Leonard Steckel

Aus Theaterlexikon
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* 8.1.1901 Knihinin (heute: H), † 9.2.1971 bei Aitrang (D). ∞ I. Elfriede Alice Kuhr (→Jo Mihaly), Tänzerin und Schriftstellerin, ∞ II. Hermi Mertens, Leiterin einer Pressefotoagentur, später Mitarbeiterin ihres Mannes. Vater der Schauspielerin Anja S. (verheiratete Ott, Pseudonym: Anja Golz).

Nach dem Abitur kurze private Schauspielausbildung bei Charlotte Bildt in Berlin. Deren Mann, Paul Bildt, engagierte S. 1920 direkt an das von ihm geleitete Neue Volkstheater Berlin. In der Folge wirkte er als Schauspieler an verschiedenen Berliner Bühnen: bis 1923 am Neuen Volkstheater, 1923/24 im Ensemble Die Truppe im Lustspielhaus, 1924 auch an der Volksbühne, 1924/25 an den Staatstheatern unter Leopold Jeßner, 1925/26 am Deutschen Theater unter Max Reinhardt, 1926/27 an der Volksbühne unter der Oberspielleitung Erwin Piscators, 1927/28 am Theater am Nollendorfplatz (Piscatorbühne), dort auch erste Regiearbeit (Uraufführung von Franz Jungs "Heimweh" im Studio), 1928/29 am Theater am Schiffbauerdamm, daneben Rollen am Deutschen Theater und an der Komödie, und 1929–33 erneut an der Volksbühne. In diesen Jahren Zusammenarbeit unter anderem mit den Regisseuren Erich Engel, Jürgen Fehling, →Heinz Hilpert, Karl Heinz Martin, Piscator und →Berthold Viertel. 1933 Gastspieltournee mit Millöckers Operette "Die Dubarry" in Skandinavien. Im Juli 1933 Emigration nach Zürich. Dort wirkte S. bis 1952 am →Schauspielhaus Zürich, anfänglich vor allem als Schauspieler, ab 1939 grösstenteils als Regisseur von rund 130 Inszenierungen, daneben Gastinszenierungen am →Stadttheater Basel. S. spielte in Zürich rund 120 Rollen, zum Beispiel 1933 Argan in Molières "Der eingebildete Kranke" (Regie: →Leopold Lindtberg), 1934 Rappelkopf in Raimunds "Alpenkönig und Menschenfeind" (Regie: →Gustav Hartung), 1935 Valerio in Büchners "Leonce und Lena" (Regie: →Eugen Schulz-Breiden), Miller in Schillers "Kabale und Liebe", die Titelrolle in Shakespeares "Othello" und Puck in dessen "Sommernachtstraum", 1936 den ersten Totengräber in dessen "Hamlet", 1938 Walpole in Shaws "Der Arzt am Scheideweg" (Regie jeweils: Lindtberg) und Tersites in Shakespeares "Troilus und Cressida" (Regie: →Oskar Wälterlin), 1940 König Heinrich VIII. in Max Christian Feilers "König Heinrich VIII. und seine sechste Frau" (Regie: Max Ophüls), 1941 König Philipp II. in Schillers "Don Carlos" (Regie: Wälterlin), 1943 die Titelrolle in der Uraufführung von →Bertolt Brechts "Galileo Galilei" (Regie: S.) und 1948 Puntila in der Uraufführung von dessen "Herr Puntila und sein Knecht" (Regie: Brecht/→Kurt Hirschfeld) sowie 1950 Willy Loman in Millers "Der Tod des Handlungsreisenden". S. inszenierte am Schauspielhaus Zürich unter anderem die Uraufführungen von →Cäsar von Arx’ "Der kleine Sündenfall" (1938) und "Brüder in Christo" (1947), →Rudolph Bolo Maeglin/→Hans Haugs "Gilberte de Courgenay" (1939, Koregie →Richard Schweizer), Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" (1943), Bruckners "Die Befreiten" (1945), →Max Frischs "Die chinesische Mauer" (1946) und "Graf Öderland" (1951), die deutschsprachigen Erstaufführungen von Giraudoux’ "Sodom und Gomorrha" (1944) und "Die Irre von Chaillot" (1946) sowie Sartres "Die Fliegen" (1944). Er führte zudem Regie bei mehr als einem Dutzend Shakespeare-Stücken (1941 "König Heinrich IV.", 1942 "Der Sturm" und "Wie es euch gefällt", 1944 "Mass für Mass" und 1946 "Macbeth"), bei mehreren Dramen von Hauptmann (unter anderem 1938 "Hanneles Himmelfahrt", 1940 "Die Ratten", 1942 "Die Weber", 1948 "Vor Sonnenaufgang"), Strindberg, Goldoni (1941 "Das Kaffeehaus", 1942 "Der Diener zweier Herren") sowie 1949 bei Goethes "Faust I" und "Faust II". Nach 1952 arbeitete S. als Gastregisseur vor allem in Berlin, Hamburg, München, Tel Aviv und Wien. In Zürich inszenierte er unter anderem die Uraufführungen von Max Brod/Kafkas "Amerika" (1957) und →Friedrich Dürrenmatts "Herkules und der Stall des Augias" (1963) und spielte 1966 in der Uraufführung von dessen "Meteor" (Regie: Lindtberg) den Schwitter, die Rolle, die Dürrenmatt für ihn geschrieben hatte. 1958/59 Direktor des Theaters am Kurfürstendamm in Berlin (mit Hermann Ludwig). 1960 spielte er Big Daddy in Hermann Kutschers Inszenierung von Williams’ "Die Katze auf dem heissen Blechdach" am Theater in der Josefstadt Wien, 1962 Einstein in Dürrenmatts "Die Physiker" am Schloßpark-Theater Steglitz Berlin (Regie: →Hans Lietzau), 1964 Mammon in Hofmannsthals "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen (Regie: Hans Thimig), 1968 Gregory Salomon in Millers "Der Preis" am Thalia-Theater Hamburg und auf Tournee. Film-, Fernseh- und Rundfunkarbeiten. Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. S. starb bei einem Eisenbahnunglück in Bayern.

Literatur

  • Rueb, Franz: L. S. Schauspieler und Regisseur, 1998.

Nachlass

  • Archiv der Akademie der Künste, Berlin.


Autorinnen: Anna Beck/Simone Gojan



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Beck, Anna/Gojan, Simone: Leonard Steckel, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1737–1738, mit Abbildung auf S. 1737.

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