Armin Schibler

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* 20.11.1920 Kreuzlingen TG, † 7.9.1986 Zürich. ∞ 1947 Tatjana Berger, Geigerin.

Nach der Matura Musikstudium am Konservatorium Zürich, Komposition bei Paul Müller und →Willy Burkhard, Diplome für Schulgesang, Musiktheorie und Klavier. 1946 Studienreise nach England, Begegnungen mit Michael Tippett und Britten. 1944 bis kurz vor seinem Tod als Musiklehrer am Gymnasium Rämibühl in Zürich tätig. Bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt (1949–53) Auseinandersetzung mit der musikalischen Avantgarde, unter anderem in der Begegnung mit Krenek, Fortner, Leibowitz und Adorno, von denen er sich nach Versuchen mit seriellen Techniken distanzierte. Ab 1955 neue kreative Impulse durch den Einfluss der Musik Strawinskys und durch die Begegnung mit dem Jazz, was S. unter anderem zur Auseinandersetzung mit dem Tanz führte. Erste Ballettkompositionen waren beispielsweise die Kammerballette "Der Gefangene"/"Le Prisonnier" (Uraufführung 1958 in Barcelona, Kammerballett Juan Tena), "Ein Lebenslauf"/"Curriculum vitae" (Uraufführung 1962 anlässlich der Schweizer Tanztage in Saarbrücken) und "Selene und Endymion" (Uraufführung 1960 in Athen, Ballettakademie Zürich). Die Ballettmusik "Concert pour le temps présent" wurde 1963 mit dem ersten Preis im internationalen Wettbewerb für Ballettmusik der Stadt Genf ausgezeichnet (szenische Uraufführung 1964 am →Grand Théâtre in Genf, Choreografie →Janine Charrat). Die frühesten dramatischen Kompositionen entstanden jedoch bereits zwischen 1947 und 1955, geprägt von neobarocken und spätromantischen Einflüssen sowie durch den Kompositionsunterricht bei Burkhard. Die beiden Opern "Der spanische Rosenstock" (Libretto: Max Allenspach, Uraufführung 9.4.1950 am →Stadttheater Bern, Regie: →Stephan Beinl, musikalische Leitung: →Niklaus Aeschbacher) und "Der Teufel im Winterpalais" (Libretto: Gustav Specht und Julius Kapp) entstanden nach Novellen von Werner Bergengrün, die Kammeroper "Die Füsse im Feuer" nach der Ballade von C. F. Meyer (auch "Die späte Sühne", Libretto: S., Uraufführung 25.4.1955 am →Stadttheater Zürich, Regie: Georg Reinhardt, musikalische Leitung: →Victor Reinshagen). Die Jugend­oper "Urs und Flurina" (1955/56) entstand aus der Idee, die Tradition des Kindermärchens des Zürcher Stadttheaters mit einem aktuellen Stoff und einer zeitgemässen Musik- und Tanzsprache zu verbinden, die geplante Uraufführung kam jedoch nicht zu Stande (Libretto: S. nach den Kinderbüchern "Schellen-Ursli" und "Flurina" von Selina Chönz und →Alois Carigiet, zürichdeutsche Fassung von Rudolf Hägni). Überzeugt von der Notwendigkeit einer pluralistischen musikalischen Moderne, versuchte S. seit den späten fünfziger Jahren sowohl als Pädagoge als auch als Komponist, möglichst viele Facetten der E- und der U-Musik (Jazz, Rock, Pop) in Einklang zu bringen und mit diesen Stilmitteln zeitkritische Fragen zu Politik, Gesellschaft und Kunst zu thematisieren. Die musikalische Burleske für Sänger und Tänzer "Blackwood & Co." (Libretto: S./Alfred Goldmann, Uraufführung im Rahmen der Zürcher Juni-Festwochen am 3.6.1962 am Stadttheater Zürich, Regie: →Lotfi Mansouri, musikalische Leitung: →Nello Santi) und das Kammermusical "Antoine und die Trompete" (Text, angeregt durch Dominique Vincents "Charlie, 22 ans, trompette" vom Komponisten, Uraufführung 6.9.1983 durch das →Opernhaus Zürich in der Aula Rämibühl in Zürich, Regie: →Ulrich Peter, musikalische Leitung: Jacques Lasserre) sind die erfolgreichsten Produkte dieser Tendenzen. Um sich von den Konventionen des Theaterbetriebs lösen zu können, konzipierte S. zwischen 1970 und 1980 das Genre des "Hörwerks", in dem er wiederum vor allem das aktuelle Zeitgeschehen thematisierte (beispielsweise "The Point of Return", Text: S., Uraufführung 1972 im Casinosaal Basel, musikalische Leitung: Max Wehrli). In den Hörwerken, die gleichermassen für den Konzertsaal, die Bühne und das Radio bestimmt waren, suchte er stilistisch ein "synergetisches Gleichgewicht von Musik und Sprache" (Gina Schibler) zu finden. In den letzten Lebensjahren wandte sich S. noch einmal der Oper zu, unter anderem mit drei Einaktern nach Vorlagen von Thornton Wilder: "Amadeus und der graue Bote" (Uraufführung konzertant 1986 im Casino Bern, musikalische Leitung →Peter Maag), "Königinnen von Frankreich" und "Schlafwagen Pegasus". Von S.s Schriften erschienen unter anderem "Texte 1971–74", "Antoine und die Trompete, Texte 1975–82" sowie "Das Werk 1986", eine Selbstdarstellung mit Werkverzeichnis.

Auszeichnungen

  • 1980 Musikpreis der Stadt Zürich.

Literatur

  • Metzger, Hans-Rudolf/Briner, Andreas: A. S. 1920–1986, 1990 und 1991.
  • Schibler, Gina: Wenn das Tönende die Spur der Wahrheit ist … Biographie und Werk des Komponisten und Musikschriftstellers A. S., 2000.

Nachlass

  • Paul Sacher Stiftung, Basel.


Autor: Hanspeter Renggli



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Reggnli, Hanspeter: Armin Schibler, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1602–1604, mit Abbildung auf S. 1602.

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