Katja Wulff

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* 31.8.1890 Hamburg (D), † 11.6.1992 Basel, auch Käthe W. ∞ 1939 →Charles Ferdinand Vaucher, Schauspieler, Regisseur und Autor.

Ausbildung zur Zeichen- und Turnlehrerin, 1912–15 Unterrichtstätigkeit in Hamburg. Ab 1913/14 Tanzunterricht bei Gertrud Falke. 1914 Ferienkurs bei →Rudolf von Laban auf dem →Monte Verità. 1916 als dessen Assistentin und als Tanzpädagogikschülerin an der →Labanschule für Bewegungskunst in Zürich, 1918 Diplom für Pädagogik in tänzerischem Turnen und Kunsttanz. 1916–18 beteiligte sich W. mit Tänzen und Rezitationen an →Dada-Soireen. 1918 Teilhaberin von →Suzanne Perrottets Schule für Eurhythmie. 1923 gründete W. in Basel eine eigene Schule, an der sie bis ins Alter von über neunzig Jahren professionelle Tänzerinnen und Pädagoginnen ausbildete sowie Laien unterrichtete. Aussergewöhnlich kreativ war der Kreis ihrer ersten Schülerinnen, zu dem →Mariette von Meyenburg, →Marie-Eve Kreis, Trix Gutekunst (→Beatrice Tschumi), Lisa Mutschelknaus, Annemarie Nadolny, Els Havrlik und Lili Fleischmann gehörten. 1926 formierte sich aus diesem Kreis die Tanzgruppe "Tanzstudio Wulff", die W. zusammen mit ihrer Meisterschülerin von Meyenburg leitete. Im Februar 1927 erste grosse Aufführung im →Stadttheater Basel mit einer Tanzsuite (Musik: Alfredo Casella) und dem Ballett "Barabau" (Musik: Vittorio Rieti). Wichtige Werke, meist in von Meyenburgs Choreografie: 1929 "Relâche" und 1931 "Parade" (Musik beide: Eric Satie), 1931 "Ariadne" und Tänze in der Barock-Oper "Dido und Aeneas" (Musik: Purcell). Männerrollen wurden zunächst von Frauen getanzt, später von Vaucher und →Frédéric Stebler übernommen. Häufige Zusammenarbeit mit dem Basler Kammerorchester unter der Leitung von →Paul Sacher. Plakate entwarf Max Bill, Bühnenbilder →Max Sulzbachner, Kostüme Meret Oppenheim – allesamt Künstler, die W. aus den Künstlergruppen "Rot-Blau" und "Gruppe 33" kannte. Das Tanzstudio W. gastierte in anderen Schweizer Städten, nahm 1927–30 an den Tänzerkongressen in Magdeburg, Essen und München teil und beteiligte sich an Schweizer Grossanlässen wie →Tanz an der SAFFA (1928) und der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich (1939). Hatte W. im ersten Programm noch choreografiert und später weiterhin mitgetanzt, wirkte sie seit den dreissiger Jahren als Organisatorin der Truppe. Mitte der vierziger Jahre löste sich das Tanzstudio W. auf. W. richtete nun ihre ganze Energie auf die Lehrtätigkeit. An der Augustinergasse 3, wo W. zuletzt unterrichtete, erinnert eine Gedenktafel an ihre Pionierleistung für die Tanzkunst in Basel.

Literatur

  • Zeugin, Bettina: K. W., 2001.
  • Vaucher, Charles Ferdinand: "Aus meiner linken Schublade". Erzählungen eines Lebens, 1996.

Nachlass

  • Deutsches Tanzarchiv Köln.


Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Katja Wulff, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2123, mit Abbildung auf S. 2123.

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