Max Werner Lenz

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* 7.10.1887 Kreuzlingen TG, † 31.10.1973 Bassersdorf ZH, eigentlich Max Werner Russenberger.

Nach der Ausbildung und mehrjähriger Tätigkeit als Stickerei-Entwerfer ab 1916 Schauspielunterricht bei →Richard Révy in Zürich. Sein erstes Engagement erhielt L. 1918–21 am →Stadttheater Zürich (bis 1920 unter dem Namen Werner L.). Anschliessend arbeitete er ein Jahrzehnt lang in Deutschland und Rumänien. Er wirkte unter anderem 1921/22 als Schauspieler und Dramaturg am Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main, 1923–25 zunächst als Schauspieler, ab 1924 zusätzlich als Oberspielleiter am Stadttheater/Deutschen Theater in Rumänien in Hermannstadt, danach als Schauspieler und Spielleiter 1925/26 an den Vereinigten Bühnen München unter Révys Oberspielleitung, 1926/27 erneut am Frankfurter Künstlertheater für Rhein und Main, 1927–28 an den Münchner Kammerspielen im Schauspielhaus (Inszenierungen von Hauptmanns "Fuhrmann Henschel" und Louis Verneuils "Du wirst mich heiraten") und 1929–31 als Oberspielleiter und Schauspieler am Friedrich-Theater Dessau (unter anderem Inszenierung von Eberhard Wolfgang Möllers "Douaumont"). 1931 kehrte L. in die Schweiz zurück und begann für die Bühne zu schreiben. Einen ersten Erfolg hatte er mit der Komödie "Heil dir Helvetia!", die unter seiner Regie am 24.10.1932 von der →Freien Bühne Zürich uraufgeführt wurde. 1932 Auftritt als Theaterdirektor Staible in →Peter Haggenmachers "Die Venus vom Tivoli" am →Stadttheater St. Gallen. 1933 hatte L.s Bearbeitung von Offenbachs "Die schöne Helena", in der er Menelaos und Agamemnon in Hitler- beziehungsweise Mussolini-Maske auftreten liess, am Stadttheater Zürich mit L. in der Rolle des Herrn Gigax Premiere. Dort sah ihn →Walter Lesch und gewann ihn fürs →Cabaret Cornichon. Bis 1947 war L. dort als Autor, Regisseur und Schauspieler tätig und wurde zu einer prägenden Figur des schweizerischen Kabaretts. L. verfasste Chansons, Sketche und zahlreiche Sprechtexte, namentlich für →Elsie Attenhofer, mit der er auch als Bühnenpartner auf Tournee ging. 1944 inszenierte er ausserdem die Uraufführung von Attenhofers Stück "Wer wirft den ersten Stein?"(Theater- und Tournee-Genossenschaft Zürich im →Küchlin-Theater Basel und auf Tournee in der Schweiz). Daneben einzelne Rollen am →Schauspielhaus Zürich, so beispielsweise 1935 Redaktor Meierhans in der Uraufführung von Leschs "Cäsar in Rüblikon" (Regie: →Leopold Lindtberg), 1940 Pistol in Shakespeares "Die lustigen Weiber von Windsor" (Regie: →Leonard Steckel und 1941 Dr. Andreas Mettler in Bruno Franks "Mira Bell" (Bearbeitung und Regie: L.). Nach einem kurzen Engagement beim Stuttgarter Kabarett "Die Mausefalle" gründete L. 1949 zusammen mit →Otto Weissert und →Zarli Carigiet das →Cabaret Federal, für das er bis 1953 Texte schrieb und das Debütprogramm inszenierte. Weitere Texte verfasste L. für die Soloprogramme von →Alfred Rasser. In den fünfziger Jahren war L. ausserdem Regisseur am Kom(m)ödchen Düsseldorf und von →Arnold Küblers Soloprogramm "Neues aus der Grümpelchammer". Daneben verfasste L. Romane, Hörspiele und Gedichte. Bühnenwerke: "Schneeflock und Regentropf. Ein Winter- und Wassermärchen" (Uraufführung 1931, Stadttheater St. Gallen), "Die Begegnung" (Uraufführung 13.11.1947, Schauspielhaus Zürich, Regie: L.), "Mit em Herz dur d’Wand" (Uraufführung 1949, →Stadttheater Winterthur), "Victoria in Hollywood" (Uraufführung 1949, Café Schweizerbund Bern durch das Ensemble "Silhouette" mit Attenhofer und Lenz). Diverse Rollen in Schweizer Filmen, unter anderem Dr. Juchli in Leschs "Wie d’Wahrheit würkt" (1933), Herr Ragaz in Lesch/Lindtbergs "Jä-soo!"(1935), für das er mit Lesch das Drehbuch schrieb, Hungerbühler in Hermann Haller/Lindtbergs "Füsilier Wipf" (1938), Lehrer Bertschi in Steckel/L.s "Bider der Flieger" (1941), Clown Picco in →Max Hauflers "Menschen, die vorüberziehen" (1942), Kipper in →Kurt Frühs "Bäckerei Zürrer" (1957) und der Dorflehrer in →Franz Schnyders "Die Käserei in der Vehfreude" nach →Jeremias Gotthelf (1958).

Auszeichnungen

  • 1944 Radiopreis für "Hotel Alpenblick" als bestes Hörspiel des Jahres,
  • 1946 1. Preis der Büchergilde Gutenberg und
  • 1947 Georg-Fischer-Preis der Stadt Schaffhausen für den Roman "Fahrerin Scherrer",
  • 1970 Ehrenbürger von Bassersdorf.

Nachlass

  • Stadtarchiv Zürich (im Nachlass Elsie Attenhofer).


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Max Werner Lenz, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1097–1098.

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