Gardi Hutter

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* 5.3.1953 Altstätten SG. ∞ 1978–92 →Ferruccio Cainero, Schauspieler, Regisseur und Autor.

Handelsdiplom, 1972–73 Sozialpraktikum in Paris. 1974–77 Ausbildung zur Schauspielerin und Theaterpädagogin an der →Schauspiel-Akademie Zürich. 1977 spielte H. am →Theater für den Kanton Zürich in Winterthur Hadit in Hauptmanns "Schluck und Jau" und bei →Spatz & Co. in Baden Sabine in der Ensembleproduktion "Spielverderber" sowie 1978 bei der →Claque in Baden in →Markus Kägis "Sind mir denn niemer!". 1978 ging H. nach Italien und begann sich verstärkt mit verschiedenen Clownrollen auseinander zu setzen. Ihre Lehrer waren Mario Gonzales und Nani Colombaioni sowie Cainero vom →Teatro Ingenuo in Meride. H. spielte unter anderem in Aristophanes’ "I Cavalieri" (1980) und in dessen "Pluto" (1981), beides Koproduktionen des Teatro Ingenuo und des Centro di Ricerca per il Teatro (CRT) in Mailand. Der Durchbruch als international bekannte "Clownerin" gelang ihr mit dem gemeinsam mit Cainero entwickelten Stück "Jeanne d’ArPpo – Die tapfere Hanna", das sie erstmals 1981 in einem Park beim Theaterfest Ben Venga Maggio in Mailand spielte. Mit der dicken, bösartigen und grotesken Wäscherin Hanna, die an der Tücke alltäglicher Situationen und Objekte scheitert, schuf H. die neuartige Kunstfigur des tragischen weiblichen Clowns, die sie in den folgenden Stücken in unterschiedlicher Weise weiterentwickelte und in andere Zusammenhänge stellte. 1984 hatte Cainero/Hutter/Minnie Marx’ "Abra Catastrofe – Eine Hexenkomödie", in der sie gemeinsam mit Marx auftrat, Premiere, 1988 folgte Cainero/Hutter/→Mark Wetters "So ein Käse", 1994 Cainero/Hutter/Barbara Freys "Sekretärin gesucht", gespielt zusammen mit →Eric Amton Rohner (Regie jeweils: Cainero), 1998 Hutter/→Ueli Bichsels "Das Leben ist schon lustig genug" mit Bichsel als Bühnenpartner (Regie: H./Bichsel) und 2003 H.s "Die Souffleuse" (Regie: Bichsel/Fritzi Bisenz). H. arbeitet in ihren Programmen mit Mimik, Slapstick, Pantomime und oft mit einer eigenen Sprache, einer Art melodiösen Gemurmels mit nur wenigen verständlichen Worten. Ihre Figuren sind meist eigensinnig und unbelehrbar, was sie häufig in eine ausweglose Situation führt. Viele der Stücke enden mit dem Tod der Protagonistinnen. In "Die Souffleuse" folgt auf die Katastrophe jedoch eine Metamorphose, welche der Figur eine neue Welt eröffnet. Markenzeichen von H.s Figuren sind die Clownnase und eine wilde Strubbelfrisur. H. trat in rund zwanzig Ländern Europas und Amerikas auf, und ihre Programme wurden in rund einem Dutzend Ländern im Fernsehen ausgestrahlt. Anlässlich der 700-Jahr-Feier der Schweiz trat H. 1991 als Putzfrau im Nationalratssaal des Bundeshauses auf. 1997 gastierte sie als Rea in →Friedrich Dürrenmatts "Romulus der Grosse" am →Schauspielhaus Zürich. 2000 ging sie gemeinsam mit Bichsel, ihrer damals elfjährigen Tochter und deren Freundin auf Tournee mit dem Zirkus Knie. 2004 trat sie mit →Sue Mathys und Sandra Studer in dem Liederprogramm "Drei Bräute für ein Halleluja" (Regie: →Dominik Flaschka) im Casinotheater Winterthur auf. 1993 realisierte H. gemeinsam mit Beat Kuert (Regie) den Film "Hanna und Rocky" (ausgestrahlt vom Schweizer Fernsehen TSI). H. verfasste zudem verschiedene Kinderbücher sowie 2001 die Erzählung "Der kleine See und das Meer". 2004 entstand Carla Kilians Dokumentarfilm "Die Clownerin Gardi Hutter".

Auszeichnungen

  • 1987 Prix de la presse, Cannes, und Kleinkunstpreis Knurrhahn, Wilhelmshaven,
  • 1988 Prix Blanc et Noir, St. Gervais,
  • 1989 Kleinkunstigel, Buxtehude,
  • 1990 →Hans Reinhart-Ring der →SGTK,
  • 1991 Oberschwäbischer Kleinkunstpreis, Ravensburg,
  • 1995/96 St. Galler Kulturpreis,
  • 2001 Narrenkappe, Frauenfeld,
  • 2005 Schweizer Kleinkunstpreis Goldener Thunfisch (verliehen von der →KTV).

Literatur

  • Moser-Ehinger, Susann und Hansueli W.: G. H., die Clownerin, 1985.


Autorin: Sara Baumann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Baumann, Sara: Gardi Hutter, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 893–894, mit Abbildung auf S. 894.

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