Zampanoo’s Variété, Bern BE

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Strassentheatergruppe, 1976–86

Nachdem →Peter Freiburghaus, →Marco Morelli und →Monika Baumgartner 1975 mit der Strassentheaterproduktion "Povero Circo Morelli" in Bern grossen Erfolg hatten, gründeten sie 1976 das Strassentheater Z., das politisches Theater und Unterhaltung verknüpfen sollte. Freiburghaus wirkte zunächst als Leiter, Autor, Regisseur und Schauspieler; ab 1982 bis zur Auflösung der Truppe 1986 war er als Leiter, Autor und Regisseur tätig. Die Gruppe, die aus einem festen Kernensemble und weiteren wechselnden Mitgliedern bestand, benannte sich nach dem Gaukler Zampanò aus Fellinis Film "La strada". Die revuehafte Mischung aus Schauspiel-, Musik-, Gesangs-, Tanz-, Akrobatik-, Clown- und Pantomimenummern prägte den an die Commedia dell’Arte angelehnten Stil der satirisch-unterhaltsamen Produktionen, die von Beginn an Erfolg bei einem grossen Publikum gehabt hatten. Z. trat in den Sommermonaten auf öffentlichen Plätzen in Städten und Dörfern der ganzen Schweiz auf. Die wichtigsten Freilichtproduktionen waren 1976 "Vive l’amour", 1978 "Vive la politique", 1979 "Eine Reise ins Glück" (zu Themen wie Geldwäscherei und Waffenschmuggel), 1981 "La bella cioccolata" und 1983 "Dalton Sisters letzter Ritt". Bald begann Z. auch Inszenierungen für Saalaufführungen zu entwickeln, beispielsweise 1976/77 eine Parodie auf Shakespeares "Romeo und Julia" und Schillers "Wilhelm Tell", 1977/78 das Kinderstück "Vagantepack", 1980/81 "Les Fleurs du mal", inspiriert durch den gleichnamigen Gedichtband von Baudelaire, und 1984/85 "Im Jahr der Ratten", die in den Wintermonaten in Bern im →Theater am Käfigturm und im Kulturlokal "Bierhübeli", im Volkshaus in Basel, im →Casino-Theater in Burgdorf oder im Kaufleuten in Zürich sowie in anderen Kleintheatern und Restaurants gezeigt wurden. Das aus freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern bestehende Ensemble war weit gehend basisdemokratisch organisiert. An den Produktionen waren zunächst etwa fünf, später rund fünfzehn Ensemblemitglieder beteiligt, die oft zugleich in den Bereichen Schauspiel, Musik, Akrobatik, Bühnenbild und Technik tätig waren. Zu Z. gehörten neben den Gründungsmitgliedern unter anderen Leni Anderfuhren, →Viktor Giacobbo, →Charlotte Heinimann, Claudia Brodbeck, Franziska Fahrländer, Peter Panero, Anna und Ursula Stäubli, Hansruedi Ulrich, die Musiker Menk Grossniklaus, Kurt Güdel, Sämi Jungen und Schifer Schafer sowie der Bühnenbildner Max Grüter. Z. finanzierte sich zuerst durch freiwillige Kollekten nach den Vorstellungen im Sommer und durch Eintrittsgelder im Winter; später wurde die Gruppe unter anderem durch die Stadt und den Kanton Bern sowie durch Gönner und Sponsoren unterstützt. 1981–86 betrieb Z. mit dem Action Theatre London die Filmproduktionsgemeinschaft Zampact und produzierte zum Beispiel die Filme "Gefrorene Bilder", "Der blutende Jesus zu Gübels" und "Die Wandlung", in denen Freiburghaus als Koautor und Schauspieler mitwirkte. Z. kam mit seiner Mischung aus Kabarett, Clownerie und politischem Theater eine Vorreiterrolle im Strassentheater der Schweiz zu.



Autorin: Beate Schappach



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Schappach, Beater: Zampanoo’s Variété, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2134.