erschienen 1992 auch in Buchform. Es folgten die Programme "Aquaplaning – Eine Spritzfahrt durch die Pfützen des freien Markts" (1996–97), "Schär Holder & Meierhofer – Eine Geisterfahrt auf dem Börsenkarussell" (2000–02) und "Konkurs – Eine rasante Lustfahrt in Teufels Küche" (2003–05, Regie jeweils: César K./Läubli), welche alle – basierend auf ausgiebigen Recherchen – die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen in einer globalisierten Welt zum Gegenstand hatten. Sie wurden im →Theater Casino Zug uraufgeführt und danach auf ausgedehnten Gastspieltourneen in der Schweiz gezeigt sowie auf CD eingespielt und zum Teil vom Schweizer Fernsehen DRS ausgestrahlt. Charakteristisch für K.s Programme ist neben dem politischen, aktualitätsbezogenen und textorientierten Zugang die vom deutschen Kabarettisten Richard Rogler inspirierte, fortlaufende Erzählform, mit der sich K. vom traditionellen Nummernkabarett abhebt: Seine Programme sind dramaturgisch virtuos gebaute, in sich geschlossene und mit grosser sprachlicher und textlicher Raffinesse gestaltete Solostücke mit mehreren, ineinander geflochtenen Erzählsträngen und ‑motiven, einer überraschenden Schlusspointe sowie verschiedenen, von K. im rasanten Wechsel umrissenen, aber selten ausgespielten Figuren. Neben seinen Soloprogrammen verfasste K. mehrere Texte für César K./Läublis Programme "Opus 12" (1986), "Opus 13" (1989), "Opus 2000: Achtung Schnappschüsse!"(1992) und "Frisch geliftet!"(2002) sowie die Komödie "Wer zuletzt stirbt …", die mit César K. und →Heinz Bühlmann in den Hauptrollen unter Elias’ Regie am 21.2.1995 im Theater Casino Zug uraufgeführt und anschliessend auf Gastspieltournee in der Schweiz gezeigt wurde. K. war ausserdem 1989–93 zusammen mit seinem Vater Texter und Darsteller der Satiresendung "Übrigens" des Schweizer Fernsehens DRS. Seit 1998 schreibt er regelmässig satirische Kolumnen über Politik und Gesellschaft im Zürcher "Tages-Anzeiger", von denen 2001 eine Auswahl im Band "Schlagseite. Pressekolumnen eines Satirikers" erschien. Weitere satirische Geschichten und Kolumnen veröffentlichte K. 2004 unter dem Titel "Mindestens haltbar bis siehe Tubenfalz".

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1989 Salzburger Stier,
  • 1994 Oltner Tanne und 2001 Cornichon-Preis der Oltner Cabaret-Tage,
  • 2003 Prix Walo in der Sparte Kabarett/Comedy.


Autor: Tanja Stenzl



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Stenzl, Tanja: Lorenz Keiser, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 973–975.

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