Internationales Opernstudio, Zürich ZH

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das I. wurde zu Beginn der Saison 1961/62 durch den damaligen Direktor des →Stadttheaters Zürich, →Herbert Graf, ins Leben gerufen. Er hatte die Direktion des Stadttheaters 1960 unter der Bedingung übernommen, dass nach amerikanischem Vorbild eine in den Theaterbetrieb integrierte Ausbildungsstätte für junge Sängerinnen und Sänger eingerichtet werde. Als Patronatsgesellschaft und Mäzenin dieser neuen Institution wurde die Gesellschaft zur Förderung der Zürcher Oper gegründet (seit 2000 Freunde der Zürcher Oper). Diese spricht Beiträge an Betriebs- und Produktionskosten und vergibt Stipendien an die Studierenden. Zusätzlich finanziert wird das I. durch Beiträge von Sponsoren, Stiftungen und Privatpersonen, den grössten Teil der Mittel bringt es jedoch selbst auf (unter anderem durch die Einnahmen der jährlichen Eigenproduktion und der Abschlussgala). Das Opernhaus leistet eine Defizitgarantie. Als Probe- und Spielstätte wurde im 1984 fertig gestellten Neubau des Opernhauses die "Studiobühne" eingerichtet. Die Oberleitung des I. hat bis heute der jeweilige Direktor des Opernhauses. Erster musikalischer Leiter war Hans Willi Häusslein (1961–77), erster administrativer Leiter Henry Hollenstein (1961–74). 1974 übernahm →Marc Belfort die administrative Leitung, 1976–98 hatte er die Gesamtleitung inne. In dieser Zeit wurde die Ausbildungsstätte stark ausgebaut und ihr Ansehen stieg auf internationales Niveau. Szenische Leiter waren →Werner Saladin (1975–79), →Grischa Asagaroff (1980–82 und 1984–86) und →Ulrich Peter (1986–89). Auf Häusslein folgten als musikalische Leiter Thomas Blum (1977–92), Veronica Scully (1992–96), Erkki Korhonen (1996–2000), →Marie-Jeanne Dufour (2000–03) und Thomas Barthel (seit 2003). Nach dem Tod Belforts 1998 wurde wiederum Peter szenischer Leiter des I. und hatte bis 2004 zusammen mit dem jeweiligen musikalischen Leiter die Gesamtleitung inne. Seine Nachfolgerin wurde Gudrun Hartmann. Das I. bereitet jährlich 18–20 hochbegabte junge Sängerinnen und Sänger mit abgeschlossenem Gesangsstudium sowie 2–3 Pianistinnen und Pianisten auf die Musiktheaterpraxis vor. Das Ausbildungsprogramm umfasst musikalisches und szenisches Rollenstudium, Stilbildung, Stimmbildung (2000–02 bei Rolff Sartorius, seither bei Horst Günter), Sprechtechnik und Operngeschichte (bis 2003 bei →Kurt Pahlen) sowie Workshops und Meisterkurse mit bedeutenden Sängerinnen und Sängern, Dirigenten und Regisseuren (unter anderen Peter Konwitschny und Elisabeth Schwarzkopf). Neben der jährlichen Eigenproduktion wird das Vorsingen vor Agenten vorbereitet, zudem wirken die Studenten des I. in kleineren Rollen in den Produktionen des Opernhauses mit. Zusätzliche Auftrittspraxis erlangen sie in Konzerten und Rezitals. Zu den Absolventen des I. zählen →Nadine Asher, Michèle Crider, →Gwyneth Jones, Julie Kaufmann, →Noëmi Nadelmann, Jukka Rasilainen, Judith Schmid, →Peter Straka, →Oliver Widmer und →Martin Zysset.

Literatur

  • Muscionico, Daniele: Das I. Eine Talentschmiede. In: Zelger-Vogt, Marianne/Honegger, Andreas (Hg.): Stadttheater – Opernhaus, 1991.
  • Opernhaus Zürich (Hg.): 40 Jahre I., 2002 [Broschüre].


Autorin: Marianne Koller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Koller, Marianne: Internationales Opernstudio, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 908.