Cabaret Cornichon, Zürich ZH

Aus Theaterlexikon
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Ensemble ohne eigene Spielstätte

Gegründet wurde das C. am 30.12.1933 in Zürich von →Walter Lesch und →Otto Weissert. Lesch als künstlerischer und Weissert als kaufmännischer Leiter teilten Risiko und Erfolg des Unternehmens. Mitinitianten waren →Emil Hegetschweiler und →Alois Carigiet. Das erste Programm, das wie die zwei folgenden keinen spezifischen Titel trug, folgte am 1.5.1934. Danach brachte das C. rund drei Programme pro Saison heraus, beispielsweise 1935 "Hupa Haua!", 1937 "Gäge de Strich", 1938 "Rübis und Stübis", 1939 "Aschpiraziönli", 1941 "Mir pflanzed", 1942 "Grün ist die Hoffnung", 1943 "Schöni Ussicht", 1945 "Fraternisieren erlaubt", 1946 "Mir händ putzt" und 1949 "Grimmige Märchen". Nach Anlaufschwierigkeiten wurde das C. zum wichtigsten schweizerischen Kleinkunstensemble. Ein grosser Teil der Nummern war unterhaltend, komisch, erotisch. Mit den Mitteln der Satire stellte das C. helvetische Befindlichkeiten bloss, verstand sich aber auch als Stütze der geistigen Landesverteidigung. Eine Minderheit der Programmnummern war politischer Natur. Diese wandten sich von Beginn an konsequent gegen die faschistische Bedrohung, was wiederholt zu Beschwerden der deutschen und italienischen Gesandtschaften und zu Interventionen der Schweizer Behörden führte. Treibende Kraft war neben Lesch der Regisseur, Schauspieler und Autor →Max Werner Lenz. Am C. wirkten – im Ensemble oder als Gäste – viele der hervorragendsten damaligen Schweizer Künstlerinnen und Künstler, so unter anderen als Autoren →Albert Ehrismann, →Max Gertsch, Lenz, Lesch, →Rudolph Bolo Maeglin, →Alfred Rasser und →Charles Ferdinand Vaucher, als Komponisten →Huldreich Georg Früh, →Tibor Kasics, →Werner Kruse und Bill Weilenmann; als Bühnenbildner Alois Carigiet und Hans Fischer, als Darsteller und Darstellerinnen →Blanche Aubry, →Elsie Attenhofer, →Zarli Carigiet, →Mathilde Danegger, →Voli Geiler, →Heinrich Gretler, Hegetschweiler, →Karl Meier, →Walter Morath, →Margrit Rainer, Rasser, →Trudi Schoop, →Peter W. Staub, →Schaggi Streuli und →Ruedi Walter. Hauptspielort war bis Januar 1949 das Hotel "Hirschen" in Zürich, danach wechselte das C. ins →Theater am Neumarkt in Zürich. Ausgedehnte Tourneen führten das C. durch die ganze Schweiz, an die Weltausstellung in Paris 1937 und zu den schweizerischen Grenztruppen. Das C. finanzierte sich ausschliesslich über Eintrittsgelder. 1951 führten politische Meinungsverschiedenheiten und Solokarrieren einzelner Mitglieder zur Auflösung.

Auszeichnungen

  • 1944 Ehrengabe der Stadt Zürich.

Literatur

  • Gerber, Frank: "Es dürfte hier eingeschritten werden müssen …". Das C. und die Zensur 1939–1945. In: Kotte, Andreas (Hg.): Theater der Nähe, 2002.
  • Hammer, Stephan: "Wärst du doch zu Haus geblieben!". Otto Heinrich Weissert, das C. und der Kampf ums Bleiberecht. In: Bundesamt für Flüchtlinge (Hg.): Prominente Flüchtlinge im Schweizer Exil, 2003.

Nachlass

  • Archivalien zum C. befinden sich im Archiv Elsie Attenhofer im Stadtarchiv Zürich und im Schweizer Cabaretarchiv Thun;
  • Polizeiakten zum C. im Schweizerischen Bundesarchiv, Bern, und im Staatsarchiv Zürich.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Cabaret Cornichon, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 317–318.