Hedda Koppé

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* 7.12.1896 Biel BE, † 20.4.1990 Bern, eigentlich Hedwig Kopp. ∞ Arthur William Lory, Journalist.

Zunächst Primarlehrerin. Literaturstudien an der Universität Bern brachten sie in Kontakt mit →Otto von Greyerz, der für sie "Ds Schmocker Lisi" schrieb. 1917 debütierte sie in dieser Rolle in einer Aufführung des →Berner Heimatschutz-Theaters am →Stadttheater Bern. Daraufhin erhielt K. in der Spielzeit 1917/18 mehrere Rollen am Stadttheater, darunter Berta von Bruneck in Schillers "Wilhelm Tell" (Regie: Carl Weiss) und Lulu Puppke in Martin Frehsee/→Albert Kehms "Als ich noch im Flügelkleide" (Regie: Kehm). 1918/19 liess sie sich nach Kaiserslautern verpflichten, 1919–21 spielte sie unter dem Namen Hedwig Kopp am →Stadt- und Aktientheater St. Gallen (Direktor: →Theo Modes). Dort interpretierte sie unter anderem als Partnerin von →Albert Bassermann die Titelrolle in Ibsens "Nora oder Ein Puppenheim". 1921/22 gehörte sie – unter dem Namen Hedy Kopp – zum Ensemble der Wanderbühne des österreichischen Volksbildungsamts Wien, die zeitweilig im Akademietheater spielte; K. verkörperte unter anderem die Titelrolle in Lessings "Minna von Barnhelm". 1928 zog sie nach Amerika, trat in Stummfilmen auf, wurde arbeitslos und schlug sich mit Jodeln durch. Erfolge errang sie als Vedette beim französischsprachigen Théâtre des Arts in Montréal. In Maughams "The Constant Wife", der ersten Produktion der von Elizabeth Montagu in Zürich neu gegründeten Anglo-American-Players, spielte K. 1943 auf zahlreichen Gastspielen in der Schweiz die Rolle der Mrs. Culver. 1951–53 gastierte K. am →Atelier-Theater Bern als Heiratsvermittlerin in Gogols "Die Heiratskomödie" (Regie: →Hans Gaugler), als alt gewordenes Ballettgirl in Sacha Guitrys "Nicht zuhören, meine Damen" (Regie: Hans E. Berg), als Frau Pollinger in Hermann Bahrs "Das Konzert" (Regie: →Adolph Spalinger); in Freilichtaufführungen auf der Kleinen Schanze in Bern spielte K. die schwarzhäutige Köchin Lucie in einer Bearbeitung von Shakespeares "Komödie der Irrungen" (Regie: Berg) und die Mutter in →Josef Victor Widmanns "Maikäferkomödie" (Regie: Spalinger). Am →Bernhard-Theater Zürich war K. 1956 in Hans Reimann/Toni Impekovens Schwank "Der Schrecken der Behörde" unter der Regie und als Partnerin von →Rudolf Bernhard zu sehen. 1964 gastierte K. erneut am Atelier-Theater Bern als Madame Belmont in Schillers "Der Parasit oder Die Kunst, sein Glück zu machen" (Regie: →Rudolf Wessely). →Franz Schnyder engagierte sie für seine Filme "Uli der Knecht" (1954) und "Uli der Pächter" (1955), wo sie an der Seite von →Emil Hegetschweiler als Glunggepüüri glänzte. In dieser Rolle gelang ihr eine archetypische Mutterfigur; völlig natürlich schien sie →Jeremias Gotthelfs Vision der weisen, menschlichen und mutigen Frau zu verkörpern. Für ihre Darstellung erhielt K. 1958 den Filmpreis der Stadt Zürich.



Autor: Thomas Hostettler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hostettler, Thomas: Hedda Koppé, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1021–1022.

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