Otto Weissert

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

* 11.8.1903 Mannheim (D), † 29.10.1969 Zürich. Onkel des Schauspielers und Regisseurs Andreas W.

Studium in Heidelberg und München, daneben 1922–24 Dramaturg und Schauspieler am Münchener Schauspielhaus (Direktion: Hermine Körner), 1926 Promotion mit einer Dissertation über "Tieck als Kritiker des Dramas und Theaters". 1926/27 erster Dramaturg und Leiter der Presse und Propaganda am Landestheater Oldenburg. 1927–29 Dramaturg und Direktionssekretär am →Schauspielhaus Zürich unter der künstlerischen Direktion von →Herman Wlach und der Generalleitung von →Ferdinand Rieser, daneben wirtschaftswissenschaftliches Studium in Zürich. 1929–32 Dramaturg am Deutschen Theater Berlin (Direktion: Max Reinhardt), 1932/33 in Königsberg Verwaltungsleiter und stellvertretender Geschäftsführer der Königsberger Operngesellschaft mbH. (Intendant: Hans Schüler) und der Neuen Schauspielhaus GmbH (künstlerischer Leiter: →Fritz Jeßner). 1933 gründete W. bei einem kurzen Aufenthalt in Zürich gemeinsam mit →Walter Lesch das →Cabaret Cornichon. 1934 emigrierte er wegen seiner jüdischen Ehefrau in die Schweiz und war beim Cabaret Cornichon offiziell als dessen kaufmännischer Leiter tätig, wurde aber von →Elsie Attenhofer als "der eigentliche Spiritus rector" des Unternehmens bezeichnet. Er schrieb unter dem Pseudonym Berthold Hein zahlreiche Kabaretttexte und komponierte Chansons (darunter "Mensch ohne Pass" oder "Kleine Schweizer Klage", interpretiert von →Heinrich Gretler), seine Kompositionen gehörten "zu den besten, die das Cornichon während all der Jahre zu bieten hatte" (Attenhofer). 1949 gründete W. das →Cabaret Federal, für das er ebenfalls Chansons textete und komponierte sowie Regie führte. 1959–61 war W. Pächter des →Theaters am Hechtplatz in Zürich, das 1959 mit W.s zusammen mit →Hans Moeckel und →Werner Wollenberger verfasstem Musical "Eusi chliini Stadt" eröffnet wurde. Zudem war W. ab 1959 kaufmännischer Leiter des Schauspielhauses Zürich, ab 1965 zugleich stellvertretender Direktor (Direktion: →Leopold Lindtberg), ab dem 6.2.1967 auch Delegierter des Verwaltungsrats. Für die Saison 1968/69 übernahm W. – bereits von Krankheit gezeichnet – zusammen mit dem Schauspieler →Erwin Parker und dem Bühnenbildner →Teo Otto, der nur noch in der Planungsphase mitarbeiten konnte, die interimistische Leitung des Schauspielhauses Zürich. W. war Herausgeber der Publikationen "Das Cornichon-Buch 1933–44" (1945) und "Hinter dem eigenen Vorhang. Das Buch vom Cabaret Federal" (1954).

Literatur

  • Attenhofer, Elsie (Hg.): Cabaret Cornichon. Erinnerungen an ein Cabaret, 1975.
  • Kröger, Ute/Exinger, Peter: "In welchen Zeiten leben wir!"Das Schauspielhaus Zürich 1938–1998, 1998.


Autor: Peter Exinger



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Exinger, Peter: Otto Weissert, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2070–2071.

Normdaten