Theater am Hechtplatz, Zürich ZH

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Kleinkunstbühne, Gastspielbetrieb mit einzelnen Eigen- und Koproduktionen

Um dem Schweizer Kabarett eine feste Aufführungsstätte zu geben, wurde 1958 auf Initiative von Dionys Gurny, Sekretär des damaligen Stadtpräsidenten Emil Landolt, die östliche der zwei ehemaligen Verkaufsbuden am Hechtplatz, welche als Feuerwehrdepot genutzt wurde, zum Theater umgebaut und am 25.4.1959 mit dem Programm "Eusi chliini Stadt" des →Cabarets Federal eröffnet. Die Stadt verpachtete das T. an →Otto Weissert, Leiter des Cabarets Federal, mit der Auflage, es zu Selbstkosten zeitweise dem →Schauspielhaus Zürich als Zweitbühne zu überlassen. Nach dem Rückzug des Schauspielhauses aus finanziellen Gründen, der Auflösung des Cabarets Federal und der Berufung Weisserts zum kaufmännischen Direktor des Schauspielhauses wurde der Betrieb des T. 1961 von der Verwaltungsabteilung des Stadtpräsidenten (heute: Präsidialdepartement) übernommen. Unter der Leitung von Gurny (1961–63, 1967–71), Felix Rogner (1963–67), Rudolf Sauser (1971–74), →Nicolas Baerlocher (1974–2002) und →Dominik Flaschka (seit 2002) etablierte sich das seit 1971 fest von der Stadt Zürich subventionierte T. als eine der wichtigsten Bühnen für Kleinkunst in der Schweiz. In Gastspielen von unterschiedlicher Dauer zeigt es überwiegend inländisches, zu einem kleineren Teil auch ausländisches Kleinkunstschaffen: Kabarett (→Alfred Rasser, →César Keiser/→Margrit Läubli, →Franz Hohler, Georg Kreisler, →Kaspar Fischer, →Joachim Rittmeyer, →Lorenz Keiser), Chanson, Folklore, Pantomime und Clowns (→Dimitri, →Gardi Hutter) sowie Puppentheater. Einen zweiten Programmschwerpunkt bilden – oft als Eigen- oder Koproduktionen – Komödien und Boulevardstücke (häufig von Schweizer Autoren, etwa →Hans Gmür und →Peter Zeindler) mit populären Schweizer Schauspielerinnen und Schauspielern (→Ruedi Walter, →Walter Roderer, →Ines Torelli, →Stephanie Glaser, →Anne-Marie Blanc) sowie Musicals (etwa die erfolgreichen Produktionen von Gmür, →Karl Suter und →Hans Moeckel in den sechziger Jahren). Tradition haben zudem Kindervorstellungen (→Peter W. Loosli, →Zürcher Märchenbühne), literarische Matineen und Jazz-Konzerte. Verbandsmitglied: →KTV.

Spielstätte

Hechtplatz 7, 8001 Zürich. Ehemalige Verkaufsbude, 1835 von Leonhard Zeugherr erbaut. 1958/59 Umbau zum Theater durch Ernst Gisel. Guckkastenbühne, jede Sitzreihe mit eigener Seitentür zum Foyer. Platzkapazität: 225–260 Plätze. Bühne: 7 m breit, 4,8 m hoch, 3,6 m tief (mit Vorbühnen 4,8 m beziehungsweise 5,8 m). Portal: 6 m breit, 2,9 m hoch. 1987 Aussenrenovation und Umbau des Foyers (Architekt: Martin Spühler). Seit 1981 unter Denkmalschutz.

Archiv

  • Stadtarchiv Zürich (Verwaltungsakten, Veranstalterpublikationen).


Autorin: Tanja Stenzl



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Stenzl, Tanja: Theater am Hechtplatz, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1838–1839.

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