Theater am Käfigturm, Bern BE

Aus Theaterlexikon
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Privattheater, Gastspielbetrieb

1966/67 richtete die Karl-Schenk-Haus AG Bern im dritten Untergeschoss ihrer Liegenschaft an der Spitalgasse 4 das T. ein, um der Stadt zu einer Gastspielbühne für Kleinkunstproduktionen (Kabarett-, Pantomime‑, Tanz- und Chansonprogramme), aber auch für Musicals und Schauspielaufführungen sowie Jazz- und Kammermusikabende zu verhelfen. Sie vermietet das T. an den jeweiligen Leiter, der gleichzeitig als dessen Rechtsträger zeichnet. Am 15.9.1967 wurde das T. mit einem Gastspiel von →Dimitri unter der künstlerischen Leitung von →Hugo Ramseyer (Mitglied des Cabarets Schifertafele) und der kaufmännischen Leitung von Martin Lehmann offiziell eröffnet. In der ersten Spielzeit wurden entsprechend dem Betriebskonzept vor allem Kabarett-, Musical- und Pantomimeprogramme sowie Komödien gezeigt; ausserdem realisierte das T. zusammen mit dem →Kleintheater Kramgasse 6 eine Koproduktion. Bereits nach fünf Monaten zeichnete sich ein Defizit ab, und die Karl-Schenk-Haus AG übernahm als Besitzerin vorübergehend den Betrieb, so dass Ramseyer als Träger entlastet wurde. Als neuen Leiter gewann sie ab 1968/69 →Bernhard Stirnemann, der gleichzeitig das →Galerietheater Die Rampe führte. Er verzichtete zu Gunsten von mehr Lustspielproduktionen und von Chansonsprogrammen auf die Musicals, während die Kabarett- und Pantomimeabende wichtige Programmpfeiler blieben. Ausserdem realisierte er eine Eigenproduktion, und das →Stadttheater Bern zeigte im T. bemerkenswerte Studioproduktionen. Stirnemanns Konzept, durch publikumswirksame Gastspiele im T. das Galerietheater Die Rampe zu sanieren, ging nicht auf. Nur dank eines Darlehens der Stadt konnte er 1970 ein drohendes Konkursverfahren abwenden und seinen Vertrag mit der Karl-Schenk-Haus AG vorzeitig auflösen. 1970–72 übernahm Heinz Zimmermann die Leitung und knüpfte in der Programmation der Gastspiele an seine Vorgänger an. Ausserdem baute er ein kleines Ensemble auf, realisierte mehrere Eigenproduktionen (vor allem Boulevardstücke, aber auch Werke zeitgenössischer Schweizer Autoren wie →Manfred Schwarz, →Peter Bürki; Regisseure: unter anderen →Edwin Fabian, Wilhelm Oehlmann). 1972 übernahm Franziska Geissler (Tochter des Mehrheitsaktionärs der Karl-Schenk-Haus AG und des Präsidenten des Verwaltungsrats des T. Paul Geissler) gemeinsam mit Fritz Hauser (Orchestermusiker der Camerata Bern) die Leitung. Sie richteten das T. als Arenabühne ein und setzten neben der gewohnten Programmation in Zusammenarbeit mit →Alain Bernard einen neuen Schwerpunkt in der Sparte Tanz (unter anderem Ballettabende der →Basler Theater). Ausserdem begann 1972 eine vierjährige Kooperation des T. mit dem Kleintheater Kramgasse 6 (Leitung: Thomas Nyffeler), das bis 1976 pro Spielzeit eine Produktion im T. zeigte. Als Anfang 1974 die Schliessung auf Ende der Spielzeit drohte, entschloss sich die Karl-Schenk-Haus AG, das T. künftig nicht mehr an einen Theaterleiter, sondern direkt an die einzelnen Veranstalter zu vermieten, die das finanzielle Risiko somit selbst zu tragen hatten. Die Administration übernahm Martin Schläppi, zunächst gemeinsam mit Paul Geissler. Im T. gastierten nun vor allem Schauspielproduktionen (unter anderem des Schweizer Tourneetheaters Basel), daneben traten Berner Gruppen (in der Regel Amateurtheater) auf. 1979 fand sich mit Roland Morgenegg wieder ein Leiter und Mieter, der die finanzielle Verantwortung übernahm; zu diesem Zweck gründete er 1979 die "Einfache Gesellschaft Theater am Käfigturm", der nebst ihm zwei weitere Gesellschafter angehörten und die zunächst als Trägerin des T. fungierte. Die Spielzeit 1979/80 wurde noch in der Programmation von Schläppi und in Zusammenarbeit mit diesem durchgeführt. Seit 1980/81 ist Morgenegg für den Spielplan verantwortlich, der seitdem vor allem unterhaltsame Produktionen (Boulevardkomödien, Kleinkunstprogramme, Dialekt- und Amateurtheater) bietet. 1979–83 und 1991–93 gastierte ausserdem das Stadttheater Bern im T. (Komödien, musikalische Schauspiel- und Ballettproduktionen, Kindertheater). Seit den neunziger Jahren gastieren vermehrt Amateurgruppen aus Bern und der Region im T., das nach wie vor nicht subventioniert wird. Verbandsmitglied: →KTV.

Spielstätte

Spitalgasse 4, 3011 Bern. Mitte der zwanziger Jahre Bau des Karl-Schenk-Hauses (Architekt: Franz Trachsel). 1966/67 Einbau eines Theaters im dritten Untergeschoss durch den Architekten Ernst Hauser. Eröffnungsdatum: 15.9.1967. Bühne und Bestuhlung variabel: als Guckkastenbühne, Laufsteg oder quadratische Arenabühne (Bestuhlung an drei Seiten der Bühne). Platzkapazität: rund 280–330 Plätze. Guckkastenbühne: 8 m breit, 6,5 m hoch, 5,1 m tief; Portal: 6–8 m breit (verstellbar), 3,1 m hoch; Vorbühne: 1,6 m x 8 m; Seitenbühnen links und rechts.



Autor: Thomas Keller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Keller, Thomas: Theater am Käfigturm, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1839–1840.