Basler Marionettentheater, Basel BS

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Figurentheater mit Ensemble und eigener Spielstätte, Eigenproduktionen, gelegentlich Gastspiele

1943 gründete →Richard Koelner zusammen mit seiner Frau Käthi Schellenberg das B., das er bis 1983 allein führte, anschliessend übernahm Wolfgang Burn die künstlerische Leitung, 1996–2002 war Marianne Marx Koleiterin des Betriebs. Das Ensemble besteht aus rund 25 Personen, die diese Tätigkeit nebenberuflich ausüben. Zwischen fünf und fünfzehn Ensemblemitglieder können an einem Stück beschäftigt sein. Die erste Inszenierung des B. wurde am 27.3.1944 in der Basler Kunsthalle gezeigt: "Faust", das alte Puppenspiel nach Karl Simrock. Es folgten bis in die fünfziger Jahre ausschliesslich Schauspiele und Opern für Erwachsene, beispielsweise 1946 Händels «Il pa­stor fido», 1948 Mozarts "Bastien und Bastienne" (Figuren und Kostüme: Faustina Iselin), 1949 "Turandot – Prinzessin von China" nach Gozzi und Schiller (Regie: →Milena von Eckardt), 1951 Paul Koelners "D’Mondladärne" nach Ludwig Schuster (Regie: Otto Lehmann), 1952 Tschechows "Ein Heiratsantrag" und 1956 Mozarts "Zaide" (Regie: →Beatrix Schwabe). Erst später kamen Märchen und baseldeutsche Inszenierungen für Kinder hinzu, beispielsweise 1956 "Rumpelstilzli" in der Bühnenfassung von Anna Keller nach den Brüdern Grimm. Weitere Inszenierungen waren unter anderem 1968 →Gustav Gysins baseldeutsches Musical "Dr Krokophant" (Regie: Gysin) und Gysin/Richard Koelners baseldeutsches "Kalif Storgg" nach Wilhelm Hauff, 1970 Jewgenij Schwarz’ "Der Drache", 1973 Tschechows "Der Bär", 1974 Pai­siellos "Il barbiere di Siviglia", 1977 →Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" (Regie: →Christian Schuppli), 1980 →Friedrich Dürrenmatts "Romulus der Grosse" (Regie: Markus Koelbing), 1987 Horváths "Himmelwärts", 1989 Calderóns "Das grosse Welttheater" (Regie: Burn), 1992 "Der fliegend Deppig" nach Gert Richter, 1994 Shakespeares "Der Sturm", 1997 "Zwerg Nase" nach Hauff (Regie, Figuren und Bühnenbild: Burn, Marx und Schuppli), 2000 →Bertolt Brecht/Weills "Die Dreigroschenoper". Im B. wurden und werden jährlich auch Gastspielinszenierungen aus dem Ausland und der Schweiz gezeigt. 1947 gründete Richard Koelner den Verein "Gesellschaft Basler Marionetten-Theater", der seit 1956 als Rechtsträger amtet. Bis dahin waren Leitung und Ensemble Träger des Theaters. Die Mitgliederbeiträge der Gesellschaft bildeten seit den Anfängen einen wesentlichen Teil der Betriebsbasis, ab Mitte der fünfziger Jahre ergänzt durch die finanziellen Zuwendungen unter anderem der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel sowie der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Ab 1980 erhielt das B. eine regelmässige Subvention des Kantons Basel-Stadt, die Mitte der neunziger Jahre gestrichen wurde. Daraufhin wurde 1997 die Stiftung B. gegründet, die dank zahlreicher Spenderinnen und Spender, unter anderem der Jubiläumsstiftung der Basellandschaftlichen Kantonalbank, den Theaterbetrieb garantiert; präsidiert wird sie von Dieter Koelner. Das B. spielte anfänglich im Unionssaal in der Kunsthalle Basel (120 Plätze) und dann im doppelt so grossen Albansaal in der St.-Alban-Vorstadt. 1956 bezog das Theater ein Kellergewölbe am Münsterplatz, den ehemaligen Zehntenkeller des Domkapitels, der in den Jahren 1955/56 restauriert und zum Theaterraum umgebaut wurde. Das B. ist seither das einzige feste Figurentheater der Region Basel mit eigener Spielstätte. Verbandsmitgliedschaft: →UNIMA Suisse, →KTV, →ASTEJ.

Spielstätte

Münsterplatz 8, 4051 Basel. Bühnenraum: Vorbühne und Guckkastenbühne, mit variablen Bühnenmassen: 5 m breit, 4 m tief. Portal: 4 m breit, 2,6 m hoch. Bei der Bühne handelt es sich um eine Marionettenbühne für Fadenmarionetten. Platzkapazität: 136 Plätze.

Literatur

  • B., herausgegeben von der Gesellschaft des B., 1981.
  • B. Das Figurentheater am Münsterplatz, herausgegeben von der Stiftung B., 2003.


Autorin: Elke Krafka



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Krafka, Elke: Basler Marionettentheater, Basel BS, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 126-127.