Emil Oprecht

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* 23.9.1895 Zürich, † 9.10.1952 Zürich. Bruder des Politikers und Verlegers Hans O. ∞ 1919 Emmie Fehlmann, Verlegerin.

Nach der Matura 1915 kaufmännische Ausbildung, 1917 Beginn des Studiums der Ökonomie an der Universität Zürich, 1921 Promotion. Mitglied der sozialdemokratischen Jugendorganisation, trat O. 1921 der neu gegründeten Kommunistischen Partei der Schweiz bei, wechselte 1926 aber wieder zur Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. 1921–25 literarischer Verlagsleiter bei der "Genossenschaft Unionsbuchhandlung und Verlag Zürich". 1925 zusammen mit Conrad Erhard Helbling Gründung des eigenen Verlags und der Buchhandlung Dr. Oprecht & Helbling AG. Hier erschienen vor allem zeitgenössische Romane, Lyrik, literaturhistorische sowie wirtschaftstheoretische Literatur, dazu 1937–40 die von Thomas Mann und →Konrad Falke herausgegebene Exilzeitschrift "Mass und Wert" und nach 1938 die Schriftenreihe des →Schauspielhauses Zürich. 1933 gründete O. zusammen mit seinem Bruder, dem Präsidenten der Büchergilde Gutenberg, die Europa-Verlags-AG. Der Europa Verlag (Lektor 1934–35: →Kurt Hirschfeld) widmete sich "Fragen von allgemeiner europäischer Bedeutung", verlegte aktuelle politische ebenso wie historische und philosophische Werke; die Abteilung Theatervertrieb vertrat Bühnenautoren wie →Jakob Bührer, →Georg Kaiser, →Hans Sahl, Friedrich Wolf, Thornton Wilder, Jean Giraudoux. Beide Verlage publizierten aus einem Geist der "materiellen und geistigen Solidarität mit den Emigranten" unter anderem Schriften von Otto Braun, Willy Brandt, Arthur Koestler, Ernst Bloch, →Walter Mehring, Alfred Polgar, Else Lasker-Schüler, Ignazio Silone, Heinrich und Golo Mann. O. gehörte 1938 zu den Gründern der Neuen Schauspiel AG, die das Schauspielhaus Zürich von →Ferdinand Rieser übernahm. Dadurch konnte das aus vielen Emigranten bestehende Ensemble gerettet und der Spielbetrieb fortgesetzt werden. Von 1938 bis zu seinem Tod war er Verwaltungsratspräsident der Neuen Schauspiel AG; 1940 übernahm er zusätzlich die kaufmännische Direktion des Theaters. In O.s Tätigkeit – auch als Verwaltungsrat der Praesens-Film AG – verband sich Weltoffenheit mit dem schweizerischem Selbstbehauptungswillen der dreissiger Jahre. Zusammen mit seiner Frau leistete er Emigranten Hilfe auf alle erdenkliche Weise. "Jeder Hitler-Gegner, der in Zürich Station machte, tauchte früher oder später bei Oprecht auf", schrieb der Journalist →Curt Riess. Nach 1952 übernahm seine Frau die Leitung der Buchhandlung und Verlage. Die Buchhandlung wurde im Januar 2003 geschlossen, die Verlage wurden aufgelöst. Von Emmie O. wurde der Emil-Oprecht-Preis ins Leben gerufen, mit dem jährlich die besten Absolventen des Bühnenstudios/der Schauspiel-Akademie/der →Theaterhochschule Zürich ausgezeichnet werden. In Zürich erinnert die E.-O.-Strasse an den Verleger. Erster Präsident des →Centre Suisse ITI, 1950–52 Präsident des →SBV.

Literatur

  • Stahlberger, Peter: Der Zürcher Verleger E. O. und die deutsche politische Emigration 1933–1945, 1970.

Nachlass

  • Zentralbibliothek Zürich.


Autor: Ute Kröger



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Kröger, Ute: Emil Oprecht, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1353.

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