Walter Oberer

Aus Theaterlexikon
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* 18.6.1911 Basel, † 28.1.2001 Bern. ∞ II. →Elsbeth Gmür, Schauspielerin. Vater des Regisseurs →Michael O.

Ausbildung zum Kaufmann, 1932–46 im Staatsdienst, ab 1943 nebenberuflich als Theaterkritiker tätig. Künstlerische Ausbildung am →Konservatorium Basel und an der Gewerbeschule Basel. 1946–48 Sekretär der Verwaltung des →Stadttheaters Basel. 1948–57 künstlerischer Mitarbeiter, Dramaturg und ab 1952 auch Leiter der kaufmännischen Direktion des →Schauspielhauses Zürich (Direktor: →Oskar Wälterlin). 1957–60 Direktor des →Stadttheaters Luzern (Inszenierungen von Schillers "Don Carlos", Verdis "La Traviata", Mozarts "Don Giovanni", Calderóns "Das Leben ein Traum", Strindbergs "Nach Damaskus", Haydns "Orpheus und Eurydike", Schillers "Maria Stuart", Byrons "Kain"). 1960–79 leitete und prägte er das →Stadttheater Bern. O. machte sich einen Namen als Entdecker und Regisseur von (in der Schweiz) bislang unbekannten Opernwerken des 17. und 18. Jahrhunderts. Er inszenierte in Bern vierzehn Schauspiele (unter anderem 1960 Shakespeares "Hamlet", 1965 Calderóns "Das Leben ein Traum" und Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?", 1967 Schillers "Maria Stuart", 1969 García Lorcas "Bernarda Albas Haus") und führte bei rund fünfzig Opern Regie (unter anderem 1960 →Heinrich Sutermeisters "Die schwarze Spinne", 1961 Mozarts "Ascanio in Alba", 1962 Glucks "Orpheus und Eurydike" und Rossinis "Die Liebesprobe", 1963 die Uraufführung der szenischen Fassung von Mozarts Kantate "La Betulia liberata", 1964 Händels "Jephta", 1965 Monteverdis "L’incoronazione di Poppea", 1966 Werner Egks "Peer Gynt", 1967 Purcells "Die Feenkönigin", 1968 Haydns "Armida" und Cherubinis "Medea", 1970 Mozarts "Titus", 1971 Händels "Belsazar", 1972 Glucks "Iphigenie auf Tauris", 1973 Rossinis "Mit List zum Ziele", 1974 Wolfgang Fortners "Bluthochzeit", 1975 Johannes Simon Mayrs "Medea in Korinth", 1976 Mozarts "Die Entführung aus dem Serail", 1976 Poulencs "Die Letzte am Schafott", 1977 Purcells "König Arthur" und Händels "Alcina", 1979 Jan Cikkers "Die Auferstehung"). Nach drei Jahren Bühnenabstinenz inszenierte er am →Atelier-Theater Bern 1982 Lazare Kobrynskis Dramatisierung der Tschechow-Novelle "Die Dame mit dem Hündchen" und 1986 Albees "Empfindliches Gleichgewicht". Neben seiner Regietätigkeit war O. als Maler und Schriftsteller tätig. Er schrieb Theaterstücke ("Traviata 90. Epilog einer Ehe in drei Szenen", Uraufführung am 14.9.1990 am →Städtebundtheater Biel-Solothurn, Regie: →Peter-Andreas Bojack; "Vielleicht kommt Max", Uraufführung am 14.3.1992 im →Theater Heddy Maria Wettstein Zürich, Regie: →Frederik Ribell), den Roman "Die Pensionierung" (1990), über vierzig Hörspiele sowie Essays zu Fragen des Theaters. 1979 veröffentlichte er "Reden und Aufsätze", 2001 erschienen postum seine Lebenserinnerungen "Vorhang zu! Erinnerungen eines alten Mannes, der einst mit dabei war". 1962–81 war O. im Vorstand der →SGTK tätig.

Auszeichnungen

  • 1957 Schleussner-Schüller-Preis des Hessischen Rundfunks für das Hörspiel "Der Feind des Präsidenten",
  • 1966 grosses Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich,
  • 1971 Ehrendoktortitel der Universität Bern,
  • 1974 Smetana-Medaille der Tschechoslowakei,
  • 1976 Verdi-Medaille der Stadt Parma,
  • Ehrenmitglied des →SBV.

Literatur

  • 1960–1970 Stadttheater Bern. Direktion W. O., 1971.
  • Hoffmann, Christian (Hg.): Fixpunkte. W. O. zum 85. Geburtstag, 1996.


Autor: Mats Staub



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Staub, Mats: Walter Oberer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1336–1337, mit Abbildung auf S. 1337.

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