Erich Holliger

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche
  • 2.5.1936 Langenthal BE. Bruder des Komponisten →Heinz H.

Studium der Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaft an den Universitäten Bern, Heidelberg und Zürich, Schauspielschule am →Konservatorium für Musik in Bern, dort 1958 Diplom. Bereits während des Studiums erste Erfahrungen als Schauspieler im Studententheater und an diversen Berner Kellerbühnen, Regieassistenzen am →Schauspielhaus Zürich bei →Oskar Wälterlin, →Leopold Lindtberg und →Leonard Steckel. 1958–61 Dramaturg, Regisseur und Schauspieler an den Städtischen Bühnen Heidelberg, 1961–63 Regisseur am →Stadttheater Basel (Sophokles/Hölderlins "König Oedipus", →Max Frischs "Andorra", O’Neills "Trauer muss Elektra tragen", Aischlyos/Brauns "Die Perser"), 1963/64 an den Wuppertaler Bühnen, 1964–66 Regisseur an den Städtischen Bühnen Münster (Billetdoux’ "Wie geht’s der Welt, Môssieu?"). Daneben Inszenierungen am →Städtebundtheater Biel-Solothurn (1960 →Paul Burkhards "Der schwarze Hecht"), am Nationaltheater Mannheim (1962 Frischs "Andorra"), an den Vereinigten Bühnen Graz (1962 →Friedrich Dürrenmatts "Die Ehe des Herrn Mississippi"), an der →Komödie Basel, am →Atelier-Theater Bern, am →Stadttheater Bern (1966 Giraudoux’ "Der Trojanische Krieg findet nicht statt"). Ab 1968 unter der Direktion von →Werner Düggelin Regisseur und Mitglied der Dramaturgie an den →Basler Theatern (1969 Uraufführung von Dürrenmatts "Play Strindberg", Regie: H. zusammen mit Dürrenmatt; 1969 Schweizer Erstaufführung von Scarlattis "Tigrane"; 1970 Uraufführung von Heinz H.s "Der magische Tänzer"; 1975 Uraufführung von →Klaus Hubers "Im Paradies oder Der Alte vom Berge"; 1978 Hacks’ "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe"; 1980 Pinters "Betrogen"; 1982 Uraufführung von Ingomar Grünauers "Die Schöpfungsgeschichte des Adolf Wölfli"). Wesentliche Akzente setzte H. ab 1970 mit der seit 1968 bestehenden Reihe der "Montagabende" (in der Komödie der Basler Theater), in welcher er die musikalische Avantgarde präsentierte (neben anderen →Jürg Wyttenbach, Cathy Berberian, John Cage, Mauricio Kagel und eine Performance von Joseph Beuys) und in eigenen Produktionen verdrängte Aspekte der Schweizer Geschichte auf die Bühne brachte: 1970 "Dienstverweigerung", 1971 "Der Generalstreik", 1972 "Der Nicole-Prozess" und "Der Friedenskongress im Basler Münster", 1973 "Frontenfrühling". 1978–88 war H. (nun unter der Direktion von →Horst Statkus) Leiter der "Theaterwerkstatt kleine Bühne" an den Basler Theatern. Zusammen mit →Helmut Berger und Ingrid Hammer begann H. im Rahmen der Montagabende und der Theaterwerkstatt kleine Bühne Jugendtheater zu produzieren. Im Frühling 1977 wurde mit "Do flippsch uss" die erste Arbeit vorgestellt, der zahlreiche weitere folgten. Zu politischem Wirbel führte 1981 "Packeis – Szenen aus Zürich": dreizehn Sketches, Songs, Dialoge, Dokumentar- und Strassentheaterszenen, geschrieben und realisiert von Beteiligten der Zürcher Jugendbewegung. Aus diesen Bemühungen um die Sparte Jugendtheater entstand schliesslich das →Basler Jugendtheater. An der Hamburgischen Staatsoper inszenierte H. 1978 die Uraufführung von Heinz H.s Kurzoper "Come and Go", deren Schweizer Erstaufführung ebenfalls H. 1980 an den Basler Theatern in Szene setzte. 1972–92 war H. Lehrer an der Schule für Gestaltung Basel, seit 1978 Leiter der Basler Volkssinfoniekonzerte und seit 1998 auch der Coop-Sinfoniekonzerte. 1979–2001 war er Lehrer für Rollenanalyse und -gestaltung an der →Musik-Akademie der Stadt Basel, 1983–2001 auch am Konservatorium Winterthur/an der Musikhochschule Winterthur-Zürich. 1990–2001 war H. Verantwortlicher für kulturelle und soziokulturelle Projekte der Christoph Merian-Stiftung Basel.



Autor: Alfred Ziltener



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Ziltener, Alfred: Erich Holliger, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 862–863.