Marietta Eggmann

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

* 28.7.1941 Bern.

Besuch der Kunstgewerbeschule Bern und der Bühnenbildklasse der Münchner Kunstakademie. In Bern gehörte E. als freischaffende Malerin zum Kreis um Harald Szeemann, →Claus Bremer und Armand Gatti. Erste Ausstattungen 1965 am →Galerietheater Die Rampe Bern, dort bis 1970 einige weitere Arbeiten. 1966 stattete sie am →Städtebundtheater Biel-Solothurn Oscar Straus’ Operette "Ein Walzertraum" in Pop-Manier aus. E. begann in Wien Theaterwissenschaft zu studieren, ging jedoch 1967 nach Deutschland. 1970 entwarf E. am Nationaltheater Mannheim das Bühnenbild zu Ludwig Harigs "Wir beginnen ein Spiel" (Regie: Bremer), die erfolgreiche Produktion wurde zum Frankfurter Kulturfestival Experimenta eingeladen. Für die Spielzeit 1970/71 engagierte sie →Hanspeter Blumer an das Städtebundtheater Biel-Solothurn, 1971/72 war sie am Stadttheater Pforzheim tätig. In den siebziger Jahren folgten Arbeiten am Theater der Stadt Bonn, Stadttheater Hildesheim, Nationaltheater Mannheim, Staatstheater Kassel, an den Städtischen Bühnen Freiburg und an den Wuppertaler Bühnen. Ab 1973 war E. am Theater der freien Hansestadt Bremen tätig, wo ihre Zusammenarbeit mit George Tabori ihren Anfang nahm. Im Bremer Theaterlabor im Concordia entwarf sie unter anderem die Bühnenbilder zu Taboris Inszenierungen von David Rudkins "Vor der Nacht", "Sigmunds Freude" (nach Protokollen des Gestalttherapeuten Friedrich Solomon Perls), "Die Hungerkünstler" nach Kafka, Edward Bonds "Die Schaukel", Taboris "Talk Show" und Shakespeares "Hamlet". Nach der Schliessung des Theaterlabors stattete E. 1978/79 an den Münchner Kammerspielen Taboris Shylock-Projekt "Ich wollte meine Tochter läge tot zu meinen Füssen und hätte die Juwelen in den Ohren" und sein Stück "Mutters Courage" aus. 1979 folgte E.s Regiedebüt mit →Urs Widmers "Nepal" an den Wuppertaler Bühnen. Danach Arbeiten am Schauspielhaus Bochum (Bühnenbild zu →Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder", Regie: Alfred Kirchner), Düsseldorfer Schauspielhaus (Ausstattung von Woody Allens "Spiel’s nochmal, Sam" und Schnitzlers "Reigen", Regie: →Volker Hesse) sowie in Heidelberg, Ulm und Lübeck. 1982 stattete E. Taboris "Medea" für die Rotterdamer Schouwburg aus. 1982–86 am Düsseldorfer Schauspielhaus Ausstattung von Goethes "Iphigenie", Kleists "Amphitryon" und Lessings "Nathan der Weise" (Regie jeweils: Hesse). 1984/85 inszenierte E. Grillparzers "Des Meeres und der Liebe Wellen" am Landesthea­ter Tübingen. Am Hamburger Thalia Theater produzierte E. zusammen mit Jaroslav Chundela Shakespeares "Was ihr wollt". Für Tabori stattete sie 1984 an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz die Uraufführung von István Eörsis "Das Verhör" und 1985 Euripides’ "Die Troerinnen" an den Münchner Kammerspielen aus. 1984/85 ebenfalls Arbeiten am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. 1986–98 war E. am Burgtheater Wien tätig (Bühnenbild der Uraufführungen von Taboris "Mein Kampf", "Weisman und Rotgesicht" und "Die 25. Stunde"). 1987 besorgte sie die Ausstattung von Gaston Salvatores "Stalin" am Theater "Der Kreis" (Regie: Tabori). Ausserdem arbeitete E. mit Hesse am Residenztheater München für Fleißers "Fegefeuer in Ingolstadt" und Dorfmans "Der Tod und das Mädchen". Zur Weltausstellung 1992 in Sevilla sorgte E. gemeinsam mit Tabori und Stanley Walden für die Uraufführung von "Der Grossinquisitor" nach Dostojewskij. 1995 holte sie Katja Paryla ans Deutsche National Theater Weimar, wo E. für Goethes "Iphigenie" und 1996 für Schillers "Die Jungfrau von Orleans" gastierte. 1993–98 unter der Intendanz von →Stephan Müller und Hesse regelmässig Ausstattungen am →Theater Neumarkt in Zürich, unter anderem für Tony Kushners "Angels in America", das Projekt "In Sekten", die Uraufführung von →Thomas Hürlimanns "Carleton", Schnitzlers "Liebelei" und →Jeremias Gotthelf/Widmers "Die schwarze Spinne". E. gilt als Minimalistin, die durch ihre ungewöhnliche Raumfindung zu irritieren vermag, indem sie Vertrautes in ungewohnte Zusammenhänge bringt. Ihre Arbeit zeichnet sich durch kompromisslose Reduktion und strenge Konzentration auf den Darsteller aus.



Autorin: Julia Danielczyk



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Danielczyk, Julia: Marietta Eggmann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 519–520.

Normdaten